Kommentar

"Eingesperrte Kinder": Wortwahl von Bremer Senatorin ist daneben

Stühle stehen nach Schulschluss auf den Tischen in einem Unterrichtsraum der Christophorus-Grundschule.
Bild: DPA | Hauke-Christian Dittrich

Der Ruf nach Corona-Lockerungen an Schulen ist richtig. Die Querdenker-Rhetorik von Senatorin Aulepp ist dabei aber fehl am Platz, meint buten-un-binnen-Regionalchef Frank Schulte.

Es ist eine bemerkenswerte Rhetorik, die Bildungssenatorin Sascha Aulepp (SPD) da an den Tag legt. Mit Blick auf die Quarantäne spricht sie von "staatlich verordnetem Stubenarrest" und von "eingesperrten" Kindern. Das ist eine Wortwahl, wie sie wohl eher bei einschlägigen Spaziergängen zu hören ist. Für ein Mitglied einer Regierungskoalition ist das voll daneben.

Mal abgesehen davon, dass das Wort "Stubenarrest" heute ziemlich aus der Zeit gefallen ist, geht es komplett am Thema vorbei. "Stubenarrest" erteilen Lehrer oder Eltern, wenn ein Kind ungehorsam ist. Mit den Corona-Schutzmaßnahmen hat das nun überhaupt nichts zu tun. Und "eingesperrt" wird jemand, wenn er im juristischen Sinne verurteilt ist und etwas falsch gemacht hat.

Aulepp diskreditiert die Arbeit der Gesundheitssenatorin

Aulepps indiskutable Wortwahl ist auch ein Schlag gegen die Arbeit von Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke). Als würde die Gesundheitssenatorin Kinder einsperren! Nach bestem Wissen und Gewissen sind da Schutzmaßnahmen ergriffen worden, um die Verbreitung des Virus aufzuhalten. Es ging darum, in einer pandemischen Notlage insbesondere schwache und ältere Menschen zu schützen.

Verglichen mit anderen Bundesländern ist das in Bremen mit Blick auf die Schulen mit großem Augenmaß passiert – auch wenn natürlich Quarantänen furchtbar an den Nerven zerren und viel Kraft kosten. Das ist völlig unstrittig. "Einsperren" und "staatlich verordneter Stubenarrest" sind Begriffe, die diese Anstrengungen nachträglich entwerten. Übrigens würde ich mir auch als Lehrerin oder Lehrer einige Gedanken machen, wenn meine oberste Dienstherrin von eingesperrten Kindern spricht.

Auf die richtige Sprache kommt es an

Es ist richtig, auszuloten, was an den Schulen möglich ist an weiteren Lockerungen. Mit ihrer Sprache erweist die Bildungssenatorin diesem Diskurs allerdings einen Bärendienst.

Bremens Bildungssenatorin will Corona-Quarantäne für Kinder aufheben

Bild: DPA | Keystone | Samuel Golay

Autor

  • Frank Schulte

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 3. März 2022, 20 Uhr