Gas-Frühwarnstufe ausgerufen: Was bedeutet das für Bremen?

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Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas ausgerufen. In Bremen sieht man sich gut auf mögliche Lieferausfälle vorbereitet.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat wegen des Gasstreits mit Russland die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas ausgerufen. Dies diene der Vorsorge, sagte Habeck. "Wichtig ist zu betonen, dass die Versorgungssicherheit gewährleistet ist", fügte er hinzu. Es gebe im Moment keine Versorgungsengpässe, so der Minister.

Das bedeutet die Frühwarnstufe

Laut Ministerium bedeutet die jetzt ausgerufene Frühwarnstufe, dass ein Krisenstab beim Wirtschaftsministerium zusammentritt, der aus Behörden und den Energieversorgern besteht. Die Gasversorger und die Betreiber der Gasleitungen werden verpflichtet, regelmäßig die Lage für die Bundesregierung einzuschätzen.

Keine Auswirkung auf Bremen

Konkrete Auswirkungen für die Bremerinnen und Bremer hat der Schritt vorerst wohl nicht. "Die Versorgungslage in Bremen ist aktuell gesichert", sagte Jens Tittmann, Sprecher des Bremer Verkehrsressorts, auf Nachfrage von buten un binnen. Das hätten Rückfragen bei Unternehmen, die für die hiesige Daseinsvorsorge zuständig sind, ergeben. "Wir haben gemeinsam alle notwendigen Vorsorgemaßnahmen getroffen", so Tittmann, dessen Ressort auch im jüngst eingerichteten bundesweiten Krisenstab vertreten ist.

Wir wollen für den Fall einer Eskalation durch den russischen Präsidenten Putin gewappnet sein.

Jens Tittmann, Sprecher des Bremer Verkehrsressorts

Auch nach Aussage des Wirtschaftsressorts "bestehen noch keine konkreten Auswirkungen hinsichtlich der Gasversorgung in Bremen", wie ein Sprecher buten un binnen mitteilte. Allerdings könnten künftig auch auf Bremen "entsprechende weitergehende Maßnahmen zukommen". Welche das sein könnten, sei momentan aber noch nicht absehbar.

Beim Energieversorger SWB ist man schon seit Wochen auf alle möglichen Szenarien vorbereitet, wie Pressesprecher Friedhelm Behrens erklärte. Dazu zähle auch ein Lieferausfall aus Russland. "Wir haben die 20 größten Gasverbraucher in Bremen identifiziert und mit ihnen Gespräche aufgenommen", so Behrens. Wer die 20 größten Gasverbraucher in Bremen sind, wollte Behrens nicht sagen. Das meiste Gas wird aber in der Industrie verbraucht, vor allem dort, wo es zur Wärmegewinnung eingesetzt wird.

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Bild: Radio Bremen

Sollte es zu Lieferausfällen kommen, wäre wohl auch Arcelor-Mittal betroffen. "Ohne Erdgas sind sowohl die Rohstahlherstellung als auch die Stahlweiterverarbeitung unmöglich", erklärte der Deutschland-Chef Reiner Blaschek. Arcelor-Mittal ist der zweitgrößte private Arbeitgeber der Stadt Bremen. Das Unternehmen bereitet sich nun auf das Szenario vor, die Produktion an seinen Standorten drosseln zu müssen, "um geschlossen mit Deutschland und der EU gegenüber Russland im aktuellen Konflikt aufzutreten".

Habeck: Verbraucher sollen Gas einsparen

Wirtschaftsminister Habeck appellierte auch an die Verbraucher, Gas einzusparen. Jede eingesparte Kilowattstunde Energie helfe, sagte der Grünen-Politiker. Die Ausrufung der ersten Stufe des Notfallplans Gas sei eine Vorsorgeentscheidung.

Die EU-Kommission sei darüber informiert worden. Habeck verwies auf Drohungen Russlands, russische Gaslieferungen nach Westeuropa nur noch in Rubel zu akzeptieren. Deutschland werde darauf vorbereitet sein. "Wir werden keinen Bruch der Lieferverträge akzeptieren", sagte der Minister.

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Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 30. März 2022, 19:30 Uhr