Alle machen sich locker? Bremer Forscher mahnen zur Weitsicht

Bremen lockert die Corona-Maßnahmen weiter

Bild: DPA | Sina Schuldt

Die Zahlen gehen zurück, die Politik lockert Maßnahmen. Ist die Pandemie vorbei? Nein, sagen die Forscher Dotzauer und Zeeb. Sie fordern Vorbereitungen auf die nächste Welle.

Zwar sieht der eine Bremer oder die andere Bremerin den bevorstehenden Öffnungsschritten mit Sorge entgegen, die meisten Menschen aber kommentieren die geplanten Lockerungen der Corona-Maßnahmen mit Erleichterung. Auch die Bremer Wissenschaftler Hajo Zeeb und Andreas Dotzauer halten vorsichtige Öffnungsschritte für vertretbar. Gleichzeitig aber mahnen sie zur Vorsicht und zur Vorsorge. Die nächste Welle komme bestimmt, sagen sie übereinstimmend.

So vergleicht der Epidemiologe Hajo Zeeb den Verlauf der Corona-Pandemie mit einer Gebirgswanderung: "Es geht mal rauf, mal runter. Im Moment geht es wieder runter, aber der nächste Berg ist schon in Sicht", charakterisiert er die aktuelle Lage.

Corona-Lage "labil"

Ganz ähnlich äußert sich Andreas Dotzauer. Der Virologe der Uni Bremen beschreibt die Corona-Lage als "labil". Zwar könne er nachvollziehen, dass die Politik trotz immer noch hoher Fallzahlen aufgrund der beherrschbaren Lage in den Krankenhäusern Maßnahmen lockert. Gleichzeitig stellt er aber klar: "Ich werde nicht alle Freiheiten, die es bald gibt, sofort auskosten."

Dotzauer findet, dass die Politik nicht nur Corona-Maßnahmen lockern, sondern gleichzeitig auch neue Regeln aufstellen sollte: "Was geschieht, wenn die Zahlen wieder steigen?", fragt er rhetorisch. Die Politik müsste aus seiner Sicht – am besten umgehend – klare Vereinbarungen in Form aktualisierter Stufenpläne mit festen Maßnahmenpaketen treffen.

Es darf nicht wieder diese wochenlangen Diskussionen geben, bevor etwas passiert.

Der Bremer Virologe Andreas Dotzauer.
Virologe Andreas Dotzauer

Dotzauer erwartet neue Virus-Varianten

Der Wissenschaftler ist überzeugt davon, dass das Coronavirus früher oder später weitere Mutationen hervorbringen wird. Die zuletzt immer mal wieder kolportierte These, dass sich Corona zu einer normalen Erkältungskrankheit entwickelt, hält Dotzauer für fragwürdig: "Es kann zwar so kommen. Aber wir wissen es nicht." Auch Varianten, die genauso infektiös sind wie Omikron, aber deutlich aggressiver, könnten entstehen, sagt der Virologe.

Dotzauer wünscht sich, dass die Bremerinnen und Bremer vorsichtig bleiben, weiterhin Abstandsregeln beachten und Masken tragen, wo es geboten erscheint. "Wir haben weiterhin enorm hohe Inzidenzen bei jungen Menschen, die das Virus in ihre Familien tragen", stellt er fest und fügt hinzu: "Wir sollten Rücksicht aufeinander nehmen."

Zeeb fordert vorsorgliche Regelungen

Wie Dotzauer, so sieht auch der Epidemiologe Hajo Zeeb ein Ende der Pandemie noch lange nicht erreicht. Zwar rechne er damit, dass die Inzidenzen, gerade im April und im Mai, deutlich zurückgehen werden. Umso wichtiger sei aber, dass sich Politik und Gesellschaft auf den Herbst vorbereiteten.

Wir müssen die kommenden Monate zur Prävention nutzen.

Epidemiologe Hajo Zeeb im Interview
Epidemiologe Hajo Zeeb

So müssten die Schulen konsequent mit Luftfiltern ausgestattet werden. Zudem müsse die Politik eine langfristige, pandemietaugliche Regelung zum Homeoffice herbeiführen und Videosprechstunden im gesundheitlichen Vorsorgesystem weiter etablieren. Das Wichtigste aus Zeeb Sicht aber ist: "Wir müssen das Impfen als präventive Maßnahme hochhalten." Denn die nächste Coronawelle komme bestimmt.

Alle machen sich locker – kommen die Bremer damit klar?

Bild: Radio Bremen

Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 22. Februar 2022, 19.30 Uhr