Interview

Astro-Alex in Bremerhaven: Darum müssen wir unsere Erde schützen

Galaktischer Besuch: Astronaut Alexander Gerst besuchte das Alfred-Wegener-Institut (AWI). Im Interview spricht er über den Suchtfaktor Weltraum, die schützenswerte Erde und Walknochen im Gepäck.

Der Astronaut Alexander Gerst in Bremerhaven bei seiner Rede.

Mit seinem Besuch beim AWI in Bremerhaven kehrte Gerst an alte Wirkungsstätte zurück. Bevor er als "Astro-Alex" ins All flog, nahm Gerst 2001 als Geophysik-Student an einer Polarstern-Expedition teil. Auf dem Plan seines Besuchs standen der wissenschaftliche Austausch mit AWI-Forschern sowie ein Vortrag vor rund 200 Mitarbeitern des Instituts – und natürlich ein Interview mit buten un binnen.

Beim Start einer Rakete wird um jedes Gramm gerungen und Sie nehmen einen Walknochen aus der Tiefsee mit. Herr Gerst, das müssen Sie uns erklären.
Man hat als Astronaut ein bisschen Platz für persönliche Gegenstände. Wir haben eineinhalb Kilogramm, die wir mitnehmen dürfen und da kann ich mir frei aussuchen, was ich einpacken möchte. Mir war es wichtig, meine Verbundenheit dem Alfred-Wegener-Institut und Bremerhaven als alte Entdeckerstadt zu zeigen. Hier hat meine Karriere der Antarktis-Forschung ihren Anfang genommen. Die ist dann nahtlos in meine Karriere als Astronaut übergegangen und deswegen habe ich dem Alfred-Wegener-Institut auch einiges zu verdanken. Ohne diese Inspiration, ohne diese Möglichkeit, mit der Polarstern mitzufahren, wäre ich vielleicht nicht so weit gekommen. Deswegen war es für mich wichtig, etwas vom Alfred-Wegener-Institut mitzunehmen und auch wieder nach Bremerhaven zurückzubringen.
Die ISS vor der Erde
Zweimal lebte Gerst für mehrere Monate auf der ISS. Bild: DPA | Planet Pix via ZUMA Wire
Sie sind 43 Jahre alt und waren zweimal im All auf der Raumstation ISS. Wird man dadurch tiefenentspannt oder ärgern Sie sich noch, wenn Ihnen jemand den Parkplatz wegnimmt?
Wenn man die Erde mal von außen gesehen hat, bekommt man tatsächlich eine andere Perspektive auf die Dinge. Man sieht manche Probleme, die wichtiger sind und manche Probleme, die weniger wichtig sind – und tatsächlich ist es dann vielleicht auch nicht mehr so schlimm, wenn man den Parkplatz mal nicht bekommt.
Wollen Sie denn nochmal ins All?
Selbstverständlich. Diese Frage können Sie jeden Astronauten fragen. Jemand, der da oben war, will da immer wieder hin. Es ist einfach so wunderschön da. Ob es denn so sein wird, das ist natürlich eine andere Frage. Als Astronaut stehen ich weiter für Missionen zur Verfügung, aber da muss auch die Gesundheit mitspielen, technisch muss alles klappen mit den weiteren Projekten. Wir haben interessante Projekte wie der Gateway, das ist diese Raumstation, die wir um den Mond herum bauen. Von dort aus wird es wieder Missionen auf die Mondoberfläche geben. Das ist schon spannend, was in der Zukunft auf uns zukommt.
Und wie fühlt sich Schwerelosigkeit an?
Tatsächlich fragen mich das viele Leute und sind immer enttäuscht von meiner Antwort: Das ist völlig normal. Schwerelosigkeit ist natürlich die ersten Stunden schon ein echt wildes Gefühl. Man fühlt sich so, als ob man wie eine Fledermaus von der Decke hängt. Manchmal wird einem dabei auch ein bisschen schlecht. Aber wenn man sich nach zwei Tagen daran gewöhnt hat, dann geht das in so eine Normalität über.
Macht Weltraum süchtig?
Ja, der Weltraum macht auf jeden Fall süchtig. Ich denke, die Vorstellung, dass man als Mensch seit tausenden Generationen jetzt zur ersten oder zweiten gehört, die die Erde verlassen und den Weltraum untersuchen können, das ist eine wahnsinnige Vorstellung. Und wenn man die Erde mal von außen gesehen hat, dann will man das natürlich immer wieder.
Was ist am schönsten, was am traurigsten von da oben zu sehen?
Das Schönste ist tatsächlich einfach die Schönheit dieses Planeten, diese Einzigartigkeit. Dass das existiert, in so einem schwarzen Nichts. Man muss sich mal überlegen: Um uns herum, da ist nichts, für Milliarden und Übermilliarden Kilometer. Und doch ist diese Erde irgendwie zustande gekommen. Dieser schöne, blaue Planet. Das ist eine wahnsinnige Vorstellung und wunderschön. Das Traurigste ist, dass man von oben herunter schaut und Umweltzerstörung sieht. Sieht, wie wir den Ast absägen, auf dem wir sitzen, den Amazonas-Wald roden, die Luft verpesten und auch Kriege führen, die sieht man auch von da oben ganz deutlich. Das ist wirklich traurig.
Ändert sich die Perspektive im All?
Ja, die Perspektive ändert sich total. Wenn man mal den Planeten von außen sieht, dann realisiert man einfach, wie einsam und verlassen, der in diesem Universum ist. Und wie wichtig es ist, den zu schützen. Weil alles, was wir auf diesem Planeten haben, was wir schneller verwenden, als es nachhaltig Sinn macht, wird uns irgendwann ausgehen. Und dann haben wir es nicht mehr. Das ist relativ klar, wenn man das von außen sieht.

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  • Immo Maus
  • Catharina Spethmann

Dieses Thema im Programm: Der Nachmittag, Bremen Eins, 14. Juni 2019, 16:45 Uhr