Tödliche Polizei-Schüsse in Bremen: Ermittlungen laufen seit 2 Jahren

Vor zwei Jahren starb Mohamed Idrissi in Bremen-Gröpelingen. Er war mit einem Messer in der Hand auf einen Polizisten zugelaufen. Aufgeklärt ist der Fall noch nicht.

Auch zwei Jahre nach den tödlichen Polizei-Schüssen auf Mohamed Idrissi in Bremen-Gröpelingen sind die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft immer noch nicht abgeschlossen. Und dabei hatte die Ermittlungsbehörde die Nachforschungen zu dem Fall eigentlich schon eingestellt.

Doch der Anwalt der Tochter des 54 Jahre alten psychisch kranken Verstorbenen legte Beschwerde ein. Mit Erfolg. Ende Januar 2021 entschied die Generalstaatsanwaltschaft, dass die Ermittlungen wieder aufgenommen werden müssen. Seitdem laufen sie wieder. Bisher ohne Ergebnis.

Idrissi läuft mit Messer auf Polizist zu, es fallen Schüsse

Am 18. Juni 2020 wollten sich Mitarbeiter einer Wohnungsgesellschaft die Wohnung von Idrissi ansehen, weil Wasser aus seiner Wohnung in den Keller geflossen sein soll. Da bekannt war, dass Idrissi psychisch krank war, kamen sie in Begleitung der Polizei. Doch das Geschehen eskalierte.

Ein Video, aufgenommen von Nachbarn, zeigt, was im Hof des Häuserblocks passierte. Was vorher geschah, ist unklar. Auf dem Video ist zu sehen, dass Idrissi einen schwarzen Gegenstand in der Hand hat. Aus diesem zieht er ein Messer.

Vier Polizeibeamte stehen um den 54-Jährigen herum. Sie fordern ihn auf, das Messer fallen zu lassen. Das tut Idrissi nicht. Er sagt etwas, das nur bruchstückhaft zu verstehen ist. Schließlich läuft er los, auf einen der Beamten zu. Es fallen Schüsse. Idrissi stirbt.

Für Polizei und Staatsanwaltschaft ist der Fall zunächst recht schnell erledigt. Die Staatsanwaltschaft hatte ein internes Ermittlungsverfahren gegen zwei der vier beteiligten Polizisten eingeleitet. Anfang Oktober 2020, also rund dreieinhalb Monate nach dem Tod Idrissis werden die Ermittlungen eingestellt. Für die Staatsanwaltschaft steht zu diesem Zeitpunkt fest, dass die Polizistin und der Polizist korrekt gehandelt haben.

Zweites Video soll zeigen, was nach den Schüssen geschah

Hiergegen legte der Anwalt der Tochter von Idrissi erfolgreich Beschwerde ein. Im Zuge der Nachforschungen, die er gemeinsam mit seiner Mandantin anstellte, tauchte nämlich ein zweites Video auf. Auf diesem soll zu sehen sein, was nach den Schüssen passierte. Dieses Video hatte der Staatsanwaltschaft nicht vorgelegen, als sie ihre Ermittlungen einstellte. Die Generalstaatsanwaltschaft ordnete an, dass die Staatsanwaltschaft das Video prüfen und erneut entscheiden muss, ob sie Anklage erhebt.

Die Frage ist: Taten die Beamten nach den Schüssen alles, um das Leben des Mannes zu retten? Das soll ein rechtsmedizinisches Gutachten klären. Das Ergebnis des Gutachtens liegt noch nicht vor. Jan van Lengerich, der Anwalt der Tochter, macht sich keine großen Hoffnungen: "Dass das Verfahren so lange dauert, lässt befürchten, dass etwas verschleiert werden soll."

Angesichts dessen, dass ein Tötungsdelikt vorgeworfen wird und zwei Jahre herum sind, läuft irgendwas falsch in der Bremer Justiz.

Jan van Lengerich, Anwalt der Tochter von Mohamed Idrissi

Die Bremer Staatsanwaltschaft wehrt sich gegen diese Vorwürfe. Ihr Sprecher, Frank Passade, sagt: "Hier hat niemand ein Interesse daran, etwas zu vertuschen oder eine schützende Hand über den Polizisten zu halten." Allerdings habe man "allenthalben mit Umständen zu kämpfen, die Verfahren in die Länge ziehen". Zu Einzelheiten der laufenden Ermittlungen äußert sich Passade nicht.

Für van Lengerich steht hingegen fest, dass der Fall vor Gericht gehört. "Meine Mandantin hat eine gerichtliche Untersuchung verdient, in der die Umstände des Todes ihres Vaters in einer öffentlichen Hauptverhandlung restlos aufgeklärt werden."

Landesvorsitzender der GdP: "Zwei Jahre sind einfach zu lang"

Auch der Bremer Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Nils Winter, kritisiert die Dauer des Ermittlungsverfahrens. "Die Dauer des Verfahrens ist problematisch. Zwei Jahre sind einfach zu lang." Er hat vor allem die Belastung für den Polizisten, der geschossen hat, im Blick.

Eine solch lange Ermittlungsdauer nach solch einem tragischen Einsatz macht was mit den Menschen.

Nils Winter, Bremer Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei

Eine Sprecherin der Bremer Polizei teilt unterdessen mit, dass keine konkreten Anhaltspunkte für die Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen den Polizisten, der geschossen hat, ersichtlich waren. Der Mann sei weiter als Streifenpolizist in einem Bremer Polizeikommissariat tätig. Zu den laufenden Ermittlungen will auch sie sich nicht äußern.

 

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