Interaktiv

Artenreiches Grünland: Was Bremens Naturschutzgebiete zu bieten haben

Wir zeigen Ihnen, wo Sie in den kommenden Wochen blühende Pflanzen und singende Vögel finden und welche Effekte die Corona-Pandemie auf die Schutzgebiete hat.

Gelbe Sumpfdotterblumen umgeben von Wasser und Gräsern.
Die Sumpfdotterblume blüht gelb. Bild: Georg Wietschorke

Der Frühling ist da. Jetzt zieht es viele Menschen in die Natur. Ob auf Rollschuhen, Rädern oder zu Fuß, in den Naturschutzgebieten sind am Wochenende viele Besucherinnen und Besucher unterwegs. Das hat auch Maren Hoppe-Peter beobachtet. Die Landwirtin ist ehrenamtliche Mitarbeiterin der Naturschutzwacht und für die Untere Wümme im Blockland zuständig.

Ich merke, dass die Leute raus in die Natur wollen, um allein zu sein. Sie suchen Abstand zu anderen Menschen. Aber sie gehen dabei auch in Gebiete, die sich nicht betreten dürfen.

Eine Portraitaufnahme von Maren Hoppe-Peter von der Naturwacht
Maren Hoppe-Peter, Naturwacht

In Naturschutzgebieten gilt: Das betreten der Flächen ist verboten. Menschen müssen auf den Wegen bleiben. Wenn Gäste dennoch in die Schutzgebiete laufen, spricht Maren Hoppe-Peter diese an: "Ich wäge im Einzelfall ab. Wenn die Person keine Tiere stört, Müll mitnimmt und am Rande der Schutzzone bleibt, dann ist das zur Zeit in Ordnung für mich." Bei Menschen mit Hunden, sei sie strenger, denn die würden Wildtiere stören. "Da muss ich dann eingreifen und sie bitten, das Gebiet zu verlassen." Mit Freundlichkeit komme sie bei ihrer Arbeit als Naturwacht meist sehr weit und könne zudem Aufklärungsarbeit leisten. Viele seien einsichtig und würden aus Unwissenheit gegen die Regeln verstoßen.

Ein weiterer Effekt von Corona sei die Umweltverschmutzung. Maren Hoppe-Peter sagt: "Ich merke, dass die Leute zuhause ausmisten. Wir haben hier seit Corona einige wilde Müllkippen." Das sei nicht nur im Blockland, sondern im ganzen Landesgebiet ein Problem, sagt Antje Brendel von der Naturschutzbehörde Bremen: "Im Moment sind viele Menschen dabei zu renovieren und manche entsorgen dann ihren Müll in der Natur." Brendel ist in Bremen für die Überwachung des Naturschutzes zuständig. In den Schutzgebieten würden keine besonderen Corona-Maßnahmen gelten.

Wer in Naturschutzgebieten unterwegs ist, muss sich wie überall auch an die Abstandsregeln halten.

Antje Brendel, Naturschutzbehörde Bremen

Zudem sollen sich Besucherinnen und Besucher an die Bestimmungen halten, die sowieso in Naturschutzgebieten gelten: Immer auf den Wegen bleiben. Hunde anleinen. Wildtiere nicht durch Geräusche oder Annäherung stören.

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Ausflugstipps von Naturschützern

Die Corona-Verbote treffen auch die Naturschutzverbände. So ist die Geschäftsstelle des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) geschlossen. Führungen und Treffen in den Schutzgebieten sind abgesagt. Florian Scheiba ist Vogelexperte beim Naturschutzbund Deutschland (NABU) in Bremen. Wer heraus wolle aus der Cityblase, dem empfiehlt er die Hammersbecker Wiesen nördlich von Vegesack. Hier gibt es Orchideen zu bestaunen. "Am Ochtumsperrwerk im Niedervieland kann man jetzt die Kormorane sehen, wie sie Stinte fangen. Das ist echt spannend." Auch das Naturschutzgebiet Neue-Weser sei ein guter Platz, um Vögel zu beobachten. Die Fläche zwischen Weser, Werdersee und Kleingärten ist Brutplatz für zahlreiche Vogelarten. Hier könne man unter anderem Blau- und Schwarzkehlchen singen hören und Wanderfalken beobachten.

In den Büschen und Hecken ist jetzt einiges los. Das ist ein regelrechtes Vogelkonzert, das einem da entgegen gesungen wird.

Eine Portraitaufnahme von Florian Scheiba vom NABU
Florian Scheiba, NABU

Birgit Olbrich arbeitet beim BUND in Bremen. Laut der Biologin gibt es jetzt in allen Schutzgebieten auf den Wegen eine Menge zu erleben. Ihre persönlicher Tipp ist eine Radtour durch das Gebiet zwischen Lesum, Weser und Stahlwerken. 2Im Werderland blüht jetzt das Wiesenschaumkraut auf dem Deich an der Lesum.2 Ein zehn Kilometer langer Weg führt durch Wäldchen und Schilfgürtel. Auch auf der anderen Seite der Weser gibt es etwas zu entdecken, sagt Birgit Olbrich. "Im Niedervieland sind entlang der Radwege bereits einige der Storchennester besetzt." In den kommenden beiden Monaten kann man dann auch die Jungstörche im Horst beobachten. Eine Karte mit den Standorten der Horste gibt es auf der Internetseite des BUND.

Altes, artenreiches Grünland

Im ganzen Bundesland Bremen gibt es 20 Natur- und 12 Landschaftsschutzgebiete. Laut des Umweltsenators sind 8,5 Prozent der Fläche Naturschutzgebiet. Eine Fläche rund zehn mal so groß wie die Bremer Innenstadt. 19,4 Prozent sind Landschaftsschutzgebiet.

Naturschutzgebiete sind weitreichender geschützt als Landschaftsschutzgebiete, sagt Birgit Olbrich. "Hier gelten sehr strenge Auflagen für die Landwirtschaft. Brutvögel werden durch späte Mähzeiten geschützt. Es dürfen keine Pflanzenschutzmittel und Gülle auf die Wiesen aufgetragen werden." Auch die Entwässerung sei stark eingeschränkt. Wer jedoch unberührte Natur erwartet, wird enttäuscht. In Bremen sind viele Naturschutzgebiete reine Kulturlandschaften. Diese wurden vom Menschen erschaffen und seien ohne ständigen Eingriff nicht von Dauer. Florian Scheiba vom NABU sagt: "Wenn man diese Landschaften nicht bewirtschaftet, würden sie irgendwann von Büschen überwuchert und am Ende ein Wald." Das sei schlecht für Vögel, die offene Flächen brauchen. "Einen bestimmten Grad an Bewirtschaftung brauchen wir also zur Erhaltung," so Scheiba. Schützenswert und wichtig sei dieses von Menschenhand geschaffene Land dennoch.

Wir haben hier in Bremen überregional sehr bedeutender Lebensräume. Das ist ein sehr altes und artenreiches Grünland.

Eine Portraitaufnahme von Birgit Olbrich vom BUND
Birgit Olbrich, BUND Bremen

Solch artenreiches Grünland gäbe es in manchen Kreisen in Niedersachsen durch die intensive Landwirtschaft schon nicht mehr. Die Flächen seien aber wichtig im Kreislauf des Treibhausgases Kohlenstoffdioxid. "Grünland bindet viele klimarelevante Gase. Für viele Insekten sind diese Wiesen lebensnotwendig." Naturschutz sei daher nicht nur wichtig für Pflanzen und Tiere, sondern spiele eine Rolle beim Klimawandel und sei lebensnotwendig für die Menschheit.

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Autor

  • Sebastian Heidelberger

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 4. Mai 2020, 23:30 Uhr