Immer mehr Süchtige: Müssen Glücksspieler besser geschützt werden?

Über 4.000 Menschen in Bremen und Bremerhaven sind spielsüchtig und es werden immer mehr. Darauf will der Aktionstag gegen Glücksspielsucht hinweisen.

Ein Mann spielt an einem Glücksspielautomaten
Besonders Spielautomaten fördern die Suchtgefahr. Bild: Imago | Teutopress

Glücksspiel hat fast jeder schon Mal ausprobiert: Sei es das Rubbellos am Kiosk, Lotto, Sportwetten oder mal an einem Automaten in der Kneipe zwei Euro einwerfen. Für die meisten ist das ein lustiger Zeitvertreib, aber für 500.000 Menschen in Deutschland ist der Spaß zum Ernst geworden: Sie sind spielsüchtig. Das sagt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Tendenz steigend!

4.100 Menschen im Land Bremern haben problematisches Spielverhalten

Dieser Trend ist auch in Bremen und Bremerhaven festzustellen: Über 4.000 Personen sind entweder bereits süchtig oder auf dem Weg dahin. Die meisten davon sind süchtig nach Geldspielautomaten, die mit hohen Gewinnen, Jackpots und animierten Spielen locken.

Jedes Jahr machen die Spielhallen in Bremen einen immer höheren Umsatz, obwohl die Bremer Politik vor ein paar Jahren die Vergnügungssteuer um das Doppelte erhöht hat. Als Grund nannte die Politik damals, dass man damit das Spielen unattraktiver machen wolle. Seitdem müssen die Spielhallenbetreiber 20 Prozent des Einspielergebnisses an die Stadt abgeben. 2016 waren es 13,2 Millionen Euro, vergangenes Jahr bereits 14,8 Millionen.

Online-Casinos sind eine neue große Gefahrenquelle

Deutlich mehr Umsatz gab es für Online-Casinos. Allein im Jahr 2017 lag der geschätzte Bruttospielertrag bei 1,76 Milliarden Euro. Das hat die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen ermittelt. Beratungsstellen für Suchtkranke kritisieren diese Art des Glücksspiels, da sie an 365 Tage im Jahr und 24 Stunden am Tag verfügbar ist.

Der Trick der Casinos liegt hier im europäischen Recht. Denn die EU-Regelungen erlauben das Online-Glücksspiel, solange alle Auflagen eingehalten und kontrolliert werden. Laut Deutschem Recht darf man eigentlich nur in dem Bundesland spielen, wo es eben auch Lizenzen gibt – und das ist in Deutschland nur in Schleswig-Holstein der Fall.

Bremen fordert mehr Spielerschutz

Ende Oktober treffen sich die Ministerpräsidenten zu einer Konferenz, auf der wahrscheinlich auch über einen neuen Glücksspielstaatsvertrag gesprochen werden soll. Er soll dann 2021 in Kraft treten. Beim Umgang mit Online-Casinos gibt es unterschiedliche Ansichten: Bundesländer, wie Bayern, Hessen oder Schleswig-Holstein sprechen sich vermehrt für eine Liberalisierung des Online-Marktes aus, um zu verhindern, dass es schwarze Schafe gibt. Bremen hingegen will den Spielerschutz mehr in den Fokus setzen, so die Sprecherin des Innenressorts, Karen Stroink.

Es geht zum Beispiel um die Limitierung dessen, was man monatlich einsetzen kann. Es geht uns aber auch darum, dass man sich selber sperren kann. Es soll auch die Möglichkeit geben, dass andere Leute einen sperren lassen können, also zum Beispiel Eltern, die Partnerin oder gute Freunde.

Karen Stroink, Sprecherin des Innenressorts

Autor

  • Fabian Metzner

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 25. September 2019, 08:45 Uhr