Fragen & Antworten

Familienforschung? So finden Bremer und Bremerhavener ihre Ahnen

Sie wollen wissen, wer Ihr Ur-ur-ur-Großvater war – oder ob jemand aus der Familie ausgewandert ist? Wir erklären, wie Sie am besten vorgehen können.

Ein Ahnenforscher liest mit einer Lupe in alten Kirchenbüchern.
Bild: Imago | epd

Wo lebte der Ur-ur-ur-Großvater? Was ist aus der Cousine geworden, die nach Amerika übersiedelte? Und mit wem genau bin ich alles verwandt? Die Frage nach den eigenen Wurzeln, der eigenen Familienhistorie, fasziniert Menschen seit Jahrhunderten. Doch oft geht Wissen über die Generationen verloren. Möglichkeiten zur Recherche gibt es viele. Das Wichtigste im Überblick.

Wie fange ich an?
Zuerst sollte man in der Familie herumfragen, was über Großeltern oder andere Verwandte bekannt ist und wer noch Unterlagen wie Heiratsurkunden, Geburts- oder Taufbescheinigungen besitzt. "Viele wissen meist mehr, als sie denken", sagt Carmen von See, Mitarbeiterin in der Familienrecherche beim Auswandererhaus Bremerhaven. Wenn ein Dokument vorliegt, lässt sich darin oft eine neue Information finden. So kann man sich wie bei einem Puzzle – Stück für Stück – voranarbeiten. In einer Heiratsurkunde zum Beispiel stehen in der Regel die Namen der Eltern des Brautpaares, nach denen lässt sich dann etwa in Adressbüchern oder Sterbeurkunden suchen.
Welche Unterlagen kann ich nutzen?
Geburtsurkunden, Familienstammbücher, Heiratsurkunden, aber auch Sterbeverzeichnisse sind gängige Quellen. Diese werden seit 1876 von den Standesämtern erhoben. In Bremen gibt es für die Zeit davor, von 1811 bis 1875, die Zivilstandsregister, die ähnliche Daten verzeichnet haben. Für die Zeit davor muss auf Kirchenbücher zurückgegriffen werden, die jedoch nicht einheitlich sind und deshalb mal mehr und mal weniger ausführlich sind, sagt der Familienforscher Timo Kracke aus Ganderkesee. Sein besonderer Tipp: Prüfen Sie, ob es für das betreffende Dorf oder die Stadt ein Ortsfamilienbuch gibt. Ortsfamilienbücher sind Übersichten, die zeigen, welche Familien in dem Ort verwandt sind.

Wirklich belastbare Ahnenforschung ist meistens bis etwa 1650 möglich. Aber es hängt auch vom gesellschaftlichen Stand der Familie und der Region ab. Es gibt auch Orte, wo es schon früher Kirchenbücher gab.

Hobby-Genealoge Timo Kracke aus Ganderkesee
Wie weit kann ich zurückforschen?
Hobby-Genealoge Timo Kracke sagt: "Wirklich belastbare Ahnenforschung ist meistens bis etwa 1650 möglich." Denn erst ab da führten Kirchen Tauf-, Heirats- und Beerdigungsbücher. Bei Familien mit einem hohen gesellschaftlichen Stand stünden die Chancen besser, frühere Quellen zu finden. "Manche sagen ja, sie könnten ihre Familiengeschichte bis zu Karl dem Großen zurückverfolgen", sagt Margrit Stroebe von der Bremer Gesellschaft für Familienforschung "Die Maus" und lacht. "Aber ob das alles so stimmt". Karl der Große lebte bis 814.
Welche Archive und Angebote gibt es online?
Ein erster Anlaufpunkt für Bremer kann das niedersächsische und bremische Online-Portal Arcinsys sein. Es zeigt den Bestand der Archive in den beiden Bundesländern an. Einsehen kann man die Unterlagen nach der Online-Bestellung vor Ort im Archiv. Zudem lohnt sich ein Blick auf die Website des Bremer Vereins "Die Maus", der viele Daten online zur Verfügung stellt, etwa die Bremer Leichenbücher von 1875 bis 1939, Fotos von Grabsteinen auf Bremer Friedhöfen oder Kirchenbücher des St.-Petri-Doms. Die Universität Bremen hat zudem Bremer und Bremerhavener Adressbücher der Jahre 1794 bis 1980 digitalisiert. Ein nützliches, bundesweites Portal ist aus Sicht von Timo Kracke das Genealogie-Wiki, das wie Wikipedia aufgebaut ist. Auch evangelische und katholische Kirchenbücher sind teilweise kostenlos online.

Zusätzlich gibt es dutzende kommerzielle Portale wie Ancestry oder Familysearch, die sich vor allem für internationale Recherchen nach ausgewanderten Verwandten anbieten. Gegen Bezahlung kann man Nachrichten an mögliche Verwandte schreiben, Stammbäume mit ihnen teilen oder DNA-Tests machen. "DNA-Tests können weiterhelfen, aber dabei muss man sich bewusst sein, dass man auch Familiengeheimnisse lüften könnte", warnt Familienforscher Timo Kracke. Er kenne Fälle, in denen heraus kam, dass der Vater gar nicht der biologische Vater ist.
Wie finde ich Verwandte im Ausland, die ausgewandert sind?
Im Deutschen Auswandererhaus Bremerhaven, das aktuell allerdings geschlossen ist, können Besucher kostenlos auf der Plattform "Ancestry" recherchieren. Dort finden sich neben Passagierlisten von Schiffen Daten aus us-amerikanischen Volkszählungen. Außerdem können im Museum 3000 Passagierlisten von Schiffen eingesehen werden, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Bremerhaven und Bremen in die USA, Kanada oder auch nach Australien aufgebrochen sind. Diese Datenbank hat der Verein "Die Maus" erstellt und ist auch online zu finden über die Vereins-Website.
Wo finde ich Unterstützung?
"Ich empfehle sehr, sich an Vereine vor Ort mit Fachwissen zu wenden", sagt Familienforscher Kracke aus Ganderkesee. Für Bremen ist das der Verein "Die Maus", der Menschen bei der Familienrecherche hilft, ein Archiv in der Staatsbibliothek Bremen betreibt und Daten online bereitstellt.
Was kostet Ahnenforschung?
Bremer und Bremerhavener Standesämter berechnen für das Ausstellen von Dokumenten eine Gebühr von 12 Euro pro Dokument. Der Zugang zum Lesesaal im Bremer Staatsarchiv, wo man frei recherchieren kann, kostet pro Tag zwei Euro. Beim Stadtarchiv Bremerhaven kostet das Ausstellen von Dokumenten je nach Aufwand pro angefangener Viertelstunde 13,75 Euro plus Kopierkosten. Recherchen des Staatsarchivs Bremen beginnen bei 15,75 Euro, je nach Aufwand. Professionelle Familienforscher bieten gegen mehrere Tausend Euro ihre Dienste an. Hobby-Forscherin Margrit Stroebe sagt aber: "Das ist wie Detektivarbeit – und macht Spaß!" Es sei allerdings auch ein Hobby, für das ein langer Atem benötigt wird und das durchaus zur Lebensaufgabe werden kann, sagt Timo Kracke.

Die eigenen Wurzeln entdecken: Wo kommen wir her?

Video vom 22. März 2021
Ein alter amerikanischer Passport.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Carolin Henkenberens Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 27. März 2021, 19.30 Uhr.