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Bremens Booster-Boom: Wie lange hält und wie lange gilt meine Impfung?

Eine Frau bereitet eine Impfung vor.

Bremens Booster-Boom: Wie lange hält und wie lange gilt meine Impfung?

Bild: DPA | Hauke-Christian Dittrich

"Wir müssen boostern, was das Zeug hält", sagte Bremens Bürgermeister jüngst. Viele wollen das, vielfach aus Angst, der alte Impfschutz hält nicht mehr lange. Zurecht.

Zwar gilt nach europäischer Rechtslage als "vollständig geimpft", dessen zweite Corona-Impfung nicht länger als zwölf Monate zurückliegt. Doch leider beweist auch die Bremer Realität, dass das EU-Recht in diesem Punkt großzügiger ist als das Virus. Die Impfwirkung der Vakzine lässt deutlich schneller als erst nach zwölf Monaten nach. Auch deshalb hat das Robert Koch-Institut dem Bremer Gesundheitsressort zufolge bis zum 9. Dezember insgesamt bereits 2.137 Impfdurchbrüche bei zweifach Geimpften im Land Bremen erfasst, also Corona-Infektionen trotz "vollständigen" Impfschutzes.

Zur Einordnung muss man allerdings wissen: Die 2.137 Impfdurchbrüche verteilen sich auf 550.139 vollständig geimpfte Personen. Anders ausgedrückt: Es ist bisher nur bei 0,39 Prozent der vollständig Geimpften im Land Bremen zu einer Infektion trotz Impfung gekommen. Lukas Fuhrmann, Sprecher des Gesundheitsressorts, sagt zudem: "Die Symptome sind bei einem Impfdurchbruch in der Regel deutlich milder als bei ungeimpften Infizierten." Und auch das ist ja auch Ziel des Impfens: Nicht nur der Schutz vor der Ansteckung selbst, sondern der Schutz vor schweren Krankheitsverläufen.

STIKO-Empfehlung unzureichend?

Allerdings nehmen schwerere Verläufe einer Infektion anteilig auch bei Geimpften umso mehr zu, je länger die Impfung zurückliegt. Auch deshalb empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) inzwischen Auffrischungsimpfungen für alle Erwachsenen nicht erst nach zwölf, sondern "in der Regel im Abstand von sechs Monaten zur letzten Impfstoffdosis der Grundimmunisierung."

An diese Maxime hält sich bislang auch das Land Bremen, während im Bremer Umland teilweise auch nach fünf Monaten geboostert wird. Auch viele Bremerinnen und Bremer hätten die Auffrischungsimpfung gern schon früher. Ende voriger Woche standen laut Gesundheitsressort etwa 50.000 Personen auf dem Wartelisten für Booster-Impfungen im Land Bremen. Theoretisch sei auch in Bremen eine frühere Impfung möglich, aber nicht leistbar laut Lukas Fuhrmann. Würde man alleine bis Ende Dezember von sechs auch fünf Monate gehen, wäre das schon eine Differenz von 170.000 Leuten. "Da ist in der Masse nicht abbildbar."

Das Boostern vorzuziehen, hätte aber gute Gründe, findet der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb. Er glaubt, dass die Empfehlung der STIKO zu einer Auffrischungsimpfung erst nach sechs Monaten vor allem besagten logistischen Zwängen geschuldet ist. Bund, Länder und Kommunen müssten die erforderliche Infrastruktur für massenhafte Impfungen mit all dem erforderlichen Personal erst wieder nach und nach aufbauen. "Aus medizinischer Sicht sprechen die Daten für eine Auffrischungsimpfung bereits nach vier oder fünf Monaten und nicht erst nach sechs", sagt der Wissenschaftler.

So schnell lässt die Wirkung der Corona-Impfstoffe nach

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Zeeb stützt sich bei seiner Argumentation auf eine Kohorten-Studie der Universität Umea auf der Datenbasis des landesweiten Registers Schwedens mit fast 1,7 Millionen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. "Das ist die beste Datenbasis, die es derzeit gibt", sagt Zeeb über die im Oktober veröffentlichte Untersuchung, die aufgrund ihrer Aktualität obendrein auch Rückschlüsse zur Wirksamkeit der Impfstoffe auf die bei uns vorherrschende Delta-Variante des Coronavirus zulasse.

Der Studie zufolge lässt der Schutz der Impfstoffe vor einer symptomatischen Infektion mit dem Coronavirus bereits wenige Wochen nach der zweiten Impfung nach – und das mit zunehmender Geschwindigkeit. Die schwedischen Forscherinnen und Forscher um Anna und Peter Nordström sowie Marcel Ballin schreiben aber auch: "Die Wirksamkeit gegen schwere Erkrankungen scheint bis zu 9 Monate lang hoch zu bleiben". Ausnahmen bildeten ältere und gebrechliche Personen sowie solche mit Begleiterkrankungen. Zudem falle auf, dass die Impfung Männer offenbar nicht so lang vor schweren Verläufen schütze wie Frauen.

Eine Spritze wird mit Moderna Impfstoff aufgezogen.
Einer großen Kohorten-Studie aus Schweden zufolge lässt die Wirkung des Corona-Impfstoffs von Moderna langsamer nach als die anderer Hersteller. Bild: Imago | Christian Schroedter

Das Forscherteam stellt deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Impfstoffen fest. So lässt die Wirksamkeit des Vakzins von Astrazeneca der Untersuchung zufolge am schnellsten nach, jene des Moderna-Impfstoffs am langsamsten. Auch vor dem Hintergrund dieses Studienergebnisses stellt Zeeb fest: "Wer Moderna angeboten bekommt, obwohl er eigentlich gern Biontech hätte, sollte nicht zögern und das Angebot annehmen." Ohnehin sei es ein Luxus, dass wir in Deutschland die Wahl zwischen zwei mRNA-Impfstoffen hätten.

Zahlen aus Bremen bestätigen Studienergebnisse

Tatsächlich spiegeln sich die Studienergebnisse aus Schweden auch in den Zahlen zu den Bremer Impfdurchbrüchen wider. So ist es bis letzte Woche (9. Dezember) lediglich bei 0,23 Prozent der zweifach mit Moderna geimpften Bremerinnen und Bremern zu Impfdurchbrüchen gekommen. Damit schneidet Moderna in diesem Ranking von allen Impfstoffen am besten ab. Platz zwei belegt Biontech mit 0,37 Prozent Impfdurchbrüchen bei zweifach Geimpften, gefolgt von Astrazeneca (0,56 Prozent).

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Ganz gleich aber, mit welchem Impfstoff man gegen Corona geimpft ist – auch wenn die Wirkung der Impfung nachlässt, bleibt der Schutz vor einer Infektion mit dem Virus doch insgesamt hoch. So lag die Sieben-Tage-Inzidenz der Neuinfizierten im Land Bremen in der Woche bis zum 5. Dezember für Geimpfte bei 93,6, für Ungeimpfte dagegen bei 701,6 – fast achtmal so hoch.

Verunsicherung über Booster-Termine: Das gilt im Bremer Impfzentrum

Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 10. Dezember 2021, 17:40 Uhr