Bremerhavener Schifffahrtsmuseum geht "Into the Ice" – gehen Sie mit?

Ein Plakat zeigt zwei Eisbären in der Arktis.
Bild: Radio Bremen | Catharina Spethmann

Expeditionen, Überfischung, Klima – mehrere neue Ausstellungen im Bremerhavener Schifffahrtsmuseum zeigen die besondere Rolle der Schifffahrt für Mensch und Meere. Ein Rundgang.

Schiffe, Meer und Forschung – für das Deutsche Schifffahrtsmuseum (DSM) in Bremerhaven ein Dreiklang, der ab heute in drei neuen Ausstellungen beleuchtet wird: "Change Now", "Into The Ice" und "Karten wissen Meer". Es geht darum, welchen Einfluss die Schifffahrt über die Jahrhunderte auf das Leben der Menschen gehabt hat – und immer noch hat. Darunter die Auswirkungen der Überfischung und des Klimawandels auf die Weltmeere.

Auf einem Schaubild sind Taucher und Meeresbewohner zu sehen.
Die Ausstellungen im Schifffahrtsmuseum zeigen viele maritime Inhalte. Bild: Radio Bremen | Catharina Spethmann

Sanierungsbedürftig ist der Bangert-Bau des Deutschen Schifffahrtsmuseums zwar immer noch – aber trotzdem öffnet er seine Türen für die Besucher. Ein großer Schriftzug mit dem Seemannsgruß "Ahoi" empfängt sie, darunter ein Tresen aus einem alten Seecontainer und viele kleine Schiffsmodelle. In der eigentlichen Ausstellungshalle warten zehn raumhohe Tafeln, gehalten in schifffahrtstypischen Farben: Rot, Weiß, Blau, vor allem aber Signalgelb.

Migration, Tourismus, Fischerei – Schiffe haben viele Rollen

"Wir haben das 'zehn Thesen zur Schifffahrt' genannt", sagt Ruth Schilling, seit kurzem geschäftsführende Museumsdirektorin. "Und das bildet eigentlich das Rückgrat der Ausstellung." Es sei auch ein architektonisches Rückgrat und biete die Verbindung zwischen dem Zustand der Meere und dem, was die Forschung darüber und über das Klima der Welt sage. "Das erschöpfte Meer" steht auf einer von zwei großen Stationen.

Die großen gelben Tafeln illustrieren die Rolle der Schiffe durch die Jahrhunderte: Etwa für die Migration, bei der Ausbeutung der Meere durch die Fischerei, für touristische Zwecke wie Kreuzfahrten – aber auch für die Forschung. Diesem Thema ist ein eigener Ausstellungsbereich gewidmet. Aufgebaut wie ein Forschungsdepot mit vielen hohen Regalen, ein bisschen wie in einem Baumarkt. Kuratorin Ulrike Heine bleibt vor einem Instrument aus Metallröhren stehen. Es war bei einer Expedition 1925 dabei.

Das war eine ganz bedeutende Expedition für die deutsche Forschungsschifffahrt, weil damals eigentlich zum ersten Mal der atlantische Meeresboden zwischen Europa und Nordamerika vermessen wurde.

Ulrike Heine, DSM-Kuratorin

Fotoausstellung zur spektakulären "Mosaic"-Expedition

Um eine neuere, nicht minder bedeutende Expedition geht es bei der Ausstellung "Into the Ice" – nämlich die Forschungsreise "Mosaic" des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (AWI). Die Schau zeigt Fotografien, die während der einjährigen Forschungsreise gemacht wurden. Darunter auch ein preisgekröntes Bild der Fotografin Esther Horvath von zwei Eisbären. Die Bilder dieser spektakulären Expedition, bei der sich Forscher mit dem Schiff ein Jahr in der Arktis einfrieren ließen, bekommen hier eine eigene Sonderausstellung. Auf dem Fußboden ist seine Route als gezackte Linie aufgezeichnet. Man kann ihr durch die Ausstellung folgen, vorbei an vielen großformatigen Fotos.

Mehrere Personen stehen in einer Ausstellungshalle mit großen Schauwänden.
Welchen Einfluss hatte die Schifffahrt über die Jahrhundert auf das Leben der Menschen? Darum geht es in den Ausstellungen. Bild: Radio Bremen | Catharina Spethmann

"Ja, sie bringen auf jeden Fall den Geist rüber – für mich, der an Bord war, aber ich hoffe, auch für alle Besucher", sagt Marcel Nicolaus, Meereisphysiker, der auch auf den Fotos zu sehen ist. Einige sind vom Fotografen Michael Gutsche. Er erinnert sich an viele verbrauchte Akkus, eine Powerbank, die er unter seinem Overall trug und zusätzlich an die Kamera anstöpselte – und: beheizbare Fingerhandschuhe gegen die extreme Kälte.

Und wie schwer und anspruchsvoll es auch als Wissenschaftler gewesen ist, seine Aufgaben auf dem Eis zu erfüllen, bei teilweise bis zu minus 58 Grad, das kann man in der Ausstellung ganz gut nachempfinden.

Michael Gutsche, "Mosaic"-Fotograf

Ausblick auf künftige Ausstellungen im Schifffahrtsmuseum

Oben auf der Galerie zeigen historische Seekarten, wie der Mensch die Meere vermessen hat – sozusagen die Globalisierung vom Wasser aus. Museumsdirektorin Ruth Schilling schaut von der Galerie aus über die gesamte Ausstellungshalle – und nimmt schon einmal das Große Ganze in den Blick: "Also eine große Symphonie, die quasi das Deutsche Schifffahrtsmuseum einmal aufspannt und die einen Ausblick darauf geben soll, was wir in künftigen Ausstellungen, vor allem auch der Dauerausstellung ab 2024, zeigen wollen."

Die Sonderausstellungen "Change Now! Schiffe verändern die Welt" und die Fotoschau "Into The Ice – Die 'Mosaic'-Expedition in Bildern" starten am 25. Februar und sind bis 31. Juli 2022 zu sehen.

Das sind die Pläne für das Bremerhavener Schifffahrtsmuseum

Bild: Radio Bremen

Autorinnen und Autoren

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Vormittag, 25. Februar 2022, 10:38 Uhr