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Bremerhaven und seine Nachbarn wollen die Nordsee zur Marke machen

Eine Frau steht mit einem Kind am Strand vor den tosenden Wellen der Nordsee und macht ein Bild mit ihrem Handy.
Bild: DPA | Mohssen Assanimoghaddam

Die Nordsee kann mehr, finden Bremerhaven und die niedersächsischen Küstenregionen. Um der Konkurrenz zu trotzen, haben sie eine gemeinsame Agentur gegründet – und viel vor.

Wattwandern, Schiffe gucken und Fisch essen: Urlaub an der Nordseeküste ist beliebt. Der heimische Tourismus hat durch Corona zeitweise Rückenwind erfahren, aber auch unter der Pandemie gelitten. Konkurrenz kommt in Zeiten von Billigfliegern auch von Auslandsreisen. Mehrere niedersächsische Kommunen und die Stadt Bremerhaven haben sich daher etwas Neues einfallen lassen, um ihre Gäste zu erreichen: Sie haben sich jetzt zu einem Verbund zusammengeschlossen und wollen so noch besser für den Urlaub an der Küste werben.

Was ist das für ein neuer Zusammenschluss?
Eine neue Tourismus-Agentur Nordsee – kurz: TANO – soll künftig die Küste in Niedersachsen gebündelt vermarkten. Die Idee ist, eine Marke "Nordsee" zu etablieren und so mehr Besucher in die Region zu holen. Beteiligt an der Agentur, die heute offiziell gegründet wurde, sind die sieben Landkreise Ammerland, Aurich, Cuxhaven, Friesland, Leer, Wesermarsch und Wittmund. Hinzu kommen die beiden Städte Wilhelmshaven und Bremerhaven. Damit ist die Küste von der holländischen Grenze bis hoch nach Otterndorf an der Elbe vertreten.
Welcher Grund genau hat zur Gründung der Agentur geführt?
Grundsätzlich kommen zwar viele Besucher, etwa 43 Millionen Übernachtungen sind es jährlich an der betreffenden Küste. Doch der Marktanteil der Nordseeküste ist geschrumpft. Das hat der Landrat von Wittmund, Holger Heymann, bei der Vorstellung der Pläne gesagt und den Ansatz dazu erläutert: "Man beschäftigt sich mit der Situation und stellt sich neu auf – denn in vielen Landkreisen und kreisfreien Städten ist nunmal der Tourismus der wesentliche Wirtschaftsfaktor Nummer Eins."

Auch an der Internationalisierung hapert es demnach, mehr Gäste aus dem Ausland wären gern gesehen. Dem Wittmunder Landrat zufolge können mit dem Zusammenschluss nun Doppelstrukturen vermieden werden. Laut dem Chef der Bremerhavener Tourismusgesellschaft Ralf Meyer soll die Agentur auch ein Instrument sein, der starken Konkurrenz aus Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern entgegen zu treten.
Was konkret soll passieren, um mehr Gäste an die Nordsee zu holen?
Zu allererst soll es eine gemeinsame Marketingstrategie geben, wofür sich die einzelnen Touristik-Gesellschaften abstimmen sollen. Davon gibt es rund 60 verschiedene in der Region, hinzu kommen viele unterschiedliche Marken wie Ostfriesland, Cuxland oder Wurster Nordseeküste. Die sollen auch erhalten bleiben, aber koordinierter und unter der Dachmarke "Nordsee". Einer der ersten Punkte könnte laut Meyer außerdem eine gemeinsame Tourismus-Card und eine Konzentration auf die Digitalisierung sein. Bremerhaven hat große Hoffnungen und gibt deshalb in den kommenden Jahren rund 170.000 Euro für die neue Tourismus-Agentur.
Wird es nicht schwierig, alle Beteiligten unter einen Hut zu bekommen?
Das ist in der Tat eine Herausforderung, denn die Attraktionen an der Nordsee sind sehr unterschiedlich. In Bremerhaven gibt es viele Museen, das Klimahaus und den Zoo, im Kreis Ammerland ist es eher der Fahrradtourismus. Wie schwierig es war, alle Interessen zu vereinen, wurde bei der Vorstellung der Agentur mehrmals betont. Die Pläne für diesen Zusammenschluss sind schon vor vier Jahren gefasst worden, die erste Idee ist noch älter. Auch lassen sich die einzelnen Gesellschaften nicht so gerne hineinreden, sagt Meyer.

Wie es aber klappen kann, erklärt Bremerhavens oberster Touristiker am Beispiel Österreichs: Dort hätten sich einzelne Gebiete zu einem zusammenhängenden Skigebiet zusammengetan, was sehr gut angekommen sei. "Genauso ist es dann hier, dann sieht man, welche Angebote es gibt und was man hier eigentlich erleben kann."

Bremerhavens Tourismus-Chef: "Erwarten viele tolle Veranstaltungen"

Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 24. Januar 2022, 15:10 Uhr