Bremer Anästhesisten fordern flächendeckende 2G-Regelung

Ein Intensivpfleger nimmt einer an Covid-19 erkrankten Patientin Blut ab.
Anästhesisten-Verbänden zufolge können Herzinfarkte, schwere Verletzungen oder Krebserkrankungen teilweise nicht mehr ausreichend behandelt werden. Bild: DPA | Kay Nietfeld

Zwei große Anästhesisten-Verbände schlagen aufgrund der bundesweit rapide zunehmenden Corona-Infektionen Alarm. In Bremen ist die Lage noch vergleichsweise stabil.

Nach den Intensivmedizinern schlagen auch Anästhesisten-Verbände Alarm, weil die rapide zunehmenden Corona-Infektionen die medizinische Versorgung der Bevölkerung zu gefährden drohen. Sie forderten die Politiker auf, wirksamere Schritte zur Eindämmung der Corona-Pandemie einzuleiten, unter anderem eine verbindliche 2G-Regelung für alle Bereiche des öffentlichen Lebens.

Wir sehen die Entwicklung mit großer Sorge, und fordern deshalb verbindlich für alle Bereiche des öffentlichen Lebens – gerade auch bei Großveranstaltungen – die 2G-Regelung.

Michael Winterhalter, Landesvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin

"Die Infektionszahlen steigen rasant. Die Bereitschaft für Kontaktbeschränkungen lässt nach und der wirtschaftliche Druck der Veranstaltungsbranche ist hoch", sagte Michael Winterhalter, Bremer Landesvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI). Alternativ zur 2G-Regelung blieben sonst nur strikte Kontakteinschränkungen.

Engpässe treffen auch die Gesamtbevölkerung

Die DGAI hat am Dienstag zusammen mit dem Berufsverband Deutscher Anästhesisten (BDA) einen offenen Brief an die Gesundheitsminister von Bund und Ländern veröffentlicht. Darin heißt es, dass es nicht allein um die Engpässe bei der Versorgung der Covid-19-Patienten in den Kliniken.

Bremen hat glücklicherweise eine sehr hohe Impfquote, so dass die Zahl der Corona-Intensivpatienten in den Bremer Krankenhäusern in der vierten Welle bisher auf einem zwar kritischen aber derzeit beherrschbarem Niveau geblieben ist und noch keine weitreichenden Auswirkungen auf die Versorgung der Non-Covid-Patienten hat.

Michael Winterhalter, Landesvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin

Mit größter Sorge betrachte man die aktuellen und mittelfristigen Auswirkungen für die Gesamtbevölkerung, zum Beispiel bei Herzinfarkten, schweren Verletzungen oder Krebserkrankungen, die nicht mehr ausreichend behandelt werden könnten. In Bremen ist die Situation in den Kliniken laut Winterhalter vergleichsweise stabil. "Selbstverständlich sehen auch wir die steigenden Infektionszahlen mit Sorge", sagte er dennoch.

Anästhesisten setzen sich für Booster-Impfungen ein

Die Anästhesisten setzen sich zudem für Auffrischungsimpfungen für alle ein, ebenso wie für einfachere Regeln beim Impfen. "Heute haben wir die Möglichkeit, uneingeschränkt den Impfstoff zur Verfügung zu stellen – diese Chance sollten wir nutzen", forderte Winterhalter. "Die bisherigen Erfahrungen mit der Pandemie haben gezeigt: Wir brauchen schnelle, pragmatische Lösungen, um den Herausforderungen gut zu begegnen."

Die Verbände repräsentieren nach eigenen Angaben rund 30.000 Ärztinnen und Ärzte. Sie warnten auch generell vor der Überlastung der Intensivmedizin, die dazu führen werde, dass die Personalabwanderung sich weiter erhöhe und die Zahl der betreibbaren Intensivbetten damit weiter sinken werde.

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Warnungen vor Überlastung der Kliniken wegen steigender Corona-Zahlen

Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 28. Oktober 2021, 10 Uhr