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Ohne Tierleid und Schadstoffe: Neue Fischstäbchen aus Bremerhaven?

Vegane Fischstäbchen werden aufgeschnitten
Bild: DPA | Sina Schuldt

Ein neues Forschungsprojekt zusammen mit dem Thünen-Institut hat ein Ziel: Ein Produkt, das schmeckt und nahrhaft ist wie Fisch – hergestellt im Reagenzglas.

Ist es möglich, alternativen Fisch zu produzieren – ohne industrielle Fischerei, ohne konventionelle Tierhaltung, ohne Tierleid, ohne Schadstoffe und mit weniger CO2-Emissionen? Fisch, der vegan ist, aber wie gewohnt schmeckt? An dieser Frage forschen gerade Wissenschaftler aus Bremerhaven. Die EU und das Land Bremen fördern das Projekt mit dem Namen "Clean Fish – Alternative Lebensmittel aus der Zellkultur".

Wie soll das funktionieren?
Der Tiernahrungshersteller Kaesler Nutrition mit Hauptsitz in Cuxhaven will Fischprodukte aus Zellkulturen herstellen. Die Forscher im Kaesler-Labor in Bremerhaven arbeiten daran. Vereinfacht gesagt, funktioniert das so: Die Experten nehmen von einem Fisch etwas Gewebe. Das Tier wird dabei nicht getötet. Anschließend kommen die entnommenen Zellen zusammen mit einem Nährmedium in einen Bioreaktor. Dort werden die Zellen dann zum Wachsen gebracht und es entsteht ein Stück Fisch.

Vom Prinzip her ist das eine mikrobielle Fermentation. Das kann man sich so vorstellen wie Bierbrauen. Nur, dass unser Endprodukt nicht Bier ist, sondern Moleküle, die die Zellen hier drin jetzt herstellen.

Heiko Dietz, Leiter der Forschung und Entwicklung im Kaesler-Nutrition-Labor in Bremerhaven
Ein Mann steht vor einem Gerät, das aussieht wie ein Ofen.
Heiko Dietz, Leiter der Forschung im Kaesler-Nutrition-Labor in Bremerhaven, ist überzeugt, dass es schon bald eine schmackhafte Fisch-Alternative aus Zellen geben könnte. Bild: Radio Bremen | Sina Derezynski

Kaesler Nutrition konzentriert sich in dem Projekt darauf, ein geeignetes Nährmedium herzustellen. Denn viele Nährmedien bestehen im Wesentlichen aus Blutserum aus dem Blut ungeborener Kälber. Die Bremerhavener wollen dafür eine andere, vegane Lösung finden.

Ihr Projektpartner ist das Thünen-Institut für Fischereiökologie in Bremerhaven. Wenn der erste Fisch aus dem Labor fertig ist, wollen sich die Forscher dort mit der Frage beschäftigen, wie man es schafft, dass die Produkte aus dem Labor wie Fisch aus dem Meer schmecken. Und am besten sollen sie auch mindestens genauso viele Nährstoffe haben, zum Beispiel die gesunden und lebensnotwendigen Omega-3-Fettsäuren.

Eine Frau zeigt auf einen Monitor. Ein Mann sitzt vor dem Monitor auf einem Stuhl.
Ulrike Kammann und ihr Team werten aktuell die Ergebnisse aus, die sie bei der Untersuchung von Fischen aus dem Meer gewonnen haben. Bild: Radio Bremen | Sina Derezynski
Viele Fische sind mit Schadstoffen belastet. Wie sieht es mit den im Labor erzeugten Fischprodukten aus?
Die Hoffnung ist, dass die Fischprodukte aus dem Labor weniger oder bestenfalls gar keine Schadstoffe enthalten. Eine Forschungsgruppe des Thünen-Instituts untersucht aktuell verschiedene Fischsorten aus dem Meer auf Schadstoffe wie etwa Quecksilber. Später sollen sie dann die Fischprodukte aus dem Labor damit vergleichen. "Und da erwarten wir schon, dass der Labor-Fisch sauber ist – ohne Quecksilber. Aber wir wissen es nicht. Wir müssen erst schauen", sagt Ulrike Kammann, die das Projekt "Clean Fish" beim Thünen-Institut betreut.

Unser Ziel ist es, das Lebensmittel Fisch möglichst authentisch nachzustellen – mit all seinen Vorteilen und ohne die Nachteile.

Ulrike Kammann, Thünen-Institut für Fischereiökologie
Wann wird es die ersten Ergebnisse geben?
Noch steht das Projekt ganz am Anfang. Bis Ende 2023 soll geforscht werden. Bruno Kaesler, Geschäftsführer von Kaesler Nutrition, glaubt, dass das Produkt am Ende sehr erfolgreich werden könnte: "Wir denken, dass das eine Technologie ist, die Potenzial hat und nicht nur ein sogenannter Hype ist, sondern eine echte Alternative anbietet beziehungsweise noch eher eine Erweiterung."

Gerade beim Fisch sehen wir das nicht unbedingt als Ersatz von Fisch, sondern als ein zusätzliches Angebot, das besondere Vorteile hat.

Bruno Kaesler, Geschäftsführer Kaesler Nutrition

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Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Nachmittag, 17. Februar 2022, 16:35 Uhr