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Fisch ist alle: Bremer Verein warnt vor zu hohem Fischkonsum

Fische liegen neben einem vollen Netz.
Bild: DPA | Christoph Mohr

Deutschland lebt über die Verhältnisse. Am heutigen "End of Fish Day" ist mengenmäßig der Fisch schon konsumiert, der hier im ganzen Jahr produziert wird. Früher denn je.

Würden die deutschen Verbraucher so viel Fisch essen, wie hier auch produziert wird, wäre der Fisch mit dem heutigen Tag für den Rest des Jahres alle. Das haben die Entwicklungsorganisationen "Brot für die Welt", der Bremer Verein "Fair Oceans" und das Netzwerk "Slow Food Deutschland" ausgerechnet. Der "End of Fish Day" – also der Tag, an dem der Fisch zur Neige geht – ist damit so früh im Jahr erreicht wie nie zuvor.

Freitags ist traditionell Fischtag – ob zuhause, in Kantinen oder Mensen kommt freitags Fisch auf den Tisch. Dass der "End of Fish Day" nun auf den freitäglichen Fischtag fällt, mag eine Ironie des Schicksals sein, das Problem des hohen Fischverbrauchs ist laut den Entwicklungsorganisationen jedoch real.

Was hat es mit dem "End of Fish Day" genau auf sich?
Deutsche Verbraucher haben mit dem heutigen 11. März rechnerisch so viel Fisch und Meeresfrüchte konsumiert, wie im gesamten Jahr unter deutscher Flagge gefangen oder hierzulande gezüchtet werden. Doch es steht noch ein Dreivierteljahr Fischkonsum aus. Sprich: Deutschland importiert zu viel Fisch aus anderen Teilen der Welt. Das sagt unter anderem der Bremer Verein "Fair Oceans", der den Tag mit initiiert hat.

Und der "End of Fish Day" verschiebt sich immer weiter nach vorne. Im vergangenen Jahr war er beispielsweise noch am 17. März – also fast eine Woche später als heute. Die Organisationen weisen darauf hin, dass eine unvermindert große Nachfrage den rückläufigen Fangquoten aufgrund von Überfischung, Wasserverschmutzung und Klimawandel gegenübersteht.
Was schließen die Kritiker daraus?
Knapp 20 Kilo Fisch isst jeder Deutsche durchschnittlich im Jahr. Das ist zu viel, sagt Kai Kaschinski. Er ist der Vorsitzende von "Fair Oceans" aus Bremen und benennt konkrete Probleme des hohen Fischkonsums.

Das geht mit zwei Problemen einher: Und zwar zum einem mit dem Problem der Überfischung. Weil wir deutlich mehr an Fischereiprodukten nutzen, als uns tatsächlich nachhaltig zur Verfügung steht. Und zum anderen wirft das Fragen auf in Bezug auf die Ernährungssicherheit. Gerade im globalen Süden.

Kai Kaschinski, Vereinsvorsitzender "Fair Oceans"

Deutsche seien nicht so sehr auf den Fisch als Nahrungsquelle angewiesen, hier gebe es Alternativen, sagt Kaschinski. "Aber in vielen Ländern des globalen Südens ist es so, dass Fisch ein ganz wesentlicher, notweniger, nicht zu ersetzender Bestandteil der Ernährung ist." Der deutsche Import schadet also über den massenhaften Fischfang den Gebieten und Menschen, die darauf angewiesen sind. Nur eines der Probleme für die Ozeane durch die Überfischung.

Ein aktuelles Streitthema ist laut Francisco Mari von "Brot für die Welt" auch die Fischmehlproduktion: Wertvolle Schwarmfische würden in Fabriken zu Futtermitteln verarbeitet. Diese Fische seien damit entweder den Nahrungsketten entzogen worden oder sie gingen der Fischereiwirtschaft armer Länder auf der Südhalbkugel verloren.

Was sind Forderungen, um das Problem zu lösen?
Die Organisationen fordern einen bewussteren Umgang mit Fisch. Manfred Kriener, der für die Fisch-Kommission von "Slow Food Deutschland" recherchiert, teilt mit, dass auch der Lachs als Produkt aus industrieller Massenzucht zu vielen Tierwohl- und Umweltproblemen beiträgt. Der Verein wirbt daher dafür, Lachs aus dem Speiseplan zu streichen.

Wichtig ist es laut den Organisationen drauf zu achten, woher der Fisch kommt. Auch mit Blick auf den Klimawandel müsse Regionalität einen noch viel größeren Stellenwert bekommen. Aber auch am Markt verändert sich momentan einiges. So gibt es im Supermarkt beispielsweise bereits viele vegetarische Fischersatzprodukte.

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Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Vormittag, 11. März 2022, 10:40 Uhr