Darum fordert LKW-Fahrlehrer Bickel einen Abbiegeassistenten

Bei Unfällen mit Radfahrern und LKW tragen nur in 20 Prozent der Fälle die Radfahrer die Hauptschuld. Fahrlehrer Bickel erklärt, warum ein Abbiegeassistent so wichtig wäre.

Ein Radfahrer neben einem LKW.
Eine potenziell gefährliche Situation: Der Bereich direkt neben der Beifahrertür liegt für den LKW-Fahrer im toten Winkel. Bild: DPA | Klaus-Dietmar Gabbert

Die Zahl der tödlich verunglückten Radfahrer ist in Deutschland konstant geblieben. Doch im vergangenen Jahr kamen 382 Fahrradfahrer bei Verkehrsunfällen ums Leben. Das teilte das statistische Bundesamt am Donnerstag mit. In Bremen starben vier Radfahrer an den Folgen eines Verkehrsunfalls.

In nur 20 Prozent der Unfälle mit LKW und Radfahrern trugen die Radfahrer die Hauptschuld. Und bei etwa jedem dritten Unfall mit Personenschaden, an dem ein Fahrrad und ein LKW beteiligt waren, handelte es sich um einen Abbiege-Unfall. Erst dieses Jahr kam eine 24-Jährige nach einem solchen Unfall Am Brill ums Leben. Die Debatte um die Einführung eines verplichtenden Abbiegeasstistenten wird in Bremen schon lange geführt. Auch der Bremer LKW-Fahrlehrer Stefan Bickel ist dafür.

1 Verpflichtenden Abbiegeassistenten einführen

Ein Abbiegeassistent gibt ein akustisches und ein optisches Signal, wenn ein Radfahrer rechts neben dem LKW im toten Winkel steht. So weiß der Fahrer, dass er ganz besonders vorsichtig losfahren muss, sagt Bickel. Bisher sind die Assistenzsysteme nicht verpflichtend. Dafür setzt sich neben etlichen Bundesländern – auch Bremen – aktuell Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ein, um eine europäische Lösung zeitnah umzusetzen. Auf europäischer Ebene ist eine solche Verpflichtung bisher erst ab 2022 geplant.

2 Achtung toter Winkel

Auch bei optimal eingestellten Spiegeln sind rund um einen LKW verschiedene tote Winkel. Die Bereiche direkt neben der Beifahrertür und vorn rechts sowie links am LKW kann der Fahrer nicht einsehen. Deshalb ist es wichtig, dass sich Fahrradfahrer insbesondere bevor sie über eine Straße fahren vergewissern, dass der LKW-Fahrer sie gesehen hat. Besonders E-Bikes sind oft so schnell, dass sie nicht rechtzeitig erkannt werden können.

3 Gefahrenfaktor Handy

Immer mehr Verkehrsteilnehmer, seien es Autofahrer, Fahrradfahrer oder Fußgänger, starren immer wieder auf ihr Handy und sind so im Straßenverkehr abgelenkt, sagt Bickel. Oder sie tragen große Kopfhörer und hören nicht mehr, was um sie herum passiert. Der Fahrlehrer erinnert: Augen und Ohren auf, gerade beim Überqueren einer Straße.

4 Licht an – auch tagsüber

Dass Radfahrer im Dunkeln immer mit Licht fahren sollten, ist klar – aber auch tagsüber ist es sinnvoll, die Lampen anzuknipsen. So können LKW-Fahrer die Radler schneller sehen. Auch helle Kleidung hilft. LKW-Fahrer müssen permanent ihre zahlreichen Spiegel im Auge behalten und den fließenden Verkehr beobachten. Nur so könnten sie rechtzeitig herannahende Radfahrer erkennen, sagt Bickel.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 10. Juli 2018, 7:35 Uhr