Interview

2G-Plus in der Gastronomie: "Reaktionen sind weit weg von Beifall"

Ein Wirt trägt einen Mund-Nasenschutz und zapft ein Bier.

Bremer Senat verschärft die Corona-Regeln

Bild: DPA | Christoph Soeder

In der Pandemie ist die Gastronomie einer der Haupt-Leidtragenden. Die kommende 2G-Plus-Regelung sieht die Bremer Gastro-Gemeinschaft mit Sorge – und einigen Fragezeichen.

Am kommenden Donnerstag will der Bremer Senat eine neue Warnstufe beschließen, die kurz danach in Kraft treten soll. Ein essenzieller Bestandteil von "Warnstufe 4": Für mehrere Bereiche kommt die 2G-Plus-Regel, unter anderem in Kultureinrichtungen und Gastronomiebetrieben.

Bedeutet: Auch Geimpfte und Genesene benötigen zum Betreten ein negatives Testergebnis. Wer geboostert ist, muss sich nicht um ein vorheriges Testergebnis bemühen. Gleiches gilt für geimpfte Menschen, deren zweite Impfung noch keine drei Monate zurückliegt.

Wie Gastronomen auf diese Entwicklung blicken, erzählt Oliver Trey von der Bremer Gastro-Gemeinschaft im Interview mit buten un binnen.

Herr Trey, der Senat will in Bremen die 2G-Plus-Regel einführen. Das gilt dann auch und vor allem für die Gastronomie. Was halten Sie davon?
Wir besprechen das gerade mit vielen Mitgliedern. Die meisten sind natürlich aufgrund der Erfahrungen in Niedersachsen nicht gerade euphorisch; eher im Gegenteil. Uns ist zwar bewusst, dass Bremen beim Impfen und beim Boostern weiter und die Situation etwas besser ist, allerdings bedeutet das immer noch viele Gäste, die nicht reinkommen können. Und die erste Resonanz der Gastronomen war weit weg von Beifall.
Oliver Trey von der Bremer-Gastro-Gemeinschaft im Interview
Als Mitglied der Gastro-Gemeinschaft kennt Oliver Trey die Stimmungen bei den Bremer Gastronomen. Bild: Radio Bremen
Können Sie das einmal ausführen, was genau sind die Ängste?
Wenn man online guckt, ist die Boosterquote gerade bei 41 Prozent, bewegt sich auf die 50 zu. Aber selbst dann wären immer noch 50 Prozent der Gäste aktuell ausgeschlossen. Jetzt soll es zwar zusätzliche Regelungen geben, wenn die letzte Impfung etwa noch nicht länger als drei Monate her ist und so weiter; damit müssen wir uns noch intensiv beschäftigen, wie viele Leute das dann immer noch sind. Aber angenommen, ich habe jetzt beispielsweise am Montag eine Reservierung von zehn Leuten. Dann ist es ja leider sehr häufig sodass wenn zwei Leute nicht geboostert sind, es nicht heißt: "Ok, dann bleiben die zwei Leute zu Hause", sondern dass die Gruppe sagt: "Nee, dann machen wir was anderes." Und unsere Angst ist natürlich – wie in vorigen Runden – dass diese Leute sich dann bei einer Person im Wohnzimmer treffen, wo die Gefahr natürlich deutlich größer ist als bei uns in einer gut gelüfteten Gastronomie.
Für Gastronomen ist es ja jetzt schon schwer, das alles zu kontrollieren. Haben Sie eine Ahnung, wie es werden wird, wenn das noch kommt?
Die Frage ist: Wie lange kommt es. Also wie verhalten sich die Zahlen, ist es vielleicht nur für zwei Wochen. Aber die Branche hatte nicht gerade ein perfektes Weihnachtsgeschäft, da sind viele Umsätze verloren gegangen, viele Gruppen sind nicht aufgetaucht oder haben abgesagt. Und Januar und Februar sind normalerweise keine starke Zeit, aber da hat man ja eigentlich das Polster aus dem Dezember. Jetzt ist es nicht da. Daher ist jeder Tisch natürlich umso wichtiger. Nur wenn ich eh schon im Januar nicht auf voller Kapazität fahre und nun wird mir noch mal ein Teil weggenommen, ist das nicht optimal.
Erwarten Sie jetzt von der Politik, dass sie alles an das Boostern setzt?
Natürlich wünschen wir uns, dass die Impfzentren alle Unterstützung bekommen, die nötig ist, um so schnell wie möglich alle Leute boostern zu können. Und wir haben der Gesundheitsbehörde auch immer wieder selbst Personal, Räume und Unterstützung zugesagt und sind auch immer noch bereit, diese Unterstützung zu liefern, wenn sie gebraucht wird. Weil wir als Gastronomen einfach ein sehr großes Interesse daran haben, dass wir schnell wieder normal arbeiten können.

Natürlich wäre es für uns am einfachsten, wenn morgen alle geboostert sind. Dann könnten wir Bändchen verteilen und müssten im Prinzip keinen mehr kontrollieren. Das wird aber noch eine ganze Zeit dauern, bis wir da sind. Deswegen wäre unsere erste Forderung wieder das Thema: Dürfen die Leute vor Ort einen Test machen? Muss es ein offizieller Test sein? Dürfen die Leute vielleicht auch einen eigenen Test mitbringen? Was ist, wenn die Leute auf der Terrasse sitzen? Was ist mit Glühweinständen, dürfen die weiter verkaufen? All diese Fragen, die wir ja immer wieder haben, müssen jetzt aufs Neue geklärt werden. Da werden wir mit der Verwaltung reden und schauen, wie wir unseren Mitgliedsbetrieben am besten helfen können, durch diese Zeit zu kommen.

Trey: "Die meisten Bremer Gastronomen sehen 2G-Plus als Problem"

Bild: Radio Bremen

Autor

  • Immo Maus Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 4. Januar 2022, 19:30 Uhr