Neue Omikron-Variante im Anmarsch: Worauf sich Bremen einstellen muss

Ein rotes Schild in Würfelform mit einem Pfeil nach links und der Aufschrift "Omikron BA.5" sowie ein Piktogramm eines Corona-Virus vor einem neutralen, blauen Himmel mit Schleierwolken.

Hajo Zeeb zur neuen Omikron-Variante

Bild: DPA | Sulupress.de/Torsten Sukrow

Die neue Virus-Variante BA.5 ist hoch ansteckend, in Portugal breitet sie sich rasant aus. Der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb glaubt: Gleiches steht auch Bremen bevor.

Sommer, Sonne, Sonnenschein – und kaum Corona-Neuinfektionen? Diese von wohl vielen Bremerinnen und Bremern verinnerlichte Gleichung könnte schon bald ins Wanken geraten. Der Grund: Die neue Omikron-Untervariante BA.5 könnte auch das Bremer Infektionsgeschehen auf den Kopf stellen. In Portugal hatte die Virusvariante die Infektionszahlen zuletzt in die Höhe schnellen lassen. "BA.5 ist sehr viel infektiöser als der momentan in Deutschland vorherrschende Typ BA.2", sagt Hajo Zeeb von der Universität Bremen.

Aufzuhalten scheint der neue Varianten-Typ nicht zu sein. BA.5 sei schon längst in Deutschland angekommen, die Verbreitung habe bereits begonnen, so der Epidemiologe. Aktuelle Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) belegen das: In Kalenderwoche 19 konnten bereits 2,5 Prozent der Neuinfektionen auf BA.5 zurückgeführt werden. Eine Woche zuvor waren es noch 1,2 Prozent und Ende April 0,6 Prozent. "Was wir hier sehen ist im Prinzip der Beginn eines exponentiellen Wachstums", so Zeeb.

Reisezeit begünstigt Ausbreitung

Wie lange es dauern wird, bis auch in Bremen die Corona-Zahlen durch BA.5 wieder ansteigen, lässt sich nicht genau sagen. Hajo Zeeb wagt dennoch eine Prognose.

Die Reisesaison steht vor der Tür, viele werden auch in Portugal oder Spanien Urlaub machen. Wenn sich BA.5 hier so entwickelt, wie erwartet, werden wir in vier bis sechs Wochen einen deutlichen Anstieg der Neuinfektionen sehen.

Epidemiologe Hajo Zeeb in seinem Büro
Hajo Zeeb, Epidemiologe

Verschiedene Faktoren könnten laut des Experten die Ausbreitung von BA.5 begünstigen oder aber verlangsamen. Zwar habe Portugal eine sehr hohe Impfquote, das Land habe diese aber früher erreicht, als Deutschland. "Dass es bei uns etwas schleppender mit den Impfungen lief, könnte den Effekt haben, dass wir aktuell auch noch etwas besser immunisiert sind", sagt Zeeb. Ein weiterer Punkt ist die Maskenpflicht, die in Bremen zwar gelockert wurde, für viele Bereiche aber noch verpflichtend ist. Das Tragen von FFP2-Masken könne die Verbreitung von BA.5 deutlich verzögern, so Zeeb.

Hohe Krankenstände als Prognose

Auch wenn BA.5 ansteckender als die aktuell in Deutschland vorherrschende Variante BA.2 ist, gibt der Epidemiologe nach aktuellem Stand weitestgehend Entwarnung für schwere Krankheitsverläufe. "Mit Blick auf die Lage in den Krankenhäusern habe ich wegen BA.5 keine großen Sorgen", sagt Zeeb. Gleichwohl müsse man bei stark steigenden Infektionszahlen auch mit mehr Todesfällen rechnen.

Auch die Bremer Arbeitswelt könnte die Effekte einer möglichen BA.5-Verbreitung zu spüren bekommen: Der Krankenstand werde sehr wahrscheinlich deutlich ansteigen, glaubt Zeeb. Auch die Hoffnung vieler Bremerinnen und Bremer auf einen entspannten dritten Corona-Sommer zweifelt der Experte nach derzeitigem Stand an. "Es kann stattdessen gut sein, dass wir eine Art Sommer-Welle erleben werden", sagt Zeeb.

Lange Wartezeit für Long-Covid-Patienten in Bremen

Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 30. Mai 2022, 17.10 Uhr