Fragen & Antworten

Encrochat-Verfahren: Darum geht es und das sind die Probleme

Video vom 4. November 2021
Jemand benutzt in einer dunklen Umgebung Laptop und Smartphone (Symbolbild)
Bild: Imago | Westend61
Bild: Imago | Westend61

Heute beginnt in Bremen ein weiteres Encrochat-Verfahren. Doch was genau ist Encrochat? Und wieso sind die Ermittlungen so schwierig? Die wichtigsten Antworten.

Gut 14 Millionen Euro will der Bremer Senat in die jüngsten Ermittlungen gegen die organisierte Kriminalität, sogenannte Encrochat-Ermittlungen, investieren. Entsprechende Verfahren laufen schon seit über einem Jahr, doch die Arbeit der Beamten befindet sich noch am Anfang.

Was ist Encrochat?
Encrochat war ein Unternehmen, das verschlüsselte Kommunikationsdienste zur Verfügung stellte. Die Firma bot sowohl Verschlüsselungssysteme für Chatnachrichten als auch abhörsichere Handys an. Wie sich später herausstellte, nutzten mehrere Kriminelle diese Dienste für ihre illegalen Tätigkeiten. Die Firma hat inzwischen den Betrieb eingestellt.
Was ist mit "Encrochat-Ermittlungen" gemeint?
Seit einigen Jahren waren mehrere Behörden weltweit auf die Dienste von Encrochat aufmerksam geworden. Dann, im Frühling 2020, infiltrierten französische und niederländische Polizeibehörden das verschlüsselte Netzwerk und gelangten durch Malwares an Informationen, die sich auf Handys von Encrochat-Kunden befanden. Gesamte Chatverläufe samt Namen von Drogenhändlern, Informationen über Waffen- und Drogenkäufe, Geldwäsche, Bestechungen, Mordaufträge konnten die Beamten mitlesen.

Was das Encrochat-Verfahren von anderen Ermittlungen im Darknet oder Drogenmilieu unterscheidet, ist vor allem das Ausmaß der Daten, die ausgewertet werden sollen. Es handelt sich dabei um Millionen von Chat-Nachrichten, die einen umfangreichen Einblick in die Strukturen und Abläufe des organisierten Verbrechens weltweit ermöglichen.
Wieso sind die Ermittlungen so schwierig?
Am Anfang gab es wegen des Datenschutzes in Deutschland rechtliche Bedenken. Einige Anwälte hielten die Auswertung der gewonnenen Daten aufgrund der Methode für fragwürdig. Bislang haben deutsche Oberlandesgerichte die Beschwerden jedoch zurückgewiesen.

Momentan ist es vor allem die Menge an Daten, die die Bremer Behörden vor große Herausforderungen stellt. Knapp zwei Millionen Chatzeilen müssen ausgewertet werden, 143 Ermittlungsverfahren sind eingeleitet. Vor wenigen Tagen hat der Senat 39 zusätzliche Stellen bei Polizei, Staatsanwaltschaft und Landgericht für diese Aufgabe bewilligt. Die Behörden erwarten in naher Zukunft weitere Daten. Auch die Verfahren sind besonders lang: Während normale Prozesse im Schnitt sieben Sitzungstage benötigen, sind es bei den Encrochat-Verfahren 22.
Was wurde bislang sichergestellt?
In Bremen sind im Rahmen der Ermittlungen bislang mehr als 800.000 Euro Bargeld, Immobilien im Wert von 1,4 Millionen Euro, Fahrzeuge für rund 230.000 Euro sowie Bankguthaben und weitere Vermögen in Höhe von knapp 500.000 Euro gesichert worden.

In den Chatverläufen ist außerdem von mehr als einer Tonne Cannabis, rund 440 Kilogramm Kokain, 17 Kilogramm Amphetamine, gut 2000 Ecstasy-Tabletten sowie 20 Granaten und mehr als 100 Schusswaffen die Rede.
Wie viele Menschen sind involviert?
Bislang sind in Bremen zwölf Verfahren eröffnet worden, das letzte hat am Mittwoch begonnen. Insgesamt sind 22 Menschen angeklagt worden. Ein weiterer Mann sitzt bei dem heutigen Prozess auf der Anklagebank. Er wird beschuldigt, mit Drogen gehandelt und Waffen verkauft zu haben. Nur ein Teil der Prozesse wurde bisher abgeschlossen.

Rückblick: Encrochat-Ermittlungen: Bremer Senat investiert 14 Millionen Euro

Video vom 2. November 2021
Eine Person hat einen Laptop auf den Beinen und wertet Daten aus.
Bild: DPA | Jochen Tack
Bild: DPA | Jochen Tack

Mehr zum Thema:

Autorin

  • Serena Bilanceri Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 4. November 2021, 19:30 Uhr