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Wer geimpft werden sollte und wer nicht: Bremer Arzt nennt 8 Punkte

Bild: DPA | Kay Nietfeld

Schwangerschaft, Allergien, Rheuma und andere Erkrankungen: Für den Chefarzt Oliver Müssig sind gerade das Gründe für eine Impfung. Medizinisch spricht nichts dagegen.

Nüchtern betrachtet kann es nach jeder Impfung zu einer Impfreaktion kommen. Im Falle der Covid19-Schutzimpfung ist das eine erwartbare Reaktion aus grippe-ähnlichen Symptomen – daran sieht man auch, dass der Impfstopff im Körper verarbeitet wird. Das kann auch mal zwei oder drei Tage andauern.

Allerdings gibt es auch Impfkomplikationen, die aber nur extrem selten auftreten, erklärt Oliver Müssig, Chefarzt für Innere Medizin vom Klinikum Ost. Dazu gehört eine allergische Sofortreaktion, eine reversible Gesichtsmuskellähmung und eine Herzmuskelentzündung. "Darüber hinaus ist nichts weiter bekannt, was man in diesem Zusammenhang nennen könnte", erklärt Müssig gegenüber buten un binnen. Er rät auch Menschen mit Vorerkrankungen zu einer Impfung. Wir fassen die acht wichtigsten Punkte zusammen.

Welche Gründe sprechen wirklich gegen eine Impfung?
Anaphylaxie. Das ist eine schwere allergische Sofortreaktion, erklärt Chefarzt Oliver Müssig. Menschen, die schon eine Vorgeschichte mit Anaphylaxie erlebt haben, wird eine Impfung nicht empfohlen. Eine solche starke Sofortreaktion kann den ganzen Körper betreffen und lebensgefährlich sein. Das komme beispielsweise auch bei Bienen- und Wespenstichen vor. Aber auch das ist extrem selten. Bei allen anderen chronischen Krankheiten hat der Chefarzt keine Bedenken.
Und was ist mit anderen Allergien?
Allgemeine Allergien seien kein Hinderungsgrund für die Impfung, sagt der Arzt. Nur ganz seltene Allergien gegen bestimmte Inhaltsstoffe der Covid-Impfung können lebensgefährlich sein. Und das sind nicht gerade geläufige Stoffe: Lipid Nanopartikel (LNP), Polyethylenglykol (PEG) und Polysorbat 80.
Aber auch das ist extrem selten, so der Arzt. Das Paul-Ehrlich-Institut meldet bis September, je nach Impfstoff, 0,4 bis 6,8 Fälle bei einer Million Impfungen. Bei der Zweitimpfung sind nur zwei Fälle bekannt. Das Risiko schwerwiegende Folgen einer Corona-Infektion zu erleiden ist sehr viel höher.
Der Chefarzt für Innere Medizin vom Klinikum Ost Oliver Müssig im Interview.
Chefarzt Müssig rät zur Impfung, auch bei Vorerkrankungen. Bild: Radio Bremen
Warum sollten sich gerade vulnerable Gruppen impfen lassen?
Sie sind schon vorerkrankt, das heißt: Viele sind immunsupprimiert, sie haben also geringere oder keine Abwehrkräfte wie ein gesunder Mensch. Gerade sie könne eine Impfung schützen, so Müssig.
Und er ergänzt: Vorerkrankungen sind gerade ein Grund, sich impfen zu lassen. "Das bedeutet, diese Menschen haben im Infektionsfall ein besonders hohes Risiko, einen schweren Verlauf zu entwickeln" – wovor die Impfung schützen könne. Das gilt auch für Menschen mit Diabetes, Asthma, Rheuma, Herzkrankheiten oder Multiple Sklerose.
Immer wieder hört man, dass man sich mit einer Krebserkrankung nicht impfen könne. Stimmt das?
Nein, das stimmt nicht. Es gibt zwar manche Phasen bei einer Krebstherapie – wie während einer Chemotherapie – in denen das Immunsystem aufgrund der Therapie sehr geschwächt ist. Aber: "Da gilt es dann mit dem Therapeuten den richtigen Zeitpunkt für die Impfung herauszufinden", so Müller. Eine Krebserkrankung per se sei kein Problem.
Husten, Schnupfen und Fieber: Sollte man sich so impfen lassen?
Akute Erkältungssymptome sollten ausgeheilt sein, so der Mediziner. Da könne man den Termin um ein oder zwei Wochen verschieben – als reine Vorsichtsmaßnahme. Genau wie bei Fieber über 38,5. Danach spreche nichts gegen eine Impfung.
Bei einer Schwangerschaft: Dürfen sich Schwangere impfen lassen?
Auch Schwangere dürfen und sollten geimpft werden. Die STIKO spricht eine Impfempfehlung für ungeimpfte Schwangere ab dem zweiten Trimenon sowie für ungeimpfte Stillende aus.
Chefarzt Müssig gibt dabei auch eine klare Impfempfehlung: Momentan sehen er und seine Kollegen und Kolleginnen bundesweit einige ungeimpfte Schwangere, die jetzt in kritischen Zuständen auf den Intensivstationen liegen.
Wenn es so wenige Gründe gegen eine Impfung gibt: Warum wollen sich einige Menschen nicht impfen lassen?
Da spielt vielleicht auch die Fantasie eine große Rolle, meint Müssig. Er macht noch einmal deutlich: "Aus meiner Sicht gibt es keine belastbaren Argumente, die gegen eine Impfung sprechen. Da sind nur begründete Einzelfälle ausgenommen."

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 13. Dezember 2021, 19:30 Uhr