Anzeige wegen "Seute Deern" erweitert: Anwältin sieht weitere Gefahren

  • Auch die "Bremer Kogge" drohe zu verrotten, heißt es jetzt.
  • Als Zeugen benennt die Anwältin den ehemaligen Kurator des Schiffes
  • Anzeige richtet sich gegen Leitung des Museums
Ein Holzwrack ist in einer großen Halle ausgestellt.
Der ehemalige Kurator der Kogge behauptet, dass das Wrack im Schiffahrtmuseum verrottet. Bild: DPA | Carmen Jaspersen

Die Rechtsanwältin Karla Mombeck aus Hagen im Bremischen hat ihre Anzeige gegen die Leitung des Deutschen Schifffahrtsmuseums (DSM) in Bremerhaven erweitert. Bereits Anfang November hatte sie der Museumsleitung vorgeworfen, die Museumsflotte im Alten Hafen durch Nichts-Tun beschädigt zu haben. Nun ergänzt sie: Die Verantwortlichen würden auch die "Bremer Kogge" verrotten lassen.

Die Kogge von 1380 wurde 1962 vor Bremen gefunden. Seit dem Fund dauerte es fast 40 Jahre, bis das konservierte Schiff in der nach ihm benannten Kogge-Halle des Museums öffentlich ausgestellt wurde. Die Anwältin behauptet nun, die hölzernen Planken und Balken würden nach und nach reißen und sich vom Wrack lösen.

Anwältin benennt Zeugen

Die Hagenerin beruft sich auf Aussagen eines Experten. Der ehemalige Konservator der Kogge und frühere Leiter des Forschungslabors für Nassholzkonservierung am DSM, Per Hoffmann, hatte sich nach Bekanntwerden der ersten Strafanzeige bei der Anwältin gemeldet und sie auf den Zerfall der Kogge hingewiesen.

30 Jahre lang hat sich Hoffmann um den Erhalt der Kogge gekümmert. Seit seiner Pensionierung 2008 bemüht er sich nach eigenen Angaben um die Rettung des Wracks.

Die Kogge steht seit über 12 Jahren in einem provisorisch gestützten und labilen Zustand und ist vom Zusammenbruch bedroht. Erhebliche Schäden durch Nichtachtung und Vernachlässigung sind seit langem zu sehen.

Per Hoffmann, ehemaliger Konservator der Kogge

Staatsanwaltschaft prüft den Fall

Hoffmann habe unter anderem das Direktorium, den Verwaltungsrat, den wissenschaftlichen Beirat des Museums sowie den zuständigen Staatsrat und das Kulturministerium auf das Problem aufmerksam gemacht. 2017 hatte Hoffmann dann den labilen Zustand der Kogge in einem Interview mit buten un binnen öffentlich beklagt. Wenn man jetzt nichts unternehme, werde sich die Kogge bald in ihre Einzelteile auflösen, sagte Hoffmann damals.

In die Bergung, den Wiederaufbau und die langjährige Konservierung der Kogge sind bisher etwa 30 Millionen Euro geflossen, und nun wird sie sehenden Auges dem Verfall preisgegeben.

Per Hoffmann, ehemaliger Konservator der Kogge

Die Staatsanwaltschaft prüft den Fall. Dann soll entschieden werden, ob Ermittlungen eingeleitet werden. Das Museum will sich bisher nicht zu den Vorwürfen äußern.

Rückblick: Verfällt die 600 Jahre alte Bremer Hansekogge?

Video vom 19. Mai 2017
Kogge im Museum Bremerhaven
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Sonja Harbers

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 20. November 2019, 17 Uhr