Bei Schul- und Kita-Ausfällen sind Oma und Opa keine Option

Bremens Eltern rotieren: Wohin mit den Kindern, wenn ab Montag Schulen und Kitas dicht machen? Die Großeltern fallen als Betreuung aus, denn sie sind besonders gefährdet.

Eine Rentnerin zeigt eine abwehrende Handhaltung durch einen Türspalt.
Harte Zeiten für ältere Menschen: Sie sollten sich jetzt besonders schützen. Bild: DPA | Joko/Imagebroker

Mit dem Alter steigt das Risiko, an einer Corona-Infektion zu sterben. Deshalb sollten sich derzeit insbesondere ältere Personen schützen. Deutschlands bekanntester Corona-Experte Christian Drosten, Virologe an der Berliner Charité, fordert, dass das Sozialleben aller über 65-Jährigen für einige Monate quasi aufhören muss und der Kontakt zur Außenwelt möglichst reduziert wird.

Das bedeutet: keine Vereinstreffen, keine Besuche der Kinder und vor allem kein Hüten der Enkelkinder. Gerade jetzt wären aber für viele Eltern im Land Bremen die eigenen Eltern der Notnagel, um die Kinder gut betreut zu wissen, wenn Schulen und Kitas geschlossen sind. Die Ausnahmesituation wird jetzt für viele zum Dilemma. Für den Virologen ist die selbstauferlegte Quarantäne alternativlos, will man nicht das Leben dieser Generation aufs Spiel setzen.

Wenn man das nicht ernst nimmt, muss man davon ausgehen, das Raten im Bereich 20 bis 25 Prozent dieser Personen, sterben werden.

Christian Drosten, Virologe an der Berliner Charité im NDR Info Podcast

Petra Katzorke von der Bremer Zentralelternvertretung sieht den Ball jetzt im Feld der Arbeitgeber: "Für die berufstätigen Eltern ist das jetzt eine echte Herausforderung, die Betreuung ihrer Kinder zu organisieren." Wenn die Großeltern als Betreuung ausfielen und auch nicht klar sei, ob die Betreuung in Kleingruppen aufgrund der Vorgabe, Sozialkontakte zu meiden, eine Alternative wären, "dann ist mein Appell an die Arbeitgeber: 'Finden Sie bitte mit den betroffenen Eltern eine verträgliche Lösung zum Beispiel in Form von Heimarbeit'."

Quarantäne für Ü65

Nimmt man die Hinweise der Experten ernst, fallen die Großeltern nicht nur für die Kinderbetreuung aus. Bestenfalls sollten sie jeglichen Kontakt zu anderen vorerst meiden. Deshalb raten auch immer mehr Bremer Pflegeeinrichtungen von Besuchen Angehöriger ab, um diese vor dem Coronavirus zu schützen. Verbote wurden nicht ausgesprochen – noch nicht.

Hinweisschild auf ein Altenheim.
Noch gibt es in Bremens Altenheimen keine Besuchsverbote. Bild: DPA | G. Czepluch/blickwinkel

Die Alten- und Pflegeheime im Land Bremen sind dabei, den Außenkontakt zu ihren Bewohnerinnen und Bewohnern zu reduzieren. Die Johanniter haben in ihren Einrichtungen bis Mitte April alle externen Veranstaltungen abgesagt.

Auch wenn es hart ist und der Besuch wahrscheinlich sehnlichst erwartet wird, werden Angehörige von vielen Einrichtungen gebeten, jeden Besuch zu hinterfragen und zu überlegen, ob es nicht doch besser ist, einfach wegzubleiben. Verboten ist sind Besuche in Alter- und Pflegeheimen für gesunde Menschen aber (noch) nicht. Auch nicht in den über 30 Standorte der Bremer Heimstiftung. Diese appelliert aber an Angehörige, die Kontakte zu reduzieren.

"Angehörige, die erkältet sind oder im Risikogebiet Skilaufen waren, sollen nicht kommen und deren Angehörige vielleicht auch drei Tage nicht", sagt Andrea Juchem, Qualitätsbeauftragte der Bremer Heimstiftung. Sie will Besuch nicht generell unterbinden, doch ist ihr wichtig, dass sich alle der Risiken bewusst sind. Und sich entsprechend bei Besuchen verhalten und die bereitgestellten Desinfektionsspender unbedingt beim Betreten und Verlassen des Hauses nutzen.

Man sollte im Haus die Hygienemaßnahmen einhalten.

Andrea Juchem, Bremer Heimstiftung

Im Landkreis Cuxhaven wurde am Donnerstagnachmittag auf Empfehlung des niedersächsischen Gesundheitsministeriums entschieden, dass Personen, die sich in den letzten 14 Tagen in Risikogebieten aufgehalten haben, erst mal nicht mehr stationäre Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser oder Schulen betreten dürfen.

Hygiene ist das A und O

Bei ihren Besuchsregeln orientieren sich alle Alten- und Pflegeheime an den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und des Gesundheitsamtes. Dort wird unter anderem geraten, die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen regelmäßig zu schulen und Aushänge anzubringen, dass Personen mit Atemwegserkrankungen die Heime meiden sollen. Gezielt geachtet wird darauf, dass die vorhandenen Desinfektionsmittel auch benutzt werden. Diese sind ausreichend vorhanden und können auch noch geliefert werden. Auch Schutzkleidung ist – bis auf ausreichend Mundschutzmasken – erst einmal genügend vorhanden. Genügend für den jetzigen Bedarf. Andrea Juchem hat aber im Blick, dass der möglicherweise noch steigen könnte.

Sie bereitet sich sicherheitshalber auch auf den Fall der ersten Corona-Fälle in ihren Häusern vor. Im Fall des Falles würden die Bewohner erst einmal auf ihren Zimmern isolieren. Andrea Juchem von der Bremer Heimstiftung glaubt, damit ihre Bewohnerinnen und Bewohner zunächst gut schützen zu können. Sie macht sich allerdings darüber Gedanken, auf lange Sicht genügend Pflegekräfte zu haben. Ihre Hauptsorge: Das Personal könnte sich jenseits der Einrichtungen anstecken.

Autorin

  • Katharina Guleikoff

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 12. März 2020, 17:10 Uhr