Fahrradfahren im Land: In Bremen top, in Bremerhaven flop

Der ADFC hat die fahrradfreundlichsten Städte ermittelt. Eine bescheidene Note von 3,6 reichte Bremen für den Spitzenplatz. Bremerhaven bekam nur eine mangelhafte Wertung.

Radfahrerin befährt bei schönem Wetter die Fahrradstraße Parkallee in Bremen (Archivbild)
Radfahren in Bremen: Könnte besser sein, in Bremerhaven ist es mangelhaft. Bild: Imago | Lars Berg

Die Schulnote von 3,6 reicht der Stadt Bremen, um den ersten Platz beim Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Farradclubs (ADFC) zu erreichen. Dabei wurden fünf Themenbereiche bewertet: Infrastruktur, Komfort, Sicherheit, Stellenwert sowie Verkehrsklima und der Vergleich mit ähnlichen Städten nach Einwohnerzahlen. Für Bremen bedeutet das, sich mit allen Städten mit über 500.000 Einwohnern zu messen. Von den 14 Städten bekam Bremen die beste Bewertung.

Besonders gut schneidet Bremen ab, wenn man die für Zweiräder in beide Richtungen geöffneten Einbahnstraßen betrachtet und die Erreichbarkeit des Stadtzentrums. Gleichzeitig bekommt Bremen bei der Breite der Wege nur die Note mangelhaft. Zudem sind blockierte Wege durch Falschparker, Baustellen und Mülltonnen ein Problem, so das Ergebnis der Befragung. Unter den Top-Themen findet sich auch seit Jahren der Fahrraddiebstahl, hier gibt es für Bremen noch Verbesserungspotential, so der ADFC.

Während Bremen in seiner Größenordnung, dicht gefolgt von Hannover, den ersten Platz belegt, landen die Städte Essen, Dortmund und Köln aus Nordrhein-Westfalen auf den letzten drei Plätzen.

Platz 1 und trotzdem nur befriedigend

Trotz Platz 1 ist der Bremer ADFC nicht zufrieden mit der Bremer Fahrradpolitik. Es müsse mehr getan werden, die Stadt müsse sicherer werden, so die Bremer ADFC Vorstandsvorsitzende.

Dass Bremen mit einer Schulnote von 3,6 die Liste der fahrradfreundlichsten Städte anführt, sagt viel über die Fahrradfreundlichkeit der deutschen Städte aus.

Bonnie Fenton, Bremer ADFC Vorstandsvorsitzende 

Insgesamt haben sich Bremens Ergebnisse im Vergleich zur vergangenen Befragung 2018 verschlechtert. In nur fünf von 32 Fragen haben sich die Ergebnisse verbessert, in 13 dagegen verschlechtert. An der Befragung haben über 1.700 Personen teilgenommen,

Gerade für das Corona-Jahr, in dem der Radverkehr deutschlandweit in den Fokus gerückt ist, fehle das politische Engagement, so der Bremer ADFC. "In der Praxis ist das noch angekommen", so der ADFC.

Sonderbefragung zu 'Corona und Radfahren'

Auf einer regennassen Straße fährt ein Radfahrer auf einem roten Radweg neben einem Auto.
Nicht überall gibt es abgetrennte Fahrradspuren in Bremen, meist sind die Wege zu schmal, kaputt oder nicht vorhanden. Bild: DPA | Sina Schuldt

Ein neuer Bereich der Befragung war das Themengebiet Corona. Hier bekam Bremen nur den zehnten Platz von insgesamt 14 Großstädten in ihrer Großenordnung. Zwar sagten 76 Prozent der Befragten, die Bedeutung des Fahrradfahrens sei im Stadtgebiet gestiegen, dennoch vermissen 78 Prozent handfeste politische Signale hin zum Radverkehr. Bremen hat einen Radverkehrsanteil von 25 Prozent und bekam auf diesem Gebiet die Schulnote 4,2.

Es ist nun an der Politik, dieses Potenzial zu nutzen und das Radwegenetz endlich vernünftig auszubauen – Fahrradbrücken und Premiumrouten inklusive. Der Bund hat mit dem Sonderprogramm Stadt und Land dafür ausreichend Mittel zur Verfügung gestellt.

Bonnie Fenton, Bremer ADFC Vorstandsvorsitzende 

Bremer Staatsrat sieht Radverkehr als Teil der Verkehrswende

Zwar freut sich Staatsrat Ronny Meyer (Grüne) über die gute Platzierung Bremens, dennoch habe die insgesamt nur befriedigende Note auch Schattenseiten: Als Beispiel nannte der Staatsrat beim Mobilitätsressort die Kontrolle von falschparkenden Autos auf Radwegen. Die Probleme habe man in seinem Ressort erkannt und man wolle mit mehr Personal gegen Falschparker vorgehen.

Auch beim Thema der schmalen Radwege sieht Meyer Handlungsbedarf und stellt sich die Frage, wie man den Platz neu aufteilen kann: "Das wollen wir weiter angehen, zum Beispiel mit der Fahrradstraße am Wall", so Meyer. Das führe bei allen Beteiligten zu Diskussionen, dennoch ist der Ausbau des Radverkehrs laut ihm ein wichtiger Teil der Bremer Verkehrswende.

In Bremerhaven bleibt der Radverkehr mangelhaft

In der Größenordnung der Städte mit zwischen 100.000 und 200.000 Einwohnern belegt Bremerhaven nur Platz 36 – von insgesamt 41. Damit hat sich die Seestadt im Vergleich zum Jahr 2018 um einen Platz verschlechtert. In der Bewertung des ADFC hagelte es besonders Kritik für die schlechte Qualität der Radwege und die mangelnden Falschparkerkontrollen. Gerade für eine Stadt, die mit dem Titel Klimastadt wirbt, sei diese Bewertung vernichtend, so der ADFC.

Der Radverkehr in Bremerhaven ist antiquiert, nicht ungefährlich und war bis vor kurzem noch von großer Gleichgültigkeit geprägt, so der verkehrspolitische Sprecher des ADFC Bremerhaven, Hans Joachim Schmeck-Lindenau.

Wir haben viele 90 Zentimeter breite Radwege, das ist nicht mehr zeitgemäß. Heute wären 1,5 Meter Minimum, häufig plant man mit 2,30 Metern.

Hans-Joachim Schmeck-Lindenau, ADFC Bremerhaven

Die Nichtbeachtung des Bremerhavener Radverkehrs findet sich auch in den Investitionen der Stadt wieder. Während in Bremen für den Radverkehr im vergangenen Jahr 21 Euro pro Kopf ausgegeben wurde, waren es laut Magistrat in Bremerhaven nur 3,50 Euro.

Hans Joachim Schmeck-Lindenau hofft, dass 2021 über sechs Euro investiert werden. Denn gerade beim Radverkehr werden die Unterschiede zwischen Bremen und Bremerhaven deutlich.

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 16. März 2021, 19:30 Uhr