Wie Bremer Unternehmen als Arbeitgeber für Frauen attraktiver wären

Deshalb sind in Bremen so wenig Frauen in Führungspositionen

Bild: Imago | Westend61

Frauen zu fördern, in Führung zu bringen oder sie überhaupt erst einzustellen, macht sich bezahlt. Doch was macht eigentlich ein frauenfreundliches Unternehmen aus? Und wie profitieren auch die Firmen von mehr Diversität?

In Bremen arbeiten mehr als 60 Prozent der Frauen in Teilzeit. Nicht einmal jede vierte Führungsposition ist mit einer Frau besetzt. Das macht Deutschlands kleinstes Bundesland zum Schlusslicht – mit vielfältigen Folgen für Frauen und Gesellschaft gleichermaßen.

Wenn sich daran etwas ändern soll, sind viele Bereiche gefragt: Politische Rahmenbedingungen wie das Ehegatten-Splitting begünstigen zum Beispiel in Deutschland noch immer, dass ein Partner in der Ehe deutlich weniger verdient als der andere. Kindergärten, die nur bis 14 Uhr geöffnet sind, machen es für arbeitende Eltern generell kompliziert, berufliche Termine auch am Nachmittag wahrzunehmen. Doch auch die Unternehmen selbst können Bedingungen schaffen, um attraktiver für Frauen zu werden.

Am wichtigsten: flexible Arbeitszeiten

Marion Salot, Referentin für Gleichstellung bei der Arbeitnehmerkammer Bremen, muss nicht lange nachdenken, was verbesserungswürdig ist: "Das zentrale Element ist die Arbeitszeit", sagt sie sofort. Für Eltern sei das der wichtigste Hebel, um Familie und Beruf zu vereinbaren. Doch auch für Arbeitnehmer ohne Kinder sei das ein Thema. "Die Frage der Work-Life-Balance wird für alle Beschäftigten immer wichtiger", so Salot. Das zeigen auch die Ergebnisse der Befragung "Koordinaten der Arbeit", die die Arbeitnehmerkammer alle zwei Jahre durchführt.

Die Hälfte der Befragten gab im Frühjahr 2021 an, unzufrieden mit der Arbeitszeit zu sein – viele Teilzeitkräfte wollten gerne mehr arbeiten, Vollzeitkräfte weniger. Doch auch Gleitzeit und Home-Office würden für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Work-Life-Balance verbessern, so Salot.

Personal entwickeln und Führung teilen

Birgit van Aken ist eine Unternehmerin aus dem Bremer Umland – und setzt sich als Landesvorsitzende der Region Bremen-Weser-Ems des Verbands deutscher Unternehmerinnen für mehr Frauen in Führung ein. Auch sie sieht die Arbeitszeit als eine der wichtigsten Stellschrauben. Sie sagt aber auch:

Was es braucht sind Pläne im Unternehmen, also individuelle, messbare Ziele und Aktionspläne.

Portraitaufnahme von Birgit van Aken in roter Jacke
Birgit van Aken, Landesvorsitzende der Region Bremen-Weser-Ems des Verbands deutscher Unternehmerinnen

Sie meint damit eine Frauenquote – und viel mehr. Oft fehlten klar definierte und auch einzulösende Ziele im Unternehmen. Es brauche aber auch Personal- und Karrierekonzepte, damit Frauen nach der Eltern- oder Teilzeit keine Nachteile hätten. 

Um mit der Zeit zu gehen und für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer attraktiv zu bleiben, bräuchten Unternehmen eine moderne Führung und Kommunikation, so van Aken. So seien zum Beispiel Modelle mit geteilten Führungspositionen wichtig. Marion Salot sieht das genauso. Wenn eine Führungskraft nicht ständig präsent und erreichbar sein müsse, sei auch die Familienarbeit mit einer Führungsposition vereinbar. 

Was die Unternehmen davon haben

Für Unternehmen klingt das alles erst einmal nach Arbeit. Doch Frauen zu fördern, in Führung zu bringen oder sie überhaupt erst einzustellen, macht sich am Ende bezahlt, sagen sowohl Marion Salot als auch Birgit van Aken. Insbesondere für Führungsteams ist das auch wissenschaftlich belegt.

Ich habe noch kein Unternehmen erlebt, das im Nachhinein bereut hat, mehr Frauen in Führung zu haben.

Portraitaufnahme von Birgit van Aken in roter Jacke
Birgit van Aken, Landesvorsitzende der Region Bremen-Weser-Ems des Verbands deutscher Unternehmerinnen

Studien bestätigen das: Gerade Führungsteams profitieren davon, wenn mehr als eine Perspektive einfließt bei wichtigen Entscheidungen. Im Ergebnis sind gemischte, "diverse" Teams, die viele unterschiedliche Erfahrungen und Sichtweisen vereinbaren, deshalb erfolgreicher – und die Firmen letztlich auch. Diversität meint dabei nicht nur Frauen, sondern auch Menschen mit Migrationsgeschichte, Menschen verschiedenen Alters oder sexueller Identität, aber auch mit verschiedenen Charaktereigneschaften und Arbeitsweisen.

Frauen in Führungsposition: 2 Bremerinnen berichten von ihrem Weg

Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Sarah Kumpf Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 22. Januar 2022, 19:30 Uhr