So werden Bremerhavens Brücken für Otter zur tödlichen Falle

Ein Europäischer Fischotter beim Fressen im Wasser (Archivbild)
Bild: DPA | Imagebroker/Delpho

Die Bremerhavener Umweltbehörde hat die "Mission Fischotter" gestartet, um die bedrohte Tierart zu schützen. Erste Tiere sind zurück, doch ihr Feind bleibt der Verkehr.

Die gute Nachricht vorweg: Die Fischotter sind zurück in Bremerhaven. Das konnte die Naturschutzbehörde im Sommer nachweisen. Mithilfe einer Wildtierkamera wurde damals ein Tier am Geestemünder Markfleth fotografiert – außerhalb seines festgelegten Schutzgebiets. Damit war klar: Die bedrohten Tiere erschließen sich von der Geeste aus neue Lebensräume.

Doch die Tiere leben gefährlich. Einer ihrer größten Feinde ist dabei der öffentliche Verkehr über Brücken. Im August wurde sogar ein Fischotter überfahren. Jetzt versucht die Naturschutzbehörde zu erfassen, wo die Tiere die Straßen überqueren, um sie dort besser schützen zu können.

Jede Brücke ist eine potentielle Gefahr für Fischotter

Eine Frau steht neben einer Brücke in Bremerhaven und macht Notizen
Studentin Nora Milchert kartiert jede Brücke in Bremerhaven. Bild: Radio Bremen | Sina Derezynski

Warum manche Brücken für Otter so gefährlich sind, erforscht Studentin Nora Milchert. Innerhalb eines Forschungsprojekts an der Universität Oldenburg im Bereich Umweltwissenschaften erstellt sie für die Umweltbehörde Bremerhaven Steckbriefe für Bremerhavens Brücken. Dabei dokumentiert die 22-Jährige den Flussverlauf und andere Störfaktoren.

Denn: Fischotter bevorzugen naturnahe und natürliche Ufer, erzählt die Studentin und notiert sich alle Einzelheiten auf einer Liste auf ihrem Klemmbrett.

Dann gibt es eine Einordnung, wie das Gefahrenpotential bewertet wird, sodass man dann nachher von allen Brücken sehen kann: Wie gefährlich ist die Brücke für den Fischotter.

Nora Milchert, Studentin

Unterwegs am Ufer der Bremerhavener Rohr notiert sie die Flussbreite und auch, wie weit die Brücke vom Wasserspiegel entfernt ist. Denn Fischotter schwimmen nicht gern unter Brücken hindurch – obwohl sie zu den besten Schwimmern unter den Landraubtieren gehören. Sie bevorzugen den Weg über die Straße und das kann für den sonst sehr gut ans Wasser angepassten Mader gefährlich werden.

Fischotter trauen sich nicht unter Brücken

Blick unter eine Eisenbahnüberführung in Bremerhaven
So sehen sogenannte Bermen aus. Bild: Radio Bremen | Sina Derezynski

Im gesamten Stadtgebiet werden die Lebensräume der Tiere durch rund 40 Brücken und sogenannte Durchlassbauwerke durchkreuzt. Das stört die Fischotter in ihrem natürlichen Revier- und Wanderverhalten, sie trauen sich oft nicht unter den Brücken durchzuschwimmen. Da scheint der Weg über die Straßen einfacher.

Eine Lösung: Kleine Otterbrücken unter den Verkehrsbrücken, fachsprachlich auch als Berme bekannt. Bermen sind meistens aus Holz und sollen den Ottern helfen, sich trotz "Brückenphobie" frei in Bremerhaven bewegen zu können. Malte Wördemann von der Unteren Naturschutzbehörde Bremerhaven befürwortet solche Maßnahmen. Und freut sich auch über die Brückensteckbriefe. Denn Nora Milcherts Datensammlung und Analyse ist ein echter Mehrwert für die Behörde: Sollten Brücken restauriert oder neu gebaut werden, liefert sie wertvolle Daten über den aktuellen Brückenzustand. Und Hinweise, wie man künftige Brücken von Anfang an otterfreundlicher gestalten kann.

Autorinnen

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Vormittag, 16. November 2021, 12:38 Uhr