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Was Sie über die Lage bei der Bremerhavener Lloyd-Werft wissen müssen

Wie geht es mit der Lloyd Werft in Bremerhaven weiter?

Bild: Radio Bremen

Der Insolvenz-Antrag der Lloyd-Werft ist ein Schlag für Bremerhaven. Rund 300 Jobs stehen auf dem Spiel. Politik und IG Metall wollen die Hoffnung aber nicht aufgeben.

Wie konnte es überhaupt zum Insolvenz-Antrag kommen?
Am Montag hat die Lloyd-Werft beim Bremerhavener Amtsgericht Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist der Hamburger Rechtsanwalt Per Hendrik Heerma. Von der Insolvenz betroffen sind rund 300 Beschäftigte und Auszubildende. Die Gewerkschaft IG Metall zeigt sich entsetzt.

Hintergrund der Entwicklung ist, dass der asiatische Mutterkonzern Genting durch die Corona-Krise in finanzielle Schieflage geraten ist. Zu dem Werft-Verbund gehören neben der Lloyd-Werft auch die MV-Werften in Mecklenburg-Vorpommern. Genting hatte die Werften 2016 übernommen. Der Konzern kündigte an, auch für die Werften in Rostock, Wismar und Stralsund Insolvenz zu beantragen. Wegen der MV-Werften hatte es in den vergangenen Wochen bereits Verhandlungen mit dem Bund gegeben.
Was ist aus den Verhandlungen über staatliche Beihilfen geworden?
Eine Einigung über eine Unterstützung des Bundes für die MV-Werften konnte zuletzt nicht erzielt werden. Noch am Sonntag hatte die Genting-Geschäftsführung erneut Hilfen vom Bund gefordert. Ohne die Corona-Pandemie hätte man die Regierung niemals um Unterstützung gebeten, hieß es.

Die Bundesregierung hatte ihrerseits 600 Millionen Euro zur Fertigstellung eines Riesen-Kreuzfahrtschiffes angeboten, unter anderem aus dem staatlichen Wirtschaftsstabilisierungsfonds. Allerdings konnten sich dem Vernehmen nach Bundesregierung und Genting-Geschäftsführung nicht einigen, welchen Beitrag der Konzern leisten müsste. Bei einer Einigung hätte das Land weitere 78 Millionen Euro bereitgestellt. Offen ist, wie es mit den zuletzt rund 1.900 MV-Mitarbeitenden weitergeht.
Wie wird in Bremen und Bremerhaven auf den Insolvenz-Antrag reagiert?
Der Geschäftsführer der Lloyd-Werft Carsten Sippel setzt auf eine Lösung vor Ort, um die Werft zu retten. Nun könne man lokal gucken und die Werft verkaufen, sagte er zu buten un binnen. Eigentlich gehe es der Lloyd-Werft kaufmännisch gut. Sie brauche nun Aufträge. Politik und Auftraggeber müssten handeln. Gleichzeitig gebe es Befürchtungen, dass die Genting Group das Gelände und die Anlagen der Werft verkaufen könnte.

Vogt: "Man hat die Beschäftigten in Geiselhaft genommen"

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Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) sieht in dem Insolvenzantrag auch eine Chance. Nun sei der Weg frei für einen Investor. Ähnlich äußerte sich Bremens Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke). Das Land habe ein großes Interesse daran, dass die Werft als ein Ganzes verkauft werde. Es müsse alle Mittel nutzen, um zu verhindern, dass Genting sich die Filetstücke herauspicke und die Beschäftigten in die Arbeitslosigkeit gingen.

Der Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) kann die Haltung der Bundesregierung nachvollziehen. Einer Mitteilung zufolge, habe die finanzielle Situation der Werften-Eigentümergesellschaft kein Vertrauen in die Zukunftsperspektiven zugelassen. Der VSM fordert, dass die Standorte an der Ostsee und in Bremerhaven – also die Lloyd-Werft – durch Eigentümerwechsel erhalten bleiben, dass also Käufer für die Werften gefunden werden. Genau darauf hofft auch die Bremerhavener IG Metall-Chefin Doreen Arnold, mit Verweis auf vorhandene Kaufinteressenten. Die IG Metall sprach darüber hinaus von einem "schwarzen Tag" für den Schiffbau in Deutschland.
Wie geht es jetzt für die Lloyd-Werft weiter?
Es ist nicht die erste Insolvenz für die Lloyd-Werft – diesen Fall gab es beispielsweise bereits 2004. Das ganze letzte Jahr stand bereits eine Schließung der Werft im Raum, doch es gibt Kaufinteressenten: Das Bremerhavener Stahlbau-Unternehmen Rönner bemüht sich schon lange darum, die Werft zu kaufen. Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) würde einen Verkauf der Werft an Rönner befürworten. Entsprechende Verhandlungen mit dem Genting-Konzern sind allerdings bisher ohne Ergebnis geblieben.

Inzwischen soll es auch noch weitere Interessenten aus dem Ausland geben. Die IG Metall hofft, dass der Insolvenzverwalter jetzt die Situation mit Blick auf mögliche Investoren prüft, die Perspektiven für den Standort auslotet und es dann weitergehen kann.
Bild: DPA | Carmen Jaspersen

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 10. Januar 2022, 19:30 Uhr