Solidarisierten sich Bremer Polizisten mit Corona-Impfgegnern?

Mehrere Polizisten stehen in der Dunkelheit, sie wenden der Kamera den Rücken zu und werden von Gegenlicht beleuchtet.

Soldidarisierten sich Bremer Polizisten mit Corona-Gegnern?

Bild: DPA | Zentralbild
  • Unter Kritikern der Corona-Maßnahmen kursiert ein Handy-Video aus Bremerhaven
  • Die Aufnahme soll Polizisten in Bremen zeigen, die sich mit Protestierenden solidarisieren
  • Bei den Behauptungen handelt es sich jedoch um Falschmeldungen

In den sozialen Netzwerken sorgt ein Video für Aufsehen: In dem Film ist zu sehen, wie mehrere Polizisten auf einem Weihnachtsmarkt geschlossen ihre Helme abnehmen und sich FFP2-Masken aufsetzen. Hierfür erhalten sie lautstarke Zustimmung und Applaus, wie deutlich zu hören ist. Kritiker der Corona-Maßnahmen und Impf-Gegner behaupten in verschiedenen sozialen Kanälen, die Szene ereigne sich in Bremen und durch das Abnehmen der Helme würden die Polizisten ihre Solidarität mit vor Ort protestierenden Gegnern der Corona-Maßnahmen ausdrücken.

Unter anderem auf Twitter, Facebook und TikTok wird der Post vielfach geteilt und mit "Gefällt mir" markiert. Allein auf TikTok wurde das Video bis Dienstagmorgen von mehr als 25.000 Nutzern geliked. Viele der User sind anhand ihrer Profile als Kritiker der Corona-Maßnahmen und Impf-Gegner erkennbar. Wir haben uns das 49-sekündige Handyvideo angesehen und machen den Faktencheck.

Wo spielt sich die Szene ab?

In den entsprechenden Beiträgen wird behauptet, dass sich der Vorfall in Bremen ereignet hat. Diese Aussage ist jedoch falsch.

Wie ein Kameraschwenk am Ende des Videos zeigt, ist die Aufnahme auf dem Bremerhavener Weihnachtsmarkt nahe der Bürgermeister-Smidt-Gedächtniskirche entstanden; die Kirche ist klar zu sehen. Die Bremerhavener Polizei teilt diese Annahme: "Wir können bestätigen, dass das Video offensichtlich vor der Bürgermeister-Smidt-Gedächtniskirche in der Bremerhavener Innenstadt aufgezeichnet wurde", teilte ein Sprecher auf Nachfrage von buten un binnen mit.

Wann spielt sich die Szene ab?

Angeblich wurde das Video am Montag, 13. Dezember, aufgenommen. An dem Tag kam es in zahlreichen deutschen Städten zu Protesten gegen die Corona-Maßnahmen. Andere User in einschlägigen Telegram-Gruppen nennen Freitag, 10. Dezember, als Datum. Einigkeit besteht also nicht.

Nach Einschätzung der Bremerhavener Polizei ist die Aufnahme am vergangenen Freitag entstanden. Auch an diesem Tag demonstrierten rund 400 Menschen gegen die aktuellen Corona-Maßnahmen. Das Video sei "wahrscheinlich zwischen 20:10 und 20:45 Uhr" aufgenommen worden, teilte die Polizei Bremerhaven auf Anfrage mit. Ein genauer Zeitpunkt, zu dem ein Einsatzzug der Polizei seine Helme abgenommen hat, sei nicht vermerkt.

Warum setzen die Polizisten ihre Helme ab?

Dass die Polizisten ihre Helme abnehmen, interpretieren zahlreiche Nutzer als Solidaritätsgeste mit den Protestierenden. Nach dieser Auslegung würden die Beamten so ihre Zustimmung zu den Protesten gegen die Corona-Maßnahmen ausdrücken.

Eine Behauptung, die die Bremerhavener Polizei zurückweist: "Dem Neutralitätsgebot entsprechend gibt es derartige Solidaritätsbekundungen von Polizeibeamt:innen im Einsatzgeschehen nicht." Aufsetzen und Abnehmen des Helms seien völlig normale Vorgänge, die sich in einem längeren Polizeieinsatz vielfach wiederholten. "Sofern es die Eigensicherung und die Situation gerade zulassen, wird der Helm abgenommen, um die Belastung für Kopf und Nacken zu verringern." Dies ist nach Polizeiangaben auch in der Szene im Video der Fall gewesen.

Abschließend lässt sich also zusammenfassen, dass sich die vermeintliche Solidaritätsgeste als normale Alltagshandlung eines Polizisten im Dienst entpuppt. Um eine politische Handlung oder Zustimmung zu einer Protestaktion handelt es sich jedenfalls nicht. Oder anders gesagt: "Die Interpretation und Instrumentalisierung dieser Handlung durch Dritte können wir nicht beeinflussen", wie die Bremerhavener Polizei resümiert.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 14. Dezember 2021, 14.15 Uhr