Droht Bremerhaven ein "Schlepperkrieg"?

Tradition gegen Billigkonkurrenz: Bremerhavener Schlepper in der Krise?

Bild: Imago | blickwinkel
  • Die großen Reedereien setzen vermehrt auf eigene Schlepperflotten
  • Ortsansässige Firmen haben dadurch das Nachsehen
  • Mancher Bremerhavener spricht bereits von einem "Schlepperkrieg"

Mit seinem Schlepper manövriert Rocco Voß große Schiffe durch bremische Häfen zu ihren Kajen. Bis vor einigen Jahren haben diesen Job einige ortsansässige Firmen unter sich aufgeteilt – doch inzwischen herrscht Unruhe auf dem Markt. Denn die großen Reedereien Maersk und MSC setzen immer häufiger ihre eigenen Schlepperflotten ein. Für Voß und seine Kollegen bleiben dadurch nur noch wenige lukrative Aufträge übrig. "Auf Dauer rechnet sich das wirtschaftlich nicht", sagt Voß zu buten un binnen.

Eigene Schlepperflotten, oft mit internationalen Crews betrieben, kosten die großen Reedereien weniger Geld. Denn im Gegensatz zu den etablierten Schleppern wird auf diesen Gefährten oft kein deutscher Tarif bezahlt: Laut der Gewerkschaft Verdi erhält ein einfacher Seemann auf solch einem Schiff einen Lohn von unter 700 US-Dollar (etwa 600 Euro) monatlich.

Reederen bewegen sich im rechtlichen Rahmen

Die Reedereien teilten auf Nachfrage von buten un binnen mit, dass sich die Bezahlung im rechtlichen Rahmen bewege – was Verdi auch nicht abstreitet. Doch die Gewerkschaft fordert die Politik auf, die Reedereien zu besseren, genauer gesagt: deutschen Arbeitsbedingungen zu verpflichten. "Wir wollen im Bereich der Hafendienstleistung ein Hinzukommen von deutschem Know-how behalten", sagt Verdi-Gewerkschafter Peter Geitmann.

International haben wir da schon viele Federn gelassen. Wenn wir das auch noch wegbrechen lassen, ist die Zukunft des seemännischen Nachwuchses in Deutschland arg gefährdet.

Verdi-Gewerkschafter Peter Geitmann zu buten un binnen

Im Häfenressort hat man das Problem erkannt. In Abstimmung mit anderen deutschen Seehäfen, wie etwa Hamburg, will Bremen für mehr Chancengleichheit auf dem Schleppermarkt sorgen. "Zufrieden sind wir mit der Situation nicht", sagt Häfen-Staatsrat Tim Cordßen-Ryglewski (SPD). "Es geht jetzt darum, das Rahmenregelwerk so weiter zu entwicklen, dass ordentliche, aber auch einheitliche arbeitsrechtliche und tarifrechtliche Standards gehalten werden."

Kapitän Voß ist jedoch skeptisch, dass sich die Politik tatsächlich mit den mächtigen Reedereien anlegen wird. Die neuen Konkurrenten im Hafenbecken behandelt er trotzdem mit Respekt – auch wenn manche Leute in Bremerhaven schon von einem "Schlepperkrieg" sprechen.

Es ist wie mit einem Nachbar, mit dem man kein Bier trinken geht: Man sagt sich natürlich 'Guten Tag', weil man eine gute Kinderstube genossen hat. Aber die Nachbarn kann man sich nun mal leider nicht aussuchen.

Kapitön Rocco Voß zu buten un binnen

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Autoren

  • Luca Laube
  • Torsten Harms
  • Helge Hommers Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 3. Dezember 2021, 19:30 Uhr