Hund, Katze oder Meerschwein: Härtefälle in der Tierklinik Posthausen

Bild: Radio Bremen

Ein Meerschweinchen mit Blasenstein, ein humpelnder Labrador und eine Katze mit Atemnot: Die Tierklinik Posthausen ist ein Magnet für komplizierte Fälle.

Hund Max hat Schmerzen. Er humpelt, nichts hilft mehr. Der Labrador hat deshalb einen OP-Termin in der Tierklinik Posthausen. Seine Besitzerin Sabine Diener ist nervös, ob alles gut geht. Max soll ein neues Ellenbogen-Gelenk bekommen. Tierarzt Philipp Schmierer wird den Rüden operieren und bespricht den komplizierten Eingriff mit Sabine Diener und ihrer Tochter Nicole. Dann heißt es Abschied vom Frauchen nehmen, ab hier übernimmt der Chirurg.

Ein Magnet für schwierige Fälle

Am Empfang der Klinik herrscht Hochbetrieb. Kardiologen, Onkologen, künstliche Hüftgelenke, Intensivstationen, Langzeit-EKG und CT – alles findet sich in der Tierklinik Posthausen. Über 10.000 Patienten kommen jedes Jahr aus ganz Nordwestdeutschland hierher. Die Klinik ist ein echter Magnet für harte Fälle. Tierärzte überweisen ihre Patienten für schwierige Operationen oder aufwendige Untersuchungen nach Posthausen.

Tierklinik Posthausen Katze Atemnot
Katze Maunzi wird mit Sauerstoff versorgt. Bild: Radio Bremen

Maunzi ist ein Notfall. Die Katze bekommt kaum Luft. "Wir waren vor zwölf Tagen schon mal hier, da hat sie einen richtigen Schwächeanfall gehabt", berichten die Besitzer Angelika und Frank Müller, "Maunzi hatte Wasser in der Lunge". Sie sind in großer Sorge. Notfälle wie Maunzi sollen nicht unnötig im Wartezimmer bleiben müssen. Tierarzt Linus Rustemeyer kümmert sich um sie. Maunzi ist bereits 16 Jahre alt und bekommt erst einmal eine Prise Sauerstoff, bevor sie untersucht wird. Die Atemgeräusche seien verschärft und die Herztöne hören sich nicht ganz rhythmisch an, bemerkt der Arzt. Maunzis Brustkorb soll geröntgt werden.

Patienten am laufenden Band

Das Klink-Team kommt zu einer Sitzung zusammen. Internisten, Chirurgen und Neurologen besprechen gemeinsam jeden einzelnen Fall, Tag für Tag aufs Neue. Vor sieben Jahren hat Tim Bonin die Klinik eröffnet – gemeinsam mit drei Kollegen und 8 Helfern. Mittlerweile besteht das Team aus 100 Beschäftigten, das Team wächst immer weiter, denn neue Patienten kommen am laufenden Band. Auf jeden Patienten und Patienten-Besitzer müsse individuell eingegangen werden, so Tim Bonin.

Wir haben circa 120 Patienten am Tag, das ist nicht wenig. Und es sind vor allem keine Bagatellerkrankungen, die in aller Regel hier vorbeikommen, sondern eher aufwendige Erkrankungen.

Tim Bonin ist Tierarzt und Gründer der Tierklinik in Posthausen.

Ohne Versicherung wird es teuer

Die Klinik ist auch Anlaufstelle für kleine Heimtiere. Daniela Gonschorek hält seit 15 Jahren Meerschweinchen. Jetzt macht ihr Jussi Probleme: "Sie hat eine chronische Blasenentzündung und wird nicht mehr heile. Wir behandeln es, damit sie weiter ein fröhliches Schweinchen sein kann." Jussi wird geröntgt – das Bild soll zeigen, ob ein Blasenstein die Ursache für die Schmerzen sein könnte.

Am einfachsten sei es, den Blasenstein rauszuspülen, aber auch eine teurere OP sei möglich, erklärt Daniela Gonschorek. Der Arzt müsse entschieden. Auch wenn die Behandlung teuer würde – der Besitzerin wäre es das Wert, schließlich seien die Tiere wie Familienmitglieder.

Es verfügen nun mal nicht alle Patienten-Besitzer über die finanzielle Mittel dem Tier die beste medizinische Versorgung zukommen zulassen. Letztendlich muss man sagen, jeder der sich ein Tier anschafft, trägt auch die Verantwortung für ein krankes Tier aufzukommen.

Tim Bonin ist Tierarzt und Gründer der Tierklinik in Posthausen

Schwierige Behandlungen und komplizierte Operationen haben ihren Preis. Damit es ihren Tieren wieder gut geht, nehmen viele Besitzer die Kosten auf sich. Für etwa jeden zehnten ist Ratenzahlung ein Thema, nur etwa fünf Prozent haben eine Krankenversicherung für ihr Tier. Das kann auch die Behandlung beeinflussen.

Alles gut gelaufen

Hund Max hat dagegen seine Operation überstanden. Er muss aber noch eine Nacht hierbleiben. Schon am Tag nach der Operation ist der Labrador wieder auf den Beinen und kann bereits nach Hause. Alles ist gut gelaufen. Mit viel Liebe und ordentlich Physiotherapie sollte es Max in einem halben Jahr wieder richtig gut gehen.

Autorin

  • Kirsten Hartje

Dieses Thema im Programm: buten un binnen. 18. April 2022, 19:30 Uhr