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So geht Bremerhaven mit Kontrollen gegen Geisterradler vor

Ein Fahrradfahrer fährt zwischen einem Schild und Autos hindurch.
Bild: DPA | Mohssen Assanimoghaddam

Radfahrer im Gegenverkehr gefährden sich und andere. In Bremerhaven sind nun Polizei-Kontrollen gestartet. Viele Geisterradler wurden an einigen Brennpunkten erwischt.

Auto-Geisterfahrer sind ein gefährliches Phänomen. Zum Glück hört man eher selten von ihnen. Weitaus häufiger unterwegs sind Geisterradler, also Fahrradfahrer im Gegenverkehr. Auch in Bremerhaven gibt es sie. Darum haben Polizei, Verkehrswacht und der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) eine Aktion gestartet. Ziel ist, über Gefahren und Gefährdungen aufzuklären und zu sensibilisieren. Nun ist die Kampagne "Vorsicht Geisterradler" im Rahmen der europäischen Mobilitätswoche mit Verkehrskontrollen gestartet.

An welche Ecken in der Seestadt sind besonders viele Geisterradler unterwegs?
Als Orte mit wiederkehrenden Falschradlern hat die Polizei die Kennedybrücke und die Friedrich-Ebert-Straße im Bereich des Hauptbahnhofs ausgemacht. An beiden Orten fand nun die Auftaktveranstaltung statt. Radfahrer, die über die Rampe von der vielbefahrenen Brücke in Richtung Innenstadt abbiegen, fahren hier nicht selten entgegen der Fahrtrichtung. Es ist eine Stelle, an der es bereits einen schlimmen Unfall mit einem falschfahrenden Radfahrer gab. Am Hauptverkehrsweg vor dem Bahnhof halten Busse, auf beiden Straßenseiten führen Radwege entlang. Auch hier kommt es regelmäßig zu gefährlichen Situationen.
Eine Frau in Uniform zeigt auf ein Schild.
Nicole Füllmich-Penshorn vom Präventionsteam der Polizei Bremerhaven zeigt die neuen Geisterradler-Schilder. Bild: Polizei Bremerhaven

Die Aktion soll sich künftig jedoch im gesamten Stadtgebiet wiederfinden, wo genau will die Polizei vorab nicht verraten. Zudem weisen Plakate mit dem Slogan "Sei kein Geisterradler" auf das Befahren der falschen Seite hin. Sie sind so angebracht, dass Richtigfahrende sie nicht lesen können und sollen später an wechselnden Standorten im Stadtgebiet aufgehängt werden.

Was ist besonders gefährlich am Geisterradeln?
In einer Mitteilung gibt die Polizei zu: "Der von der Verkehrsordnung vorgeschriebene Weg ist nicht immer der bequemste, und da fällt es gerade auf dem Zweirad leicht, abzukürzen und schnell ein Stück auf der falschen Straßenseite zu fahren." Im gleichen Atemzug wird jedoch auch gewarnt: Das Fahrradfahren entgegen der Fahrtrichtung birgt etliche Gefahren für die Radelnden selbst, aber auch andere Verkehrsteilnehmer.

Fahrradfahrerinnen und -fahrer werden weniger aus der falschen Richtung erwartet, was laut Polizei gerade an Engstellen sowie Ein- und Ausfahrten oder in Kreuzungs- und Einmündungsbereichen zu brenzligen Situationen führt. Immer wieder komme es demnach zu Unfällen mit schwerwiegenden Folgen. Mit dem Fahrrad – und auch dem Pedelec – in Fahrtrichtung rechts zu fahren, trage hingegen dazu bei, Missverständnisse und Unfälle zu verhindern. Ausgenommen sind Radwege mit entsprechender Beschilderung.
Ein Mann in Warnweste hält eine Zitrone und einen Apfel in den der Hand.
Knut Müller vom ADFC hat Äpfel und Zitronen für richtiges und falsches Verhalten verteilt. Bild: Radio Bremen | Catharina Spethmann
Wie lief die Aktion ab?
Seit dem frühen Morgen hatten sich Streckenposten aus Einsatzkräften und Polizeischülerinnen und -schülern an der Kennedybrücke und dem Hauptbahnhof für Fahrradkontrollen aufgestellt. Schwerpunkt war die korrekte Fahrtrichtung. Auch ADFC-Vertreter waren vor Ort und verteilten mit einem Augenzwinkern Obst an Radfahrende – Äpfel für vorschriftsmäßiges Verhalten und Zitronen für das Gegenteil. Eine Geste, die auf Nachfrage auch bei Kontrollierten ankam.

Entwickelt und ins Leben gerufen wurde die Kampagne "Vorsicht Geisterradler" ursprünglich im Rahmen eines Forschungsvorhabens der Fachhochschule Erfurt. Das Projekt zielt auf kommunale Öffentlichkeitsarbeit zur Unfallprävention im Radverkehr. Diese Kampagne nahm das Präventionsteam der Polizei Bremerhaven zum Anlass, auch noch einmal ausdrücklich auf das Thema aufmerksam zu machen.
Ein Fahrradfahrer fährt auf eine Kontrolle zu.
Radfahrer Jörg Semken vor der Polizeikontrolle. Bild: Radio Bremen | Catharina Spethmann
Wie viele Geisterradler sind erwischt worden?
Zwischen 7:30 und 12 Uhr ermahnten die Polizeikräfte an beiden Stellen 43 Radfahrerinnen und -fahrer wegen Geisterradelns. Insgesamt kamen sie mit 65 Personen ins Gespräch. Viele Menschen bogen allerdings noch vor der Brücke mit der weithin sichtbaren Kontrollstelle in eine Seitenstraße ab oder kehrten um. Ein Umstand, der auch der Polizei bewusst ist, die mit der Kampagne vor allem sensibilisieren will. Abseits der Aktion werden keine genauen Zahlen zu Geisterradlern erhoben. Generell appelliert die Polizei an alle Verkehrsteilnehmer zu ständiger Vorsicht und gegenseitiger Rücksicht.

Neue Studie: Bremer wünschen sich umfassende Verkehrswende

Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Vormittag, 22. September 2022, 11:10 Uhr