Schwarmwissen gefragt: Bremerhavens Stadtarchiv sucht Lexikon-Autoren

Eine alte Karte Bremerhavens (1847)
Eine Bremerhavener Stadtansicht von 1847. Damals war die Stadt gerade 20 Jahre jung. Bild: gemeinfrei

Zum 200. Stadtjubiläum soll Bremerhaven erstmals ein eigenes Lexikon bekommen. Dabei soll das Schwarmwissen der ganzen Stadt helfen – jeder kann zum Lexikon-Autor werden.

Fast alle haben es: Bremen hat den "Schwarzwälder", Nürnberg einen 1.300-Seiten-Wälzer, Magdeburg eins mit einer Liste vieler Superlative – "nur die Großstadt Bremerhaven hat noch kein Stadtlexikon", bedauert Julia Kahleyß. Sie ist Chefin des Bremerhavener Stadtarchivs und will dem Mangel unbedingt abhelfen. Ihr Ziel: Wenn die Stadt Bremerhaven 200 Jahre alt wird, soll das Lexikon gedruckt auf dem Tisch liegen. Die digitale Version soll dann ebenfalls starten und zu einem lebenden Lexikon mit Multimedia-Inhalten werden. Wenn alles gut läuft, wird dann nicht nur Julia Kahleyß stolz sein, sondern auch viele Bürger. Sie sollen als Autoren und Zulieferer möglichst breit beteiligt werden.

Nicht nur Historiker sollen schreiben

Julia Kahleyß
Stadtarchiv-Chefin Julia Kahleyß Bild: Marco Butzkus

Der Zeithorizont für das Projekt klingt auf den ersten Blick gewaltig: Erst 2027 steht der runde Stadtgeburtstag an. Doch Julia Kahleyß scharrt schon jetzt mit den Füßen: "Das könnte knapp werden", befürchtet sie, denn der redaktionelle Weg von den ersten Ideen zum fertigen Lexikon sei lang. Darum steht schon der erste Stichtag vor der Tür. In den nächsten Wochen soll die Liste der Begriffe stehen, die im Lexikon abgehandelt werden. Zielzahl: 1.000 Artikel.

Worum es in dem Nachschlagewerk geht, sollen nicht nur Historiker oder Heimatforscher bestimmen – sondern prinzipiell alle Bremerhavener. "Uns ist es wichtig, dass die Beiträge aus möglichst vielen Perspektiven und von ganz verschiedenen Menschen geschrieben werden", sagt die Archiv-Chefin. Darum ruft die Stadt alle Menschen in Bremerhaven auf, Lexikon-Autor zu werden oder Ideen für Artikel zu liefern. Mit der breiten Beteiligung will Julia Kahleyß verhindern, dass das Lexikon zuviel thematische Schlagseite bekommt. "Zur Schifffahrtsgeschichte der Stadt gibt es zum Beispiel längst unglaublich viel", erklärt sie, andere Bereiche seien dagegen noch wenig ausgeleuchtet, etwa soziale Themen.

Workshops für die freiwilligen Autoren

Als erstes geht es nun darum, die geplanten 1.000 Begriffe zu finden. Danach sollen diese dann auf die Autoren verteilt werden. Dann geht die eigentliche Arbeit los. Für die Autorinnen und Autoren soll es mehrere Workshops zur Unterstützung geben. 2024 soll die Schreibarbeit dann abgeschlossen sein, 2026 die Gesamtproduktion – damit das Lexikon pünktlich zum Geburtstag im Januar 2027 vorliegt.

Enthalten sein wird dann vermutlich auch ein Eintrag über "Kupferbolzen", einen der eher skurrilen Begriffe, die das Archiv-Personal schon gefunden hat. Viele Bremerhavener kennen die "Bolzen" vom Baden im Weserstrandbad – es waren die Hinterlassenschaften aus dem Klärwerk, das seine Abwässer früher direkt in die Weser laufen ließ.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Sonntag aus dem Studio Bremerhaven, 8. Mai 2022, 10.05 Uhr