Widerstand gegen Erdgasförderung rund um Bremen wächst

ein rotes Kreuz vor einer Straße
Die Bürgerinitiative "No-Moor-Gas" protestiert gegen Messungen für die Erdgasförderung. Bild: Radio Bremen
  • Bürgerinitiative protestiert gegen Messungen für Erdgasförderung
  • "No-Moor-Gas" befürchtet negative Folgen für Umwelt und Gesundheit
  • Deutsche Erdöl AG will Anfang 2019 mit seismischen Untersuchungen starten

Mittlerweile geht die Produktion der roten Kreuze in Serie. Leuchtend rot ragen sie zwischen Bäumen hervor, stehen in Gruppen auf Beeten und auf Wiesen in den Landkreisen Osterholz, Verden, Rotenburg und Diepholz. Hinter der Aktion steckt die Bürgerinitiative "No-Moor-Gas". Die Holzkreuze sind für die Aktivisten das Symbol, dass die Erdgasförderung in den Dörfern nicht erwünscht ist.

Die Deutsche Erdöl AG (DEA) plant Messungen in verschiedenen Gemeinden rund um Bremen. Mit seismischen Untersuchungen soll Erdgas in 5.000 Metern Tiefe aufgespürt werden – und zwar mit schweren sogenannten Vibro-Trucks. Die Fahrzeuge sollen Anfang 2019 kilometerlange Strecken auf öffentlichen Straßen abfahren. Dabei werden Schallimpulse bis in tiefe Bodenschichten ausgesandt, die von Empfangsgeräten aufgenommen werden.

Grafik DEA-Untersuchungen in verschiedenen Gemeinden
Im Januar/Februar 2019 will die Deutsche Erdöl AG (DEA) mit seismischen Untersuchungen in mehreren Gemeinden Erdgaslagerstätten aufspüren. Bild: Radio Bremen

Diese Messungen und auch die spätere eventuelle Förderung von Erdgas will die Initiative verhindern. "Ich habe die Befürchtung, dass Beschädigungen zunächst an Gebäuden auftreten. Keine Ahnung was im Untergrund für Chemikalien gelagert werden", sagte Cai Hildebrand. Auch Abbi Hope Alpers ist skeptisch: "Wenn ich älter bin, bin ich diejenige, die es ausbaden muss. Das möchte ich nicht."

Der Widerstand rund um Bremen wächst

Kilometer um Kilometer soll der "Vibro-Truck" auch durch die Straßen der Gemeinde Grasberg fahren – was der Gemeinderat nächste Woche höchstwahrscheinlich ablehnt. Denn die meisten Straßen seien laut Bürgermeisterin der Gemeinde Grasberg, Marion Schorfmann, Moorstraßen. Und diese hätten im Dürresommer 2018 besonders gelitten. Deshalb sei nicht auszuschließen, dass sie durch den "Vibro-Truck" beschädigt werden würden. "Und das wollen wir nicht", sagte Schorfmann.

Eine Frau auf einer Straße in Grasberg
Marion Schorfmann ist Bürgermeisterin Grasberg. Bild: Radio Bremen

Die Aufregung unter den Bürgern sei groß: "Viele denken darüber nach, was nach den Messungen kommt. Viele Bürger haben sich gut informiert. Auch darüber, was beispielsweise in benachbarten Landkreisen passiert. Deshalb sind die Sorgen hier so groß", sagte Schorfmann. "Aber es ist doch gut, wenn alle motiviert sind und sich interessieren und sich auch selber informieren und ihre Bedenken klar äußern."

Die Aktivisten der Bürgerinitiative sind optimistisch.

Ich denke, wir haben gute Chancen. Der Widerstand wächst stetig. Wir haben einen großen Zulauf. Wir können uns kaum vor aktiven Mithelfen retten. Egal ob alt oder jung. Alle sind dabei und stehen auf und wehren sich.

Julia von Monkiewitsch

Die Bewohner der Gemeinden wollen durchaus den Dialog mit der DEA. So ist die DEA-Vorstandsvorsitzende zu einem Gespräch eingeladen. Die Anwohner befürchten aber auch, dass die Deutsche Erdöl AG die Zufahrtsrechte einklagt.

Ein Schild vor einer Mauer
Auch an der Kirche in Ottersberg steht ein rotes Kreuz mit Schild der Bürgerinitiative. Bild: Radio Bremen

"Wenn sie klagen, dann tun sie das. Das können wir nicht beeinflussen. Wir werden allerdings nicht locker lassen", sagte Jörn Schlumm, der sich an der Aktion von "No-Moor-Gas" beteiligt. Selbst die Kirchengemeinde mischt sich ein. An der Kirche in Ottersberg steht ebenfalls ein rotes Kreuz – als Symbol, dass die Menschen die Erdgasförderung ablehnen.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 2. Dezember 2018, 19.30 Uhr

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