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Corona-Infektion im Eis: So schützen sich die Bremerhavener Forscher

Blick von oben auf die Neumayer III, die Alfred-Wegener-Station in der Antarktis
AWI-Forscher setzen sich in der Antarktis unwirtlichen Lebensbedingungen aus.

Corona-Infektion im Eis: So schützen sich die Bremerhavener Forscher

Bild: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V.

Auf einer belgischen Forschungsstation in der Antarktis gibt es einen Corona-Ausbruch. In der Region sind auch Bremerhavener Forscher stationiert. Sind sie in Gefahr?

Abgeschieden im Eis, aber dennoch nicht sicher vor dem Coronavirus: Laut verschiedener Medienberichte haben sich 16 von insgesamt 25 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf der belgischen Prinzessin-Elisabeth-Forschungsstation in der Antarktis mit dem Virus infiziert. Nach Angaben der belgischen Behörden verlaufen die Infektionen aber weitgehend mild. In der Ecke hat auch das Alfred-Wegener-Institut (AWI) aus Bremerhaven eine Forschungsstation.

Wie ist die aktuelle Lage auf den deutschen Forschungsstationen?
Bislang gab es keine Corona-Fälle in den vom AWI betriebenen Forschungsstationen, teilt das Institut aus Bremerhaven mit. Insgesamt 44 Forscher halten sich aktuell auf drei Forschungsstationen auf. Allerdings gab es bereits während einer der Quarantänezeiten vor der Anreise in die Antarktis wenige positive Fälle mit symptomfreien bis milden Verläufen. "Dies zeigt uns, wie wichtig die umfangreichen und strengen Quarantänemaßnahmen sind, um insbesondere eine Einschleppung des Virus in die Antarktis zu verhindern", so das AWI.
Gab es Kontakt zu den belgischen Forschern?
Nein, die Wissenschaftler tauschen sich zwar regelmäßig aus, einen direkten Kontakt gab es aber nicht. Die Neumayer-Station III des AWI ist auch immerhin noch 1.200 Kilometer von der betroffenen belgischen Forschungsstation entfernt.
Eberhard Kohlberg
Eberhard Kohlberg koordiniert die Quarantäne- und Testmaßnahmen für die Neumayer-Station III. Bild: AWI Bremerhaven | Thomas Steuer
Welche aktuellen Schutz- und Vorsorgemaßnahmen gibt es? 
Es gibt ein Gremium aller in der Antarktis forschenden Nationen, das "Council of Managers of National Antarctic Programs" (COMNAP). Dieses Gremium erarbeitet Maßnahmen nach den jeweils geltenden behördlichen Vorgaben. Daran hält sich das AWI nach eigenen Angaben. "Darüber hinaus geht allen unseren Expeditionen eine eigene Risikoanalyse voraus, auf deren Grundlage wir jeweils einen Maßnahmenkatalog erstellen", teilt das AWI weiter mit.

Wer an einer Expedition teilnimmt, wird laut AWI umfangreich medizinisch untersucht, muss vollständig geimpft und wenn möglich auch geboostert sein. Bei den Antarktis-Expeditionen, also auch bei der Anreise zur Neumayer-Station III, gehen die Teilnehmer vorher 14 Tage in Quarantäne. Dafür werden sie am Ausgangspunkt in Kapstadt in Einzelzimmern untergebracht und mehrfach mit PCR-Tests getestet. Bei einem positiven Fall verlängert sich die Quarantänezeit entsprechend für die betroffenen Personen. Außerdem tragen die Forscher auf allen An- und Abreisewegen eine FFP2-Maske.
Was passiert, wenn es doch einen Corona-Ausbruch auf einer Forschungsstation gibt?
Das ist laut AWI von der Station und vom Verlauf der Infektion abhängig. Für die Neumayer-Station III gibt es einen sogenannten "Outbreak-Management-Plan": Positiv auf das Virus getestete Personen werden in einem Quarantäne-Camp außerhalb der eigentlichen Station isoliert und regelmäßig getestet. Dafür sind sowohl PCR- als auch Antigen-Tests vorhanden.

"Da ein vollständiger Impfschutz und eine gute gesundheitliche Verfassung Voraussetzung für die Teilnahme an unseren Expeditionen ist, halten wir schwere Covid-Verläufe an unseren Stationen für sehr unwahrscheinlich", teilt das AWI mit. Sollte es aber dennoch dazu kommen, gibt es vor Ort ein Hospital mit intensivmedizinischen Behandlungsmöglichkeiten. Zudem könnten schwer erkrankte Personen bei Bedarf aus der Antarktis ausgeflogen werden.

Auf Spitzbergen und somit auch an der AWIPEV-Station gibt es laut AWI ganzjährig reguläre medizinische Versorgung und Transportwege. Deshalb sei die Situation dort vergleichbar mit den Maßnahmen hier in Deutschland.
Passt das AWI nach dem Ausbruch auf der belgischen Forschungsstation nun seine Vorsichtsmaßnahmen an?
Das AWI hat nach eigenen Angaben keine Infos über den Verlauf von Quarantänen und Tests auf der belgischen Station. Der Ausbruch gebe keinen Anlass, die Sicherheitsmaßnahmen zu verschärfen, teilt das AWI mit: "Da unsere Sicherheitsvorkehrungen und Quarantänemaßnahmen schon seit Beginn der Pandemie einem extrem hohen Standard entsprachen, bestand für uns aktuell kein Anlass, die Maßnahmen zu verschärfen, da sich unserer Meinung nach nichts weiter verschärfen lässt."

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Bild: Alfred-Wegener-Institut

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Autorin

  • Sonja Harbers Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 4. Januar 2022, 6:40 Uhr