Nach 46 Jahren: Die Schulschiff Deutschland hat einen neuen "Meister"

Ein Mann schrubbt das Deck eines Schiffes.
Bild: Radio Bremen | Sina Derezynski

André Stöter ist in Bremerhaven der neue Schiffsbetriebsmeister auf der "Schulschiff Deutschland". Damit übernimmt er laut Agentur für Arbeit einen historischen Job.

Früh morgens, wenn André Stöter seinen Dienst auf der "Schulschiff Deutschland" antritt, verschafft er sich erst einmal einen Überblick über die anstehende Arbeit. "Es ist ja meine Hauptaufgabe, erstmal alle Örtlichkeiten zu begehen und zu gucken, was ist überhaupt da", berichtet der 49-Jährige.

Heute soll das ganze Deck des Schiffes geschrubbt werden. Stöter trommelt drei seiner insgesamt 25 freiwilligen Helfer zusammen. "Ich habe eigentlich gehofft, dass das Wetter ein bisschen besser wäre. Aber gut, wenn es ein bisschen regnet, brauchen wir weniger Wasser aus dem Schlauch", ist er optimistisch. Ein strenger Chef ist er nicht: "Ihr braucht hier nur so ein bisschen rüber, das reicht schon", ruft er den Männern zu.

Ein historischer Job

Drei Männer schrubben das Deck eines Schiffes.
Bei seiner Arbeit bekommt André Stöter Hilfe von Ehrenamtlichen. Bild: Radio Bremen | Sina Derezynski

Stöter führt eine Berufsbezeichnung, die es schon lange nicht mehr gibt. Die Agentur für Arbeit stuft den Begriff sogar als historisch ein: Schiffsbetriebsmeister. Er selbst ist da aber bescheiden: "Das ist auch nur eine Art Hausmeister. Man ist natürlich verantwortlich für die ganzen Abläufe hier an Bord und guckt, dass alles so bleibt, wie es ist", beschreibt er. "Das fängt unten im Keller an und hört oben an den Mastspitzen auf!"

Das ist auch nur eine Art Hausmeister.

André Stöter, Schiffsbetriebsmeister der "Schulschiff Deutschland"

Neben den Instandhaltungsarbeiten betreut er das Museum an Bord und koordiniert die Ehrenamtlichen. Der 49-Jährige ist der einzige Festangestellte auf dem Schiff. Alle anderen, die gerade mit dem Schrubber gegen den Dreck auf den Holzbohlen kämpfen, sind auf dem Schiff ehrenamtlich tätig. Viele von ihnen haben früher im Schiffbau oder Handwerk gearbeitet. Und alle haben eine ganz besondere Beziehung zu Schiffen. Genau wie Stöter: "Ich hab hier in Bremerhaven auf einer mittelgroßen Werft Schiffbauer gelernt von der Pike auf. Und dann habe ich bei verschiedenen Werften und verschiedenen Handwerksfirmen gearbeitet."

Ohne Pflege wird es teuer

46 Jahre war sein Vorgänger Ingo Müller-Fellmett auf der "Schulschiff Deutschland" als Schiffsbetriebsmeister im Dienst, bis er in den Ruhestand ging. Stöter tritt also in große Fußstapfen. Und er weiß, wenn er seinen Job nicht ernst nimmt, kann es teuer werden: "Die Pflege des ganzen Decks ist eine heikle Aufgabe. Ich glaube, wenn das einmal neu überarbeitet wird, dann sind das irgendwie zwei Millionen Euro." Deswegen versuche er, mit den Ehrenamtlichen so viele Aufgaben wie möglich selbst zu erledigen. "Und das fängt bei der Pflege und Reinigung an!"

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Das Wochenende aus Bremerhaven, 20. März 2022, 10:40 Uhr