Interview

Bremer Clubs vor Öffnung: "Es geht nur ohne Masken und Abstandsregeln"

Bald wieder tanzen in Bremer Klubs?

Bild: Music Hall Worpswede e. V.

Bremens Clubs und Musikspielstätten dürfen bald wieder loslegen. Ob sie aber tatsächlich öffnen, ist unklar. Eine Sprecherin der "Clubverstärker" sagt, wovon es abhängt.

Sie waren die ersten, die in der Pandemie dicht machen mussten, und gehören nun zu den letzten, die wieder öffnen dürfen: Bremens Clubs und Musikspielstätten haben zwei schwere Jahre hinter sich. Julia von Wild, Sprecherin des Bremer Musikspielstätten-Verbands Clubverstärker, erklärt, wie sich die Clubs nun auf die Öffnung vorbereiten und was sie von der Politik erwarten.

Frau von Wild, ab dem 4. März dürfen die Clubs wieder öffnen. Ein Grund zur Freude, sollte man annehmen. Doch der Bundesverband der Musikspielstätten in Deutschland, in dem Sie stellvertretende Vorsitzende sind, hat in einer ersten Stellungnahme sehr verhalten optimistisch reagiert. Wie ist die Stimmung unter den Musikclubs in Bremen und umzu?
Ähnlich verhalten. Wir sehen es zwar als Licht am Ende des Tunnels, dass wir die Clubs und Musikspielstätten wieder öffnen können. Wenn man den Bund-Länder-Beschluss dazu aber liest, merkt man schnell: Vieles ist unklar.
Was bedarf der Klärung?
Wir sind einverstanden damit, dass wir zunächst mit der 2G-Plus-Regel arbeiten. Das geht in den Clubs. Wir haben die Türen, wir haben die Kontrollen. Was in der Klubkultur aber nicht funktioniert, sind Masken, die Abstandsregel und Kapazitätsbegrenzungen. Das ist ein großes Thema, das noch geklärt werden muss, und das jetzt vermutlich auf Länderebene in den einzelnen Verordnungen geregelt werden wird.
Trotzdem müssen die Clubs jetzt irgendwie mit den Unwägbarkeiten umgehen. Wie bereiten Sie sich vor?
Wir als Verband, die Clubverstärker, sind im Gespräch mit den Behörden in Bremen. Wir wollen eine gute Regelung hinkriegen, die sicherstellt, dass wirklich wieder echte Klubkultur bei uns stattfinden kann.

Die Clubs selber haben das Problem, dass sie nach zwei Jahren, in denen sie immer wieder schließen mussten, kaum noch Personal haben. Das versuchen sie jetzt irgendwie zu finden. Außerdem werden seit Monaten viele Konzerte und Tourneen immer wieder geschoben und verschoben. Der bundesweite Flickenteppich aus verschiedenen Verordnungen macht es zusätzlich schwer für die Bookingagenturen, die geplanten Touren aufrecht zu erhalten, so dass immer noch mehr Konzerte verschoben werden. Das irgendwie einheitlich zu regeln – da sind die Verbände dran.
Was schätzen Sie: Wie viele Clubs werden am 4. März trotz der schwierigen Rahmenbedingungen tatsächlich in Bremen und umzu aufmachen?
Das ist schwer zu sagen. Ich schätze aber: Drei Viertel der Clubs sind so weit, dass sie öffnen können. Vorausgesetzt, es geht ohne Maskenpflicht und Abstandsregeln und ohne Kapazitätsbegrenzung. Das ist die absolute Voraussetzung dafür, dass es überhaupt geht. Denn: Wer will schon mit Maske zum Tanzen? Und: Wie soll man das bei einem Konzert kontrollieren? Da ist Bewegung drin. Und, wie gesagt: Wir haben 2G-Plus, gewährleisten am Eingang die Kontrollen. Das funktioniert gut.
Eine Frau guckt auf einem Tablett-PC den Livestream eines Theaterstücks (Bildmontage).
Livestreams kultureller Veranstaltungen sind aus Sicht der Clubverstärker zwar in Einzelfällen eine interessante Option. Den Besuch eines Konzerts aber können sie nicht ersetzen. Bild: Stadttheater Bremerhaven | Imago / Panthermedia / Montage Radio Bremen
Angenommen: Sie dürfen am 4. März öffnen, ohne Maskenpflicht, ohne Abstandsregeln, ohne Kapazitätsbegrenzung, mit 2G-Plus. Was glauben Sie: Wie viele Gäste werden kommen?
Ich glaube, dass die Sehnsucht der Menschen, wieder Klubkultur zu erleben, sehr groß ist. Die Leute sind ausgehungert danach. Sie wollen sich begegnen, sie wollen Musik genießen, sie wollen wieder eine Nachtkultur erleben.

Natürlich kommt es aber auch auf die verschiedenen Zielgruppen beim Publikum an, einige sind nach zwei Jahren Pandemie auf Abstand auch vorsichtiger und zögerlich geworden, da braucht es eine längere Anlaufzeit. Aber wir haben mit 2G im letzten Herbst gute Erfahrungen gemacht. Da sind die Konzerte in den Clubs weitestgehend gut angenommen worden.
Steffen Kache aus dem geschäftsführenden Vorstand Ihres Dachverbands fordert auch "die Beschäftigung mit der Zeit nach dem Sommer und einem erneuten Pandemie-Szenario". Wie könnte das konkret aussehen: Was wäre Ihr Part dabei, und was erwarten Sie von der Politik?
Das ist tatsächlich eine ganz zentrale Forderung von uns. Es darf nicht passieren, dass zum dritten Mal alle von einer nächsten Welle im Herbst überrascht sein werden. Eine weitere Schließung würden die Clubs auch nicht überstehen. Daher brauchen wir jetzt ein Szenario: Unter welchen Bedingungen können die Clubs, wenn sie jetzt öffnen, auch geöffnet bleiben?

Wir, die Clubs, können etwas bei der Zugangskontrolle machen. Ob das 2G ist, ob das 2G-Plus ist, oder ob das sogar 2G-Plus mit PCR-Test ist – das ginge alles irgendwie. Vorausgesetzt natürlich, dass überhaupt genügend PCR-Tests vorhanden sind. Darüber hinaus gibt es auch noch die Möglichkeit von Pool-Tests, die man vor Ort kurzfristig auswerten kann. Aber all das muss natürlich besprochen und möglich gemacht werden. Was nicht geht, ist, dass man die Dinge zum Sommer wieder anlaufen lässt und danach einfach wieder im Herbst schließt.
Wie viele der rund 40 Mitglieder ihres Verbands sind bisher in der Pandemie Pleite gegangen?
Zum Glück keiner bislang. Wir hatten Hilfen wie beispielsweise den "Club100" (ein vom Bremer Wirtschaftsressort gefördertes Veranstaltungs- und Streamingprojekt für Bremer Clubs, die Redaktion) oder über Bundesprogramme: Überbrückungshilfen und "Neustart Kultur". Das hat bisher gut funktioniert. Trotzdem stoßen wir natürlich an Grenzen.

Wir müssen auch damit rechnen, dass wir eine gewisse Anlaufzeit brauchen werden, bis die Veranstaltungskalender wieder voll werden und Clubs ohne Hilfen wirtschaftlich arbeiten können. Alle sind in den letzten zwei Jahren an ihre absoluten Belastungsgrenzen gegangen – finanziell und auch persönlich, keiner betreibt einen Club nur aus wirtschaftlichen Gründen, sondern meist aus einer intrinsischen Motivation heraus. Da ist der Beruf tatsächlich Berufung.

Wann und wie wird gelockert? Das haben Bund und Länder beschlossen

Bild: Radio Bremen

Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 20. Februar, 19.30 Uhr