ÖPNV, Kraftwerke und Polizei: Das sind die Bremer Omikron-Notfallpläne

So bereiten sich Feuerwehr und Co. in Bremen auf die Omikron-Welle vor

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Weil die Corona-Variante Omikron hochansteckend ist, könnten auf einen Schlag viele Mitarbeitende ausfallen. Firmen und Institutionen bereiten sich auf den Ernstfall vor.

Nach dem Treffen von Bund und Ländern am Dienstag betonten Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD), dass die Unternehmen der kritischen Infrastruktur ihre Notfallpläne überprüfen und gegebenenfalls anpassen sollten. So soll verhindert werden, dass Busse und Bahnen nicht mehr fahren können, Polizisten, Feuerwehrleute und Sanitäter ausfallen oder der Müll nicht mehr abgeholt werden kann, weil zu viele Menschen krank oder in Quarantäne sind. Wie sind die Bremer Institutionen und Unternehmen aufgestellt? Ein Überblick.

1 SWB

Beim Energieversorger SWB geht es um die Versorgungssicherheit. Um diese zu gewährleisten, bestehen laut einer Sprecherin immer Notfallpläne. Vor allem geht es hier um die Mitarbeiter in den sogenannten kritischen Bereichen: Dem Netzleitcenter, in den Kraftwerken und beim Entstörungsdienst. Seit März 2020 gibt es ein internes Lagezentrum, dass die aktuelle Lage beobachtet und bewertet.

Seit April diesen Jahres müssen sich die Mitarbeitenden in den kritischen Bereichen täglich selbst testen. Außerdem will das Unternehmen so viele Kontakte wie möglich vermeiden. Daher arbeiten alle, die nicht zwingend vor Ort sein müssen, seit März 2020 im Homeoffice. Außerdem wurden Mitarbeitende auf unterschiedliche Standorte verteilt und Personen in unterschiedlichen Schichten arbeiten getrennt voneinander. Die Impfquote liegt laut der Sprecherin bei gut 90 Prozent.

Angesichts der Ausbreitung von Omikron hat die SWB Notfallschichtpläne aktiviert. Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Mitarbeitende, die Bereitschaft haben, tatsächlich zum Einsatz kommen. Sie müssen immer erreichbar sein und dürfen sich nicht zu weit von ihrem Arbeitsplatz entfernen. Um das Personal noch besser zu schützen, wurden die Mitarbeitenden in den kritischen Bereichen vom übrigen Personal getrennt. Außerdem sollen die Belegschaft in den kritischen Bereichen keine gemeinsamen Pausen machen. Zusätzlich wird wahrscheinlich demnächst die FFP2-Maskenpflicht für alle SWB-Angestellten am Arbeitsplatz eingeführt.

2 Polizei und Feuerwehr priorisieren und fahren Aufgaben herunter

Das Innenressort im Land Bremen hat Pandemiepläne aus dem vergangenen Jahr. Diese könnten im Notfall über die Feiertage und die kommenden Wochen angewendet werden, teilte eine Sprecherin mit. Auch Hygienepläne könnten noch einmal verschräft werden. Über die Feiertage wird ein eigener interner Krisenstab eingesetzt.

Vor allem müssten Aufgaben priorisiert und andere heruntergefahren werden. Das hänge aber davon ab, wie viel Personal ausfällt. Die Impfquote der Polizei Bremen und der Ortspolizeibehörde Bremerhaven als auch der Feuerwehr liege jeweils bei deutlich mehr als 90 Prozent.

3 Bremens Busse und Bahnen notfalls mit Sonntagsfahrplan

Die Bremer Straßenbahn AG fährt bereits mit einem gekürzten Fahrplan: Hier sind es schon fünf bis sechs Prozent weniger Fahrten. Und weitere Kürzungen wären auch im Notfall das Mittel der Wahl. Schlimmstenfalls müssten Samstags- oder sogar Sonntagsfahrpläne auch unter der Woche gefahren werden.

Wir gehen davon aus, dass Omikron auch Auswirkungen auf uns haben wird. Aber wie – das ist 'Glaskugelgucken'.

Andreas Holling, Sprecher BSAG

Das Unternehmen hoffe aber, dass weitere Streckenkürzungen nicht nötig sind. Man versuche, die Auswirkungen für Pendler und andere möglichst gering zu halten. Bei der BSAG sind rund 2.200 Menschen beschäftigt – etwa 1.100 im Fahrdienst. Die BSAG hat schon jetzt mit einem hohen Krankenstand zu kämpfen

4 Weniger Kundenkontakt und mehr Ehemalige in Bremerhavens Bussen

"Bremerhaven Bus" berichtet gerade von einem niedrigen Krankenstand. Laut Geschäftsführer Robert Haase bereitet sich sein Unternehmen aber auf Omikron vor. Schon seit vergangener Woche werden in den Bussen keine Fahrscheine mehr verkauft und Fahrertüren bleiben geschlossen. So sollen Kundenkontakte reduziert werden. Außerdem kann so auch Personal eingesetzt werden, dass im Karten- und Tarifsystem weniger geschult ist.

Wenn der Krankenstand sich erhöht, will "Bremerhaven Bus" auch Werkstatt- und Verwaltungsmitarbeiter als Fahrer in den Bussen einsetzen, ebenso ehemalige Beschäftigte. Ziel hier ist es, den aktuellen Fahrplan einzuhalten. Wenn das nicht mehr klappt, wäre der nächste Schritt, in den Ferienplan zu wechseln.

5 Müllabfuhr

Auch die Frage nach der Gewährleistung der Müllabfuhr ist von hoher Bedeutung. Sollte es in Folge von Omikron zu einer Personalnot kommen, würde die Stadtreinigung eine strikte Priorisierung einführen. Zuerst würden dann Sperrmüllabfuhren und das Leeren der Altkleidercontainer wegfallen, damit die Abfuhr des normalen Hausmülls weiterhin gesichert ist.

Autor

  • Sven Kuhnen Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Nachrichten, 22. Dezember 2021, 15 Uhr