Wie geht Freundschaft in der Pandemie? Geschichten aus Bremen und umzu

Bild: Imago | Westend61/Montage Radio Bremen

Laut einer britischen Studie haben sich Freundschaften in der Pandemie verändert. Wir haben Sie gefragt, was die Pandemie mit Ihren Freundschaften gemacht hat.

Ein Drittel der Menschen in Deutschland beklagen, dass sie sich während der Pandemie von ihren Freundinnen und Freunden entfernt hätten. Zu diesem Ergebnis kommt eine britische Studie des YouGov-Cambridge Globalismus Projekts. Acht Prozent der Befragten sagten, ihre Freundschaften seien enger geworden. Mehr als jeder Zweite konnte keinen Unterschied feststellen. Wir haben gefragt, wie es Ihnen bisher ergangen ist. Hier eine Auswahl Ihrer Geschichten:

1 Kontakt ins Ausland ist schwieriger

"Es waren schwierige Zeiten in den letzten zwei Jahren, besonders für unser Orchester DaCapo. Ein Treffen und Proben waren lange nicht möglich. 2021 hatten wir von September bis November tatsächlich einige Auftritte und waren sehr verwundert, wie vertraut alles war, obwohl wir uns so lange nicht gesehen hatten und nur per Teams einige Theoriestunden angeboten werden konnten. Sogar das gemeinsame Musizieren klappte erstaunlich gut. Auch Feiern fielen aus, trotzdem war es wie gestern, als wir uns wiedersahen – so etwas macht Freundschaften aus.

Es war wie gestern, als wir uns wiedersahen – so etwas macht Freundschaften aus.

Anke Walkenhorst

Schwieriger ist es da, die Kontakte mit dem Ausland zu halten. Meine beste Freundin wohnt in Los Angeles. Wir schreiben, tippen Nachrichten, schicken Fotos und telefonieren regelmäßig. An der tiefen Freundschaft hat sich nichts geändert und wir sehnen uns nach einem Wiedersehen, hoffentlich im April. Wenn man sich so sehr vermisst, merkt man, was wirklich wichtig im Leben ist. Die Welt war so klein geworden, als man mal eben schnell ins Flugzeug steigen konnte, nach Stockholm, London oder LA. Diese Distanzen werden nun bewusst, und daher ist die "Quality-Time" mit Freunden und Familie viel wichtiger geworden."

Anke Walkenhorst, 57, Bremen-Horn

2 Vereinsleben hat gelitten

"Zu Beginn der Pandemie waren wir im TS Woltmershausen genauso überrascht wie alle anderen auch. Wir durften nicht mehr in der Halle und die Tischtennis-Saison wurde abgebrochen. Nach den ersten Monaten haben wir in allererster Linie versucht, über Whatsapp und Co. in Kontakt zu bleiben. Das hat allerdings nie den persönlichen Kontakt und das gemeinsame Training ersetzt. Als dann nach und nach bekannt wurde, dass die Hallen zwar wieder geöffnet werden dürfen, aber dies nur unter strengen Voraussetzungen, gab es auch kritische Stimmen.

Wir haben versucht, über Whatsapp in Kontakt zu bleiben. Das hat allerdings nie den persönlichen Kontakt und das gemeinsame Training ersetzt.

Michael Dohrmann

Am Ende ist es aber so, dass alle im Verein geblieben sind und wir mittlerweile wieder trainieren dürfen, auch wenn diese Tischtennis-Saison auch abgebrochen wurde. Es war ein tolles Gefühl, wieder gemeinsam mit der Mannschaft in der Halle sein zu dürfen! Online hat zwar geholfen, um den Kontakt nicht zu verlieren, aber es kann nie das gemeinsame Training, das Schnacken in der Halle oder die Punktspiele ersetzen."

Michael Dohrmann, 40, Bremen-Burg

3 Von falschen Freunden gelöst

"Für mich war Corona eigentlich eher positiv. Kurz bevor es losging, habe ich mich von meinem Mann getrennt. Die Zeit, als Corona anfing, hat mir sehr gutgetan. Ich habe sehr viel Zeit alleine verbracht und das war gut so. Ich habe mein Leben lang getan, was andere wollten und konnte nicht Nein sagen. Dadurch hatte ich auch einige falsche Freunde, die sich eigentlich nur bei mir gemeldet haben, wenn sie etwas wollten. Das ist mir auf meinem Weg bewusst geworden.

Gut, dass ich aufgewacht bin. Das hab' ich teilweise Corona zu verdanken.

Petra Adnane

Ich habe damit abgeschlossen und bin froh, dass ich echte Freunde habe, die sich trotz Corona bei mir melden. Und wir treffen uns auch regelmäßig. Für richtige Freunde ist Corona kein Problem, denke ich. Und wenn ich mich nicht verändert hätte, dann würde ich wahrscheinlich immer noch hinterherlaufen. Gut, dass ich aufgewacht bin. Das hab' ich teilweise Corona zu verdanken."

Petra Adnane, 64, Stuhr

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Autorin

  • Sarah Kumpf Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 27. Februar 2022, 19:30 Uhr