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Darum gibt es in Bremen jetzt eine Allianz gegen Flächenverbrauch

Freie Flächen sind endlich, vor allem im Stadtstaat Bremen. Eine neu gegründete Allianz will deshalb verhindern, dass neue Gewerbegebiete auf der grünen Wiese entstehen.

Luftaufnahme des Güterverkehrzentrums in Bremen
Keine neuen Flächen für Gewerbegebiete, wie etwa das Güterverkehrszentrum (GVZ), fordert die neu gegründete Allianz. Bild: Imago | Hans Blossey

Den Zeitpunkt für ihre Gründung haben die Mitglieder der "Allianz gegen Flächenverbrauch" bewusst gewählt: "Aktuell wird in Bremen das neue Gewerbeenwicklungsprogramm 2030 erarbeitet. Da wollen wir den Finger in die Wunde legen und darauf aufmerksam machen, wie wichtig es ist, den Flächenverbrauch in Bremen zu stoppen", sagt Ulf Jacob vom "Bündnis lebenswerte Stadt – grünes Bremen", das Teil der neuen Allianz ist.

Das große Ziel: Keine neuen Flächen mehr erschließen

Gleich mehrere Vereine und Initativen haben sich zur "Allianz gegen Flächenverbrauch" zusammengeschlossen, darunter die Landesverbände des BUND, der Gartenfreunde Bremen sowie des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekten. Gemeinsam fordern sie nicht nur, den Flächenverbrauch in Bremen und im Umland zu senken, sondern langfristig auch eine Netto-Null-Bilanz zu erreichen. Das bedeutet, dass keinerlei neue Flächen für Wohn- oder Gewerbegebiete erschlossen, sondern vorhandene Bestandsflächen weiterentwickelt oder umgewandelt werden.

Fakt ist: Freie, unbebaute Flächen, wie etwa im Bremer Blockland, sind ein endliches Gut, vor allem in wachsenden Stadtstaaten wie Bremen. Zwar hat der Flächenverbrauch in Bremen in den vergangenen 20 Jahren abgenommen. Zwischen 2016 und 2019 sind aber immer noch durchschnittlich 35 Hektar pro Jahr an freier Fläche verloren gegangen. Das entspricht rund 50 Fußballfeldern.

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Zeit, um endlich zu handeln und die Politik in die Pflicht zu nehmen, sagt die Allianz. "Im Rahmen des Gewerbeentwicklungsprogramm 2030 werden aktuell auch Gewerbeflächen im Blockland, in der Ochtumniederung südlich des Flughafens sowie im Naturschutzgebiet Hochwasserpolder diskutiert", sagt Ulf Jacob. Dabei brauche es gerade möglichst viele freie Flächen, um den Verlust von Biodiversität zu verhindern und den Klimawandel aufzuhalten.

Bestehende Flächen umwandeln

Darüber ist man sich im Wirtschaftsressort, das federführend am neuen Gewerbeentwicklungsprogramm beteiligt ist, auch bewusst. Bestehende Gewerbeflächen umzuwandeln, spielt bei den Planungen des Programms eine entscheidende Rolle. Bereits im vergangenen Oktober gab es dazu einen Fachdialog, unter anderem mit Stadtplanern, der Wirtschaftsförderung sowie Vertretern aus verschiedenen Bremer Gewerbegebieten, wie dem Technologiepark und der Airport-Stadt.

Dabei wurde aber auch bereits deutlich, wo mögliche Probleme liegen und dazu zählt die Tatsache, dass die Grundstückpreise von bestehenden Gewerbeflächen, nachdem sie entwickelt oder umgewandelt wurden, in der Regel deutlich höher sind als die von neuen Flächen.

Durchschnittlicher Flächenverbrauch in Bremen pro Jahr zwischen 2016 und 2019:

Die Grafik zeigt den aktuellen Flächenverbrauch von 35 Hektar Land im Vergleich zu Fussballfeldern 35 Hektar=
Quelle: Bremer Senat

"Die Gewerbesteuer wird immer dort gezahlt, wo das Unternehmen seinen Sitz hat. Das erzeugt natürlich eine Konkurrenzsituation, in der die Grundstückspreise ein wichtiger Anker sind", sagt Gotthard Storz vom Landesverband Niedersachsen und Bremen des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekten. Dieses Problem könnten Bremen und Niedersachsen daher nur gemeinsam lösen.

Sorge um Kleingartengebiet in Walle

Kritik übt die Allianz auch an den Plänen der Bremer Wirtschaftsbehörde, das Gewerbegebiet Bayernstraße in Walle zu erweitern – denn dafür müssten unter Umständen Teile des vorhandenen Kleingartengebiets weichen. "Mit ihren Grünflächen haben auch die Kleingärten eine wichtige Funktion für die Gesundheit der Menschen in der Stadt", argumentiert Katharina Rosenbaum vom Landesverband der Gartenfreunde Bremen.

Aufgrund der unversiegelten Flächen sei es dort im Sommer noch einmal deutlich kühler als an anderen Stellen in der Stadt. "Und auch jetzt in der Pandemie hat es noch einmal viele Menschen in die Kleingärten zum Spazierengehen gezogen", so Rosenbaum.

"Bislang wurden wir nicht gehört"

Während die Allianz bei den Gewerbeflächen noch jede Menge Handlunsgbedarf auf Seiten der Politik sieht, beurteilt sie die Entwicklung beim Wohnungsbau deutlich positiver. "In dem Bereich ist in Bremen die Innenentwicklung stark vorangetrieben worden", sagt Ulf Jacob vom "Bündnis lebenswerte Stadt – grünes Bremen".

Bestehende Gebäude verdichten, Baulücken nutzen, alte Fabrikanlagen in Wohnraum umwandeln, wie es etwa im Tabakquartier geschieht: All das ist mit Innenentwicklung gemeint. Nun aber brauche es endlich auch einen Strategiewechsel bei den Gewerbeflächen in Bremen, so Jacob. Er und die anderen Mitglieder der Allianz wünschen sich deshalb auch, bei den aktuellen Planungen zum neuen Gewerbeentwicklungsprogramm eingebunden zu werden: "Bislang wurden wir nicht gehört", so Jacob.

Gewerbeflächen-Debatte: Grüne wollen weniger Logistik-Firmen

Video vom 6. Oktober 2020
Mitglied der Wirtschaftsdeputation Carsten Meyer-Heder in der Bürgerschaft.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Catherine Wenk

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 11. März 2021, 23:30 Uhr