Keine Versteigerungen seit Corona: Das Fundamt Bremerhaven quillt über

Eine Frau steht in einem Keller zwischen Fahrrädern.
Bild: Sina Derezynski

Sie kennen das ungute Gefühl, etwas verloren zu haben? Dann könnten Sie es im Fundbüro finden. Das in Bremerhaven platzt aktuell aus allen Nähten – auch wegen kurioser Funde.

Schlüssel, Geldbörsen und Handys sind die meist verlorenen Gegenstände. Es erleichtert, so wichtige oder emotional bedeutsame Dinge wiederzufinden – zum Beispiel im Bremerhavener Fundbüro. Doch da wird es immer voller, denn seit Corona finden keine Versteigerungen mehr statt. Um die Übersicht zu behalten, sortiert Melanie Path vom Fundbüro die Schlüssel am Schlüsselbrett alle vier Monate neu.

"Wir haben ja eine Aufbewahrungsfrist – die ist gesetzlich vorgeschrieben – von sechs Monaten", sagt Path. Sie habe diese zwar immer noch zwei Monate unterm Schreibtisch liegen. Wer einen Schlüssel verloren habe, frage jedoch ohnehin meist zeitnah danach. Auch kistenweise sind die Schlüssel sortiert – nach Fundmonat. Hinzu kommen jede Menge Brillen und Mobiltelefone, so Path. Bei Geldbörsen schreiben die Mitarbeitenden die Menschen an, die sie verloren haben. "Aber sie liegt dann immer erst einmal eine zeitlang hier und wartet auf den Besitzer", berichtet Path.

150 Fahrräder – und nicht nur olle Dinger

Beschriftete Gegenstände liegen in einem Kellerregal.
Weil während Corona nur Fahrräder versteigert werden konnten, stapeln sich im Fundbüro die Fundsachen. Bild: Radio Bremen | Sina Derezynski

Seit zehn Jahren verwahrt Melanie Path die Fundsachen der Bremerhavener. Einiges bleibt leider bei ihr, aber viele Sachen finden auch den Weg zurück zu ihren Besitzern. Die großen Fundsachen passen allerdings nicht in ihr Büro. "Gehen wir in den Keller", sagt sie. Der Schlüssel in ihrer Hand klimpert, als sie die Treppe hinuntersteigt. Hinter der Kellertür: Dicht an dicht gereihte Herren- und Damenräder, bunte für Kinder und sogar E-Bikes.

"Etwa 150 Stück müssten es momentan sein", sagt Path. Und es sind nicht nur olle Dinger, die hier lagern: "Nein, da sind richtig tolle Fahrräder dabei, teilweise fast neuwertig." Einige der Räder würden von der Polizei ins Fundbüro gebracht, solche die im Zuge eines Diebstahls sichergestellt wurden. Zum Beispiel wenn die Eigentümer einfach nicht mehr zu finden waren.

Warum holt das keiner ab?

Gerade erst im Mai fand eine Fahrradversteigerung statt, deshalb sind es momentan weniger Räder als zuletzt. Zwei solcher Termine habe es während Corona geben können. Doch im Fundbüro stapelt sich auch vieles andere.

Wir haben in regelmäßigen Abständen auch immer eine Sachversteigerung gemacht. Das können Klamotten sein, Werkzeug oder Schmuck. All diese Dinge werden dann gesondert versteigert und das war jetzt aufgrund von Corona nicht möglich, weil wir die Räumlichkeiten dafür nicht hatten.

Melanie Path, Fundbüro Bremerhaven
Sportkleidung liegt auf einem Tisch.
Auch ein signiertes Werder-Trikot wurde bisher nicht abgeholt. Bild: Radio Bremen | Sina Derezynski

Der Keller im Stadthaus 5 ist rappelvoll. Manche Gegenstände werfen die Frage auf, wie so etwas verloren gehen kann: "Das ist ein Hochdruckreiniger von Kärcher", sagt Path und lacht. "Man hat ganz viele verschiedene Dinge, wo man sich fragt, wie das hierherkommt." Sie wundere sich, dass bei zahlreichen Teilen niemand nachfragt. Dabei hätten einige Dinge auch einen Wert. "Ich weiß nicht worin die Gründe liegen", sagt Path. Einige wollen ihre Sachen wieder abholen, aber bei Schlüsseln sehe sie häufig, dass sie nach sechs Monaten vernichtet werden. "Sicherheitsschlüssel, Autoschlüssel, es ist alles dabei."

Maskenpflicht löst Hörgeräteverlust aus

Kinderwagen, Heckenscheren, Kettensägen, Leitern, Bohrmaschinen – teilweise noch neuverpackt – warten auf ihre Besitzer. Auch ein Laubbläser und eine Schubkarre wurden schon als Fundsache abgegeben – und ein Gebiss. Wegen der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Maskenpflicht ist aber eine Sache vermehrt bei Melanie Path eingegangen.

So viele Hörgeräte, die verloren gegangen sind in den vergangenen Jahren – Wahnsinn! Ein paar sind abgegeben worden, ein paar konnte ich auch aushändigen, aber einige mussten sich doch halt Neue leisten.

Melanie Path, Fundbüro Bremerhaven

Manchmal kommt es doch vor, dass sich Besitzer im Fundbüro melden und schmerzlich Vermisstes im Keller des Bremerhavener Fundbüros wiederfinden: "Ich habe oft Mütter oder Väter, die mir sagen wann sie was wo verloren haben", sagt Path. "Dann machen wir den entsprechenden Sack auf, wühlen uns hindurch und die Freude groß, wenn wir es dann wiederfinden." Manchmal seien es besondere Dinge, die zum Beispiel Oma geschenkt habe.

Seit mehr als zwei Jahren hat es pandemiebedingt nun keine Sachversteigerung mehr gegeben. Der Keller des Fundbüros platzt aus allen Nähten. Was mit den Dingen passiert, ist noch nicht sicher. Aber vielleicht wird einiges an gemeinnützige Organisationen in Bremerhaven gespendet.

Autorin

  • Sina Derezynski Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Vormittag, 28. Juli 2022, 11:10 Uhr