Fahradboom in Bremen: Laut ADFC fehlen jetzt noch passende Straßen

Fahrradläden sind Gewinner der Corona-Pandemie. Viele Bremer lassen ihren Drahtesel reparieren oder kaufen sich einen neuen. Doch sind auch die Straßen bereit für einen Boom?

Video vom 10. Juli 2020
Mehrere Fahrräder stehen nebeneinander.
Bild: Radio Bremen

Rund 25 Prozent aller Wege in Bremen werden mit dem Fahrrad zurückgelegt, das ergeben Verkehrsstatistiken auf die sich der ADFC beruft: "Das ist deutschlandweit eine sehr gute Quote. Wir haben in Bremen also allerbeste Voraussetzungen und könnten eine Modellstadt für Fahrradverkehr in ganz Deutschland sein", sagt Sven Eckert, Geschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) im Bremer Landesverband.

Durch die Corona-Pandemie meiden Menschen Bus und Bahn, kaufen sich ein Rad oder lassen es reparieren. Der Anteil an gefahrenen Fahrradkilometern könnte sich in Bremern also noch erhöhen. "Jeder zweite Kunde interessiert sich gerade für ein Pedelec und meistens kommen Pärchen, die beide eins haben wollen", sagt Sven Dahlke, Inhaber eines Fahrradladens in Ritterhude.

Bremens Radwege: "Zu schmal, zu kaputt, zu unsicher"

"Doch leider ist ein Großteil der Infrastruktur für Radfahrende auf einem Stand der 50er und 60er Jahre – und gefühlt auch seit dem Bau nicht mehr instandgehalten worden. Zu schmal, zu kaputt, zu unsicher: so sieht es auf vielen Bremer Radwegen aus", beschreibt Eckert die Situation vieler Radler. Doch es gibt auch Ausnahmen: die neu angelegten Radwege am Bahnhof Neustadt oder auch die Umgestaltung des Herdentorsteinwegs: "Hier wurden Radwege so angelegt, dass sie auch für die neuen Formen der Fahrradmobilität wie Pedelecs, Anhänger und Lastenräder ausreichend breit sind", erklärt Eckert.

Sven Eckert
Radverkehr und ÖPNV sollte in den nächsten Jahren weiter ausgebaut werden. Bild: Radio Bremen | Daniel Hoffmann

Dass weniger Menschen öffentliche Verkehrsmittel nutzen liege am "Unsicherheitsgefühl, sich mit anderen auf engem Raum zu befinden", sagt der ADFC-Geschäftsführer: "Dies ist meiner Meinung nach aber nur eine coronabedingte, temporäre Entwicklung."

Eckert glaubt, dass der Radverkehr in den nächsten Jahren weiter ausgebaut werden sollte, da er emissionsfrei, gesünder, flexibel und leise und günstiger für die Stadt und die Bremer sei.

Wochenlanges Warten auf Reparaturen

Nicht nur, weil gerade so viele neue Fahrräder und Pedelecs neu gekauft werden sind viele Bremer Werkstätten überlastet, sondern auch weil die neuen Abstandsregeln nicht in jeder Werkstatt eingehalten werden können oder auch Mitarbeiter noch nicht wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren konnten. Einzelne Werkstätten berichten von einer Wartezeit auf Reparaturen von bis zu fünf Wochen.

"Fahrradtechnik ist eigentlich nicht kompliziert, aber sie ist in den letzten Jahren immer vielfältiger geworden. Pedelecs machen die Sache deutlich komplexer – hier raten wir zur Reparatur beim Händler, wenn man nicht genau weiß, was man tut", sagt Eckert und rät: "Nur das reparieren, was man sich selbst zutraut."

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 10. Juli 2020, 19:30 Uhr