Hohe Dieselpreise: Deutsche Fischer stehen vor finanziellen Problemen

Miesmuschelernte

Fischer in Nord- und Ostsee wegen hoher Dieselpreise in Notlage

Bild: DPA | Frank Molter
  • Deutsche Fischer haben laut Branchenverband finanzielle Probleme.
  • Verband und Politiker treffen sich heute.
  • Bremerhavener Betriebe ringen mit gestiegenen Preisen.

Der Deutsche Fischerei-Verband sieht die Küsten- und Hochseefischerei in einer sehr schwierigen Lage. Grund sind die hohen Dieselpreise, sagte ein Sprecher. Viele Fischer könnten deshalb nicht mehr kostendeckend arbeiten. Ein Sofortprogramm der EU helfe kurzfristig, man brauche aber langfristige Lösungen. Auch Bremerhavener Betriebe sind am Limit.

Bei den Hochseefischern kommt laut Verband dazu, dass sie mit dem Brexit einen großen Teil ihrer Fangquoten für Hering oder Makrele verloren haben. Rund 200 Vertreter aus der Branche, aus Politik und Verwaltung wollen in Berlin auf dem Deutschen Fischereitag über die Probleme reden.

36.000 Menschen in Deutschland leben vom Fisch

Fischtrawler und -fabriken in Norwegen, Island und Asien haben im Fischsegment längst das Sagen, doch auch in Deutschland leben noch immer rund 36.000 Menschen vom Fischfang, dem Handel oder der Verarbeitung. Ein Hotspot ist der Fischereihafen Bremerhaven. Dortige Fischhändler wie "Schüttler und Seifert" ringen mit gestiegenen Preisen.

Wenn der Krabbenkutterfahrer raus fährt, denn braucht er am Ende auch seinen Fang, was im Moment auch nicht so einfach ist, aber er muss auch seinen Diesel wieder raushaben, und deswegen sind die Krabben momentan relativ teuer.

Martin Sander, "Schüttler und Seifert"-Geschäftsführer

Auch laut Florian Müller vom Bremerhavener Fischgroßhändler "West Fish" drücken die hohen Kosten auf die Stimmung. "Wir haben teilweise Produkte dabei, da haben wir 100 Prozent Preissteigerungen", sagt Müller. Beim norwegischen Lachs habe sich der Preis verdreifacht. Manch ein Kunde bestelle seither weniger Fisch. Sein Unternehmen sei aber breit aufgestellt, könne solche Ausfälle gut abfedern. Schon Corona traf die Branche hart, weil Fabriken in Asien zeitweise geschlossen waren. Das hat die Ware weiter verknappt, so Müller.

Das hat dazu geführt, dass die Bürger und die Produzenten doch auf die heimischen Fische zugreifen mussten oder auf die Fische von Island und Norwegen. Die waren der ganzen Sache nicht gewachsen. So viel Fisch gibt’s da einfach nicht, dass man das auffedern konnte.

Florian Müller, "West Fish"

Dangquoten nach Brexit sind Thema beim Fischereitag

Hinzu kommt: Seit dem Austritt der Briten aus der Europäischen Union sind die Fangquoten der Hochseefischer gesunken. Auch die sieben deutschen Hochseetrawler, die zum Teil von Bremerhaven in See stechen, dürfen deutlich weniger fangen. Beim Deutschen Fischereitag in Berlin wollen die Vertreter darum auch über die finanzielle Entschädigung der Hochseefischer sprechen, sagt Claus Ubl vom Deutschen-Fischereiverband.

Diese steht auch eigentlich bereit. Denn es gibt in der Europäischen Union eine sogenannte Brexit-Anpassungsreserve. Aber auch anderthalb Jahre nach Abschluss des Brexit-Vertrages gibt es immernoch keine klare Richtlinie, was in Deutschland förderfähig ist danach und was nicht und das frustriert die Betriebe mittlerweile.

Claus Ubl, Deutscher-Fischereiverband

Krabbenfischer durch Dieselpreise in Existenznot

Auf der Tagesordnung beim Fischereitag steht auch die Lage der Krabbenfischer, die durch die hohen Dieselpreise in Existenznot geraten sind. Zwar gibt es von der Bundesregierung 10 Millionen Euro Hilfen für die Krabbenfischer. Doch weil jeder Fischer nur höchstens 35.000 Euro bekommt, ist das nicht genug, kritisiert Kai-Arne Schmidt, der Geschäftsführer der Kutterfisch-Zentrale in Bremerhaven/Cuxhaven.

Ich kann Ihnen von uns berichten, wir haben im letzten Jahr in den ersten 6 Monaten 400.000 Euro Gas-Öl-Kosten gehabt. In diesem Jahr waren es 1,2 Millionen. Also 800.000 Euro mehr. Natürlich freuen uns die 35.000 Euro, aber ich sage Ihnen auch: Ob wir die haben oder in China fällt ein Sack Reis um, das wird den Betrieb nicht retten.

Kai-Arne Schmidt, Geschäftsführer Kutterfischzentrale

Ein kleines Schiff verbraucht 1.000 Liter Diesel am Tag, bei denen könne die Unterstützung etwas helfen. Aber für größere Fangschiffe, sagt Schmidt, seien die Hilfen es nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Darum blieben manche Krabbenfischer an der Nordsee derzeit im Hafen. An der Fischtheke Bei "Schüttler und Seifert" ist trotz teils gestiegener Preise an diesem Mittag so einiges los. Kundin Sigrid Wiese ist begeistert.

So sehr wandelte sich der Fischereihafen in Bremerhaven in 125 Jahren

Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Plattdeutsche Nachrichten, 23. August 2022, 10:30 Uhr