3 Beispiele, wo in Bremen Kinderbetreuung und Job vereinbar sind

Ein Mann iarbeitet im Homeoffice, bei ihm sitzt ein Kind (Symbolbild)
Bild: Imago | Westend61

Die Kinderbetreuung und den Beruf miteinander zu verbinden – für viele Eltern ist das eine Herausforderung. Drei Ansätze in Bremen zeigen, wie es klappen könnte.

Arbeiten für Eltern ist nicht so leicht: Die Frage, wo die eigenen Kinder in der Arbeitszeit unterkommen, steht dem Job oft im Wege. Der Equal Care Day bietet Anlass dazu, nach Antworten zu schauen: Der internationale Aktionstag legt den Fokus auf die Tätigkeiten der Fürsorge und des Sich-Kümmerns – denn die werden meistens nicht nur unbezahlt, sondern auch unbemerkt geleistet. Ein Blick auf drei Beispiele in Bremen, wo Kinderbetreuung und Job zusammen gedacht werden.

1 Backstube mit besonderen Öffnungszeiten

Der Beruf des Bäckers oder der Bäckerin lässt eigentlich nicht viel Zeit: Arbeitsbeginn ist zwischen 2 und 3 Uhr morgens, die Schichten dauern normale acht Stunden – wenn andere wach sind, müssen Bäcker Schlaf nachholen.

Diesen Weg wollte die Bremer Backstube in Vegesack irgendwann nicht mehr mitgehen. "Meine Eltern haben vor 20 Jahren angefangen, hier in der Bäckerei die Arbeitszeiten umzustellen", erzählt Geschäftsführerin Lene Siemer, die den Betrieb mittlerweile von ihren Eltern übernommen hat. "Das hatte einerseits gesundheitliche Gründe, andererseits soziale: Die Mitarbeitenden sollten mehr Zeit für Freunde und Familie haben." Nach einer ersten Phase, in der in der Bäckerei viel ausprobiert wurde, haben sich die neuen Arbeitszeiten eingespielt: Die Frühschicht beginnt, je nach genauer Aufgabe, zwischen 5 und 8 Uhr morgens, die Spätschicht gegen 16 oder 17 Uhr.

Weil der Großteil der 80 Mitarbeitenden Kinder hat, komme das dem Personal sehr entgegen, sagt Siemer: "Eltern können sich dann entweder morgens vor der Arbeit oder nachmittags vor der Arbeit kümmern." Job und Kinderbetreuung sei also vereinbar. Positiver Nebeneffekt laut Siemer: Die Arbeitszeiten seien ein Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Bäckereien, wenn es darum geht, Fachkräfte zu gewinnen.

Gerade von jungen Menschen hören wir, dass unsere Arbeitszeiten für sie einfach attraktiver sind.

Lene Siemer, Geschäftsführerin der Bremer Backstube

Fraglich wäre nur noch, ob die Backwaren nicht unter den Arbeitszeiten leiden. Aber: "Wir sind ein Biobetrieb und arbeiten viel mit Vorteigen oder Teigen, die lange ruhen müssen. Die können wir gut vorbereiten. Dadurch können wir sicherstellen, dass unsere Ware frisch ist", erklärt Siemer. In diesem Sinne seien Angebot und Arbeitsbedingungen aufeinander abgestimmt worden.

2 Umschulungen mit integrierter Kinderbetreuung

Eine Umschulung im Handwerk beginnen, wenn man ein Kind unter drei Jahren hat? "Viele machen das nicht, weil sie nicht wissen, wo sie ihre Kinder betreuen lassen können", weiß Jens Rigterink, Geschäftsführer des Kompetenzzentrums der Handwerkskammer Bremen. Umso mehr sei er froh, dass im Handwerks-Kompetenzzentrum die Kinderbetreuung gleich mitgedacht wird: Eltern können ihre Kinder während der Ausbildungszeit bei den "Handwerkszwergen" unterbringen.

Hinter den "Handwerkszwergen" verbirgt sich eine Kita für Kinder unter drei Jahren, die an das Kompetenzzentrum angedockt ist. Ein Angebot nicht nur, aber eben auch für Eltern, die die in der Regel 24- bis 28-monatigen Umschulungen im Zentrum absolvieren. "Unsere Plätze sind tatsächlich sehr begehrt", sagt Rigterink. "Vielen gefällt zum Beispiel, dass die Wege zwischen Arbeit und Kinderbetreuung so kurz sind."

Für Rigterink ist das Angebot eine Win-Win-Situation: Einerseits weil viele Menschen die Angebote zur Umschulung nutzen, die das sonst nicht getan hätten – in Zeiten des Fachkräftemangels sei das sehr wertvoll. Andererseits komme noch hinzu, dass die betreuten Kinder schon früh Nähe zum Handwerk aufbauen können.

"Natürlich kann man bei Kindern von drei Jahren noch nicht über Berufsorientierung sprechen", lacht Rigterink. "Aber wir vermitteln Kindern eben schon früh, dass Handwerk eben nicht schmutzig, laut und schlecht bezahlt sein muss, sondern richtig Spaß machen kann." Passend dazu bekommen die Kita-Kinder zum Abschluss ihrer Kita-Zeit als kleines Präsent eine kleine Tüte mit Werkzeugen aus Holz – eine Nachwuchsgewinnung der anderen Art.

3 Kita mit langen Öffnungszeiten

Kitaöffnungszeiten bis in den späten Nachmittag sind in Bremen eine Ausnahme: Die meisten Einrichtungen schließen zwischen 15 und 16 Uhr ihre Pforten. Der Fröbel-Kindergarten An der Weide geht aber einen anderen Weg: Hier können Kinder zwischen 7 und 17.30 Uhr betreut werden. Extra-Gebühren sind dafür nicht fällig.

"Die langen Öffnungszeiten gehörten bei uns von Anfang an zum Konzept", erklärt Einrichtungsleitung Sabrina Schönwald. "Die Fröbel-Gruppe ist auch viel in Ost-Deutschland aktiv, wo es auch Betreuungszeiten bis 18, 19 Uhr gibt. Deswegen wollten wir auch hier gleich längere Öffnungszeiten anbieten."

Gerade vor Corona haben viele Eltern deswegen gezielt ihre Kita angesteuert. Nachdem in der Hochphase der Corona-Pandemie die Öffnungszeiten etwas angepasst werden mussten, ist die Nachfrage für die Spät-Betreuung allerdings etwas zurückgegangen: "Momentan nutzt nur ein alleinerziehendes Elternteil das späte Angebot", sagt Schönwald.

Ein Grund für die Zurückhaltung vieler Eltern, die Spät-Angebote in Anspruch zu nehmen: "Viele haben Hemmungen, ihr Kind so lange in die Betreuung zu geben. Sie wollen nicht die letzten sein, die das Kind zu uns bringen und die ersten, die es wieder abgeben", erzählt Schönwald. Das habe auch mit sozialem Druck zu tun. "Viele Eltern fragten auch, ob es denn okay sei, wenn sie das Kind bis 17:30 Uhr in der Kita lassen. Wir sagen dann: Na klar, deswegen sind wir ja hier."

Betreuerinnen haben mehr Zeit

Aber wie machen die Kinder die lange Zeit in der Kita mit? "Für ein Kind kann es auch anstrengend werden", sagt Schönwald – vor allem, wenn es sehe, wie andere Kinder im Laufe des Nachmittags abgeholt werden und es selbst nicht. "Aber wenn sich diese Abholphase gelegt hat, dann wird es oft nochmal sehr angenehm für das Kind: Die Spielgeräte sind frei, die Betreuerinnen haben mehr Zeit und die Räume sind leerer", erklärt Schönwald.

An den langen Öffnungszeiten will die Einrichtung deswegen festhalten – und gleichzeitig mehr Eltern ermutigen, das Betreuungsangebot auch wirklich in Anspruch zu nehmen.

Rückblick: Bremer Jobcenter hilft Alleinerziehenden bei der Kinderbetreuung

Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der neue Morgen, 1. März 2022, 8:40 Uhr