Minusgrade an der Nordseeküste? Diese 3 Paare campen trotzdem

Der besondere Reiz: Mit dem Wohnmobil im Winter an die Küste

Bild: Radio Bremen

Wer an Camping denkt, hat meist sommerliche Temperaturen im Kopf. Nicht aber die Winter-Camper der Nordseeküste. Im Ernst? Wir haben gefragt, was daran so toll ist.

Die Wurster Nordseeküste lockt im Januar mit gerade mal fünf Grad und Nieselregen. Perfektes Urlaubswetter sieht für viele Bremerinnen und Bremer anders aus. Die Camper in Dorum-Neufeld stört das allerdings nicht. Im Gegenteil: Gerade im Winter sind sie dort mit ihrem Wohnmobil besonders gerne auf Tour. Drei Paare erzählen, warum sie im Winter genauso gerne mit ihrem Wohnmobil losfahren wie im Sommer.

"Im Winter hast du deine Ruhe"

Sara Dinsch war als Kind schon hier. Allerdings nicht auf dem Campingplatz, sondern in einem der umstehenden Ferienhäuser. Als sie dann Sven Kraus kennenlernte, entdeckte das Paar seine Liebe zum Campen. Das Besondere daran ist für beide klar: "Die Freiheit!", sagt Kraus. "Wenn es uns irgendwo nicht gefällt, packen wir zusammen und fahren einfach weiter." Und Sara Dinsch ergänzt: "Man ist nicht so gebunden an einen Ort. Man kann mehrere Orte sehen. Das ist schon sehr schön."

Ein Paar sitzen bei einer Tasse Kaffee in ihrem Wohnmobil
Sarah Dinsch (links) und ihr Partner Sven Kraus (rechts) sitzen bei einer Tasse Kaffee in ihrem Wohnmobil. Bild: Radio Bremen

Den Campingplatz Dorum-Neufeld besucht das Paar aus Nordrhein-Westfalen aber nur im Herbst und Winter. Im Sommer geht es mit dem Wohnmobil nach Polen, bevorzugt an die Ostsee. Aber warum jetzt Wintercamping? "Es ist leer und nicht so überfüllt", erklärt Sara Dinsch. Das sei nicht nur für den Hund schön, da er so freier laufen gelassen werden könne, sondern die Luft sei auch schöner. "Es ist viel angenehmer", findet auch Sven Kraus. "Im Sommer ist es immer rappelvoll. Da steht man in Reih und Glied. Und im Winter hast du wirklich deine Ruhe."

Ob das nicht kalt wird?

"Ne, also wir haben einen doppelten Boden, der Wassertank ist beheizt – solange wir Gas haben und Solar von oben, kann uns eigentlich nichts passieren", antwortet Sven Kraus prompt. Und Sara Dinsch ergänzt: "Wir haben eine Dusche und Frischwasser kannst du überall tanken. Selbst die Garage ist hinten beheizt, so dass der Kinderwagen immer warm ist." Nachts, erzählen die beiden, sei es oft so warm, dass sie sogar noch die Dachluke des Wohnmobils öffnen würden. Und auch eine Bettdecke sei mehr als ausreichend.

Also kalt ist es auf gar keinen Fall!

Sara Dinsch, Winter-Camperin aus NRW

Campen, wo es im Sommer verboten ist

Auch die Blümels aus der Nähe von Oldenburg schätzen die Ruhe beim Winter-Camping. "Im Sommer ist mir das ehrlich gesagt ein bisschen zu voll an der Nordsee. Ich genieße gerne die Ruhe. Auch bei Regen am Wasser spazieren gehen, das finde ich persönlich schön", erzählt Petra Blümel. Da ihr Mann Uwe Blümel bereits in Rente ist, fahren die beiden etwa einmal im Monat mit ihrem Campervan los. "Das ist einfach schön, mal ein Wochenende abzuschalten. Nichts hören und nichts sehen", findet sie. Da ist dann auch egal, wie das Wetter gerade ist.

Eine Frau gießt heißes, dampfendes Wasser in eine Teekanne.
Auch beim Winter-Camping gibt es Möglichkeiten, sich warm zu halten. Bild: Radio Bremen

In den Wintermonaten kommen die beiden mit einer Dieselheizung, Strom und warmer Kleidung im Van über die Runden. Neben dem unbeschwerten Alleinsein in der Natur bieten die Wintermonate in Sachen Camping noch weitere Vorteile: "Vor Corona war das auch so, dass man auch mal irgendwo stehen konnte. Das ist jetzt nicht mehr so. Jetzt gibt es überall Höhenbegrenzung. Und das ist im Winter deutlich einfacher. Da kann man auch mal irgendwo stehen bleiben", sagt Petra Blümel.

"Das macht eben Spaß!"

Ein paar Stellplätze weiter stehen Trude Knittel und Volker Osmers mit ihrem Wohnmobil. Seit das Bremer Pärchen in Rente ist, fahren auch sie öfters einfach spontan los – auch in den Wintermonaten. "Der Wind an der Nordseeküste ist einfach was anderes als bei uns in Bremen", findet Volker Osmers. Diese Meinung teilt auch seine zukünftige Frau Trude Knittel: "Ja, die Luft ist einfach schöner und auch unsere Fahrrad-Tour gerade eben, die hätten wir zuhause wahrscheinlich gar nicht gemacht bei dem Wetter." Ihr Campingaufenthalt hat dieses Mal einen ganz besonderen Grund: die beiden wollen sich im Februar in Wremen das Ja-Wort geben. Nun sind sie vor Ort, um die Gegend einmal auszukundschaften.

Wintercamper sitzen gemütlich in ihrem Wohnmobil bei einer Tasse Kaffee und schauen aus dem Fenster
Ob Kaffee oder Kartenspiel, fast alles geht im kleinen Wohnmobil, was auch zuhause möglich wäre. Bild: Radio Bremen

Aber auch sonst kommt bei ihnen nie Langweile auf, wenn sie unterwegs sind: "Fahrrad fahren, Spaziergänge machen – im Grunde einfach die Gegend erkunden, einen schönen Mittagsschlaf machen und dann den lieben Mann beim Karten spielen über den Tisch ziehen", lacht Trude Knittel. Und auch dieses Pärchen muss nachts nicht frieren: "Wir sind schon bei -28 Grad unterwegs gewesen. Da friert natürlich alles ein, aber das ist kein Problem", meint Volker Osmers. Geheizt wird mit Strom oder Gas. Seit mehr als 20 Jahren sind die beiden mit Wohnmobil oder Wohnwagen unterwegs. Und das wird wohl auch noch lange so bleiben – auch in den Wintermonaten.

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 25. Januar 2022, 19:30 Uhr