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Was die Erhöhung des Leitzinses für Bremer bedeutet

Euronoten liegen auf einem Haufen (Symbolbild)

Was die Erhöhung des Leitzinses für Verbraucher bedeutet

Bild: Imago | STPP

Die Europäische Zentralbank will den Leitzins im Juli erhöhen. Aber was bedeutet das eigentlich für Verbraucherinnen und Verbraucher? Antworten der Bremer Verbraucher Zentrale.

Was hat die Europäische Zentralbank (EZB) vor?
Die EZB will im Juli den Leitzins von Null auf 0,25 Prozentpunkte anheben. Das wird die erste Erhöhung seit mehr als zehn Jahren sein. Im September könnte eine weitere Erhöhung folgen – falls die Inflation anhält, sind dann weitere 0,5 Prozentpunkte möglich.
Was bedeutet das für Verbraucherinnen und Verbraucher?
Der Leitzins wirkt sich auf andere Zinsarten aus. Etwa, wie viel Verbraucherinnen und Verbraucher für einen Kredit oder die Finanzierung einer Immobilie bezahlen müssen. Aber auch, wie viele Zinsen sie für ihr Erspartes auf dem Bankkonto bekommen. Wenn der Leitzins sich verändert, werden mit einer zeitlichen Verzögerung auch die Spar-, Kredit- und Bauzinsen angepasst.
Lohnt sich das klassische Geldsparen auf dem Bankkonto jetzt wieder?
Nein. Laut Annabel Oelmann, Vorständin der Verbraucherzentrale Bremen, trifft es Sparer immer noch hart. Der Grund dafür: Die Inflation lag im Euroraum im Mai bei 8,1 Prozent – selbst bei einem Leitzins von 0,75 Prozent, wie es ihn im September geben könnte, ist die Differenz immer noch groß. Das heißt: Verbraucherinnen und Verbraucher könnten zwar wieder mehr Zinsen auf ihr Erspartes erhalten – gleichzeitig wird ihr Geld durch die Inflation aber weniger wert, weil die Waren mehr Kosten.
Aber was mache ich dann mit meinem Geld?
Bei den risikoärmeren Möglichkeiten zur Geldanlagen verlören Verbraucherinnen und Verbraucher, sagt Oelmann. Den Verlust durch die Inflation könne man nur mit risikoreicheren Anlagen ausgleichen. Als Beispiel nennt sie Aktienfonds, etwa sogenannte ETFs.
Kaptialanlage an der Börse – ist das nicht nur etwas für Zocker?
Das Risiko solcher Geldanlagen ist zwar höher, aber nicht unberechenbar. Oelmann empfiehlt, mit Freunden und Verwandten über Geld zu reden. Viele Bürgerinnen und Bürger hätten an der Börse schon einmal eine schlechte Erfahrung gemacht oder von Bekannten Schlechtes gehört. Dieser negative Eindruck bleibe besonders stark hängen und verzerre das Bild von der Geldanlage. Das Rauf und Runter an den Aktienmärkten könne für kleine Anleger allerdings emotional schwierig sein. Allerdings kann man sich heutzutage besser denn je über die Kapitalmärkte informieren.
Wie sieht es mit der Altersvorsorge aus?
Bei der Altersvorsorge sieht es wie beim Sparen aus: Wer sein Geld jetzt zurücklegt, hat bei anhaltender hoher Inflation später weniger davon. Bausparverträge sind laut Oelmann nicht mehr zeitgemäß, die Kosten für eine Riesterrente zu hoch. Vor allem für jüngere Menschen könne sich daher die risikoreichere Anlage lohnen.
Ich will eine Immobilie kaufen – kann ich mir das jetzt nicht mehr leisten?
Die Zinsen für Baukredite sind seit Anfang des Jahres zwar gestiegen, aber die hohen Immobilienpreise seien vor allem das Problem, sagt Oelmann. Ihr Tipp: Die Finanzierung der Immobilie soll für mindestens 15 Jahre gedeckt sein. Denn eine Anschlussfinanzierung kann später hohe Mehrkosten verursachen.
Was ist mit den Strafzinsen?
Die "Verwahrentgelte", wie Strafzinsen auch genannt werden, werden laut Oelmann wohl wieder abgeschafft. Wer eine relativ hohe Summe auf dem Bankkonto gelagert hat, der erhält dafür bei einigen Banken derzeit Negativzinsen – das heißt: zahlt dafür Geld an die Bank. Die ING hat etwa einen ersten Schritt gemacht und Mitte Mai angekündigt, ab 1. Juli die Freibeträge für Guthaben auf Giro- und Tagesgeld-Konten von derzeit 50.000 auf 500.000 Euro pro Konto zu erhöhen.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 9. Juni 2022, 14 Uhr