Fragen & Antworten

7 Fakten über Bremens Bunker – oder das, was von ihnen übrig ist

Autos fahren an einem Bunker in der Überseestadt vorbei.
Hochbunker wie dieser in Bremens Überseestadt werden seit 2007 nicht mehr für den Zivilschutz instandgehalten. Bild: DPA | Sina Schuldt

Hierzulande herrscht Frieden. Doch seit Russlands Angriff auf die Ukraine fragen sich auch Bremer, wie sie im Ernstfall geschützt wären. Die Antwort ist: "bedingt".

Nach Ende des Kalten Krieges waren Bunker und Zivilschutzräume in Deutschland anscheinend überflüssig. Seit 2008 sind sie daher zurückgebaut worden. Doch der Krieg in der Ukraine hat den Blick verändert. Bund und Länder prüfen derzeit, was noch an Schutzräumen existiert und ob das bisherige Rückbaukonzept überdacht werden muss. Wie die Lage in Bremen ist, erklären wir hier in sieben Fragen und Antworten.

Wieviele Bunker und Schutzräume gibt es in Bremen?
Im Bundesland Bremen gab es laut Innenressort einst 54 Bunker mit 54.980 Plätzen. Davon sind bis heute 52 entwidmet worden. "Zurzeit gibt es noch zwei Mehrzweckanlagen in Privatbesitz, die im Alltag als Tiefgaragen genutzt werden", sagt Ressortsprecherin Rose Gerdts-Schiffler. Ihre Kapazität liege bei 489 Plätzen.

Zum Vergleich: In Niedersachsen gibt es derzeit noch 58 nicht entwidmete Bunker und Zivilschutzräume, die zum Teil als Mehrzweckanlagen wie Tiefgaragen oder Bahnhöfe genutzt werden. Im gesamten Bundesgebiet gibt es laut Bundesregierung noch 599.
Das Doppelwandbild auf dem Bunker Halmerweg in Gröpelingen. "Nie wieder Krieg" ist auf ihm zu lesen.
Auf Bremer Bunkern wie diesem in Gröpelingen erinnern seit Jahren nur noch Wandbilder an den Krieg. Bild: Radio Bremen
In welchem Zustand sind Bremens Bunker?
Seit 15 Jahren wird bundesweit nicht mehr in die Instandhaltung und Erhaltung von Bunkern und Zivilschutzräumen investiert. In welchem Zustand sie sind, wird daher nun geprüft – und zwar vom Bund. Denn er ist für den Zivilschutz, also den Schutz der Bevölkerung im Spannungs- oder Verteidigungsfall, verantwortlich. Angaben zu den zwei verbliebenen Bremer Schutzräumen in Privatbesitz seien erst nach einer Begehung durch Fachleute vom Bund möglich, sagt Innenressortsprecherin Rose Gerdts-Schiffler. Wann die Begehung stattfinde, sei aktuell noch nicht absehbar.
Welche Alternativen gibt es zu Bunkern in Bremen?
"Keine", sagt Karl-Heinz Knorr, der seit einem Jahr das Referat für "Katastrophen- und Zivilschutz" beim Senator für Inneres leitet. Diese Konsequenz sei allen bewusst gewesen, als 2007 einvernehmlich zwischen Bund und Ländern beschlossen wurde, alle Anlagen aus der Zivilschutzbindung zu entlassen.
Wem gehören die Bunker in Bremen?
Viele Bunker und Schutzräume im Land Bremen sind seit 2007 entwidmet und verkauft worden. Dem Innenressort zufolge befinden sie sich überwiegend in Privatbesitz und dienen zum Beispiel als Wohnungen, Tankstellen, Museen, Theater oder Clubs.

Was man aus Bunkern alles machen kann

Bild: Radio Bremen
Hätte Bremen im Notfall Zugriff auf die alten Schutzanlagen?
Ja. Grundsätzlich darf Bremens Landesregierung unter Beachtung der Verhältnismäßigkeit zur Gefahrenabwehr auf Privateigentum zugreifen. So heißt es im Bremischen Hilfeleistungsgesetz (BremHilfG) in Paragraph 5, Absatz 3: "Eigentümer und Besitzer von […] baulichen Anlagen […] sind verpflichtet, diese […] für Zwecke der Gefahrenbekämpfung zur Verfügung zu stellen."

"Dies ist aber nur sinnvoll, wenn die Gebäude dafür auch geeignet sind", sagt der Katastrophen- und Zivilschutzexperte Karl-Heinz Knorr. Und diese Eignung sei bei vielen der Anlagen nach Entlassung aus der Zivilschutzbindung regelmäßig entfallen, weil die neuen Eigentümer zum Beispiel Öffnungen für Fenster und Türen geschaffen hätten.
Welchen Anforderungen müssen moderne Bunker und Schutzräume genügen?
Hier müssten verschiedene Einwirkungen unterschieden werden, sagt Zivilschutzexperte Knorr. Um im wohl schlimmsten Fall die Detonation einer Interkontinental-Atombombe direkt über einer Bunkeranlage auszuhalten, bedürfe es einer ungemein stärkeren Konstruktion – vermutlich unter Nutzung tiefer Stollen – als für die Detonation einer taktischen Atombombe, die zum Beispiel in zehn Kilometern Entfernung einschlage, sagt Knorr.

Nach der Detonation einer Atombombe werde zudem von rund zwei Wochen Verbleib in einem Bunker ausgegangen, weil ein Teil der freigesetzten radioaktiven Nuklide, zum Beispiel Iod 131, eine Halbwertzeit von acht Tagen habe. Das Problem: In den vergangenen Jahren habe niemand mehr "Atombunker" geplant. "Alle bestehenden sind praktisch aufgelöst", sagt Knorr.
Was würde der Bau neuer Schutzanlagen kosten?
Wieviel ein Neubau, die Herrichtung und die Erhaltung bestehender Bunker und Schutzräume kosten würde, darüber liegen in Bremen aktuell keine Daten vor, teilt das Innenressort mit. Das Land plane aktuell auch nicht, eine entsprechende Infrastruktur auszubauen. Gleichwohl verweist das Innenressort auf den für den Zivilschutz zuständigen Bund. "Gegebenenfalls wird dieser im Anschluss an die vorgesehene deutschlandweite Sachstandsklärung in diesem Bezug neue Entscheidungen treffen", sagt Ressortsprecherin Rose Gerdts-Schiffler.

Erste Schritte zur Stärkung des Zivilschutzes hat das Bundesinnenministerium bereits eingeleitet. "Der Rückbau ist jedenfalls gestoppt", sagte Innenministerin Nancy Faeser (SPD) jüngst in der "Welt am Sonntag". Ob die Fachleute des Bundes darüber hinaus auch in Bremen Anlagen identifizieren, die sich für eine Instandsetzung eignen, bleibt allerdings offen.

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Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 21. April 2022, 23:30 Uhr