Diese Bremerin kämpfte für Bildung von Frauen auf dem Land

Dora Garbade mit Mann und Enkeln
Dora Garbade mit ihrem Ehemann, dem Gutsbesitzer Hermann Garbade aus Bremen-Hastedt, und ihren Enkeln. Bild: privat

Dora Garbade war eine bedeutende Wegbereiterin der Landfrauenbewegung. Ihr Ziel: Frauen zu unterstützen, fortzubilden und so unabhängiger zu machen.

Frauen auf dem Land hatten auf den Höfen nicht immer so viel zu sagen wie ihre Männer. Obwohl sie oft die gleiche schwere Arbeit verrichtet mussten: Kühe melken, füttern, die Felder bestellen. Die Bremerin Dora Garbade hat den ersten landwirtschaftlichen Hausfrauenverein gegründet – und später den ersten Landfrauenverband in der Region Niedersachen. Davon profitieren Frauen wie die Landwirtin Maren Meyer aus Ganderkesee heute noch. Sie hat den Betrieb mittlerweile schon an ihren Sohn abgegeben, aber sie ist noch täglich dort, kennt jeden Handgriff. Dass sie auf so einem modernen Hof arbeitet und als Frau eine wichtige Rolle spielt, hat sie wohl auch Dora Garbade zu verdanken. Als ehemalige Vorsitzenden der Landfrauen Weser-Ems hat sich Maren Meyer mit der Geschichte der Landfrauen beschäftigt – die ist untrennbar mit Dora Garbade verbunden.

Dora Garbade

Frauengeschichte(n) aus der Region: Die Landfrau Dora Garbade

Bild: privat

Bedeutende Wegbereiterin der Landfrauenbewegung in Niedersachsen

altes Bauerngehöft, umgeben von Feldern
Die Garbades verwalteten von 1921 bis 1957 das Gut Nutzhorn in Ganderkesee. Bild: privat

Geboren wird Dora Garbade 1893 auf einem Hof im Bremer Umland. Ihr Vater, Johann Depken, ist Vorstand in der Landwirtschaftskammer Bremen, ihr Großvater Abgeordneter des Deutschen Reichstages. Sie besucht eine Höhere Töchterschule und heiratet mit 26 Jahren den Gutsbesitzer Hermann Garbade. Auf ihrem Hof, dem Gut Nutzhorn, bildet Dora Garbade etwa 140 Hauswirtschafterinnen aus. Ihr Ziel: mehr Bildung für Frauen.

Da habe ich erst erfahren, weswegen es am Anfang nicht funktionieren wollte, weil ein Bauer, der mit meinem Mann befreundet war zu mir sagte: 'Mit dir tanz ich nicht, du holst uns die Frauen aus dem Hause!'

Dora Garbade

Anfang der 1930er Jahre entsteht der Landfrauenverband Oldenburg. Dora Garbade wird die Vorsitzende. Die Landfrauen werden zu einer machtvollen "Frauenlobby", die sie bis heute ist, sagt Maren Meyer: "Gemeinsamkeit macht stark. Die Landfrauen waren und sind einfach eine starke Gemeinschaft. Wahrscheinlich gab es auch Männer, die dem kritisch gegenübergestanden. Nach dem Motto: Die mucken hier jetzt auf!".

Davon erzählt Dora Garbade auch selbst einmal in einem Interview kurz vor ihrem Tod: "Da habe ich erst erfahren, weswegen es am Anfang nicht funktionieren wollte, weil ein Bauer, der mit meinem Mann befreundet war zu mir sagte: 'Mit dir tanz ich nicht, du holst uns die Frauen aus dem Hause!'".

Mehr Unabhängigkeit für Frauen

Dora Garbade
Dora Garbade kämpfte für Unabhängigkeit von Frauen auf dem Land. Bild: privat

Während des Nationalsozialismus werden Lebensmittel immer knapper. Diese Zeit geht auch an Dora Garbade nicht spurlos vorüber. Sie tritt in die NS-Frauenschaft und NSDAP ein – aus pragmatischen Gründen, wie sie später erklärt. Sie will, dass sich Frauen auch in dieser Zeit weiter fortbilden können. Aber sie handelt ebenso mutig: Zu den Lehrlingen auf Gut Nutzhorn gehört auch die Jüdin Dorothea L. Dora bildet sie zur "Meisterin der Ländlichen Hauswirtschaft" aus und beschäftigt sie mehrere Jahre.

1948 wird Dora Garbade die erste Frau im Kammervorstand – dem höchsten Gremium der Landwirtschaftskammer Weser-Ems. In ihrer Position organisiert sie Vorträge und Fortbildungen für Frauen. Landwirtinnen sollen so mehr erwirtschaften und ihr eigenes Geld verdienen.

Was wichtig ist, ist eine eigene soziale Absicherung oder eine finanzielle Anerkennung im Alter. Die Landfrauen haben auf den Weg gebracht, dass es so etwas wie eine Bäuerinnenrente gibt.

Maren Meyer

Für vieles, von dem auch Maren Meyer noch heute profitiert, hat Dora Garbade den Grundstein gelegt. Denn Landfrauen waren es letztendlich, die für eine faire Bezahlung gekämpft haben: "Was wichtig ist, ist eine eigene soziale Absicherung oder eine finanzielle Anerkennung im Alter. Die Landfrauen haben auf den Weg gebracht, dass es so etwas wie eine Bäuerinnenrente gibt", erzählt die Landwirtin aus Ganderkesee.

Hilfe für Frauen in Notsituationen

Mit 67 Jahren, im Jahr 1970, baut Dora Garbade neben den Landfrauen ein weiteres Netzwerk auf: das der Dorfhelferinnen. Die unterstützen Frauen in Notsituationen, wenn sie auf dem Hof ausfallen, weil sie zur Kur müssen, ein Klinikaufenthalt ansteht oder weil sie ein Kind zur Welt bringen.

Am 7. Dezember 1981 stirbt Dora Garbade mit 88 Jahren in Bremen. In den Erzählungen der Landfrauen lebt sie aber bis heute weiter.

Autorin

  • Jana Wagner Redakteurin

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 16. Juli 2022, 13:40 Uhr