Fragen & Antworten

"Zeynep" und "Antonia" über Bremen: Wer gibt den Stürmen ihre Namen?

Wolken ziehen bei stürmischem Wetter über den Himmel über Windräder hinweg.
Noch bis in die neue Woche hinein soll ein Sturm dem anderen auch in Bremen folgen. (Symbolbild) Bild: DPA | Moritz Frankenberg

Jeder kann einem Tief- oder Hochdruckgebiet einen Namen geben. Sogar Ex-Werder-Profi Ailton war schon dabei. So werden Sie zum Wetter-Paten für die Stürme im Land.

Beeinflussen können wir das Wetter nicht. Aber als Wetterpate kann jeder einem Hoch- und Tiefdruckgebiet einen Namen geben. Man kann den Namen also kaufen. Das sind wichtige Fakten und wissenswerte Informationen zu den Wetter-Namen.

Wo kann man denn den Namen fürs Wetter kaufen?
Bei Studierenden der Freien Universität Berlin. Genauer: Am Institut für Meteorologie. Die vergeben die sogenannten Wetterpatenschaften. Mit den Einnahmen finanziert sich die Wettermessstation des Berliner Instituts, an dem überwiegend Studierende ehrenamtlich Wetterdaten erfassen. Durch die Patenschaften soll ihre Ausbildung gesichert werden.
Seit wann kann man die Namen für die "Wetterlagen" kaufen?
Seit 2002 können Privatpersonen Namen für die Tief- und Hochdruckgebiete wählen, die das Wetter in Mitteleuropa beeinflussen. Dieses Jahr also schon zum 20. Mal. Dass Meteorologen den Druckgebieten einen Namen geben, ist schon seit 67 Jahren so.
Ein Hochdruckgebiet klingt freundlicher, sonniger und schöner. Kann man sich das aussuchen?
Bedingt. Ob ein Hoch oder Tief männlich oder weiblich ist, wechselt jedes Jahr. Dieses Jahr sind die Hochdruckgebiete männlich, die Tiefdruckgebiete weiblich, wie unter anderem "Zeynep" deutlich macht. Wer also unbedingt ein Hoch benennen will, muss sich ein Jahr aussuchen, in dem das möglich ist. Vor gar nicht allzu langer Zeit war das ganz und gar ausgeschlossen. Hochs waren immer männlich und die Tiefs weiblich. Erst seit 1998 wechseln sich weibliche und männliche Vornamen jährlich ab. Im vergangenen Jahr sorgten übrigens vor allem das Schneegewitter "Dimitrios" und das Tief "Tristan", mit Schneerekorden, für Aufsehen.
"Ylenia", "Zeynep" und "Antonia" sind ja die letzten Tiefdruckgebiete. Ist das alphabetisch geregelt?
Genau, fortlaufend von A bis Z. Nach "Antonia" kommt beim nächsten Tief ein weiblicher Vorname mit dem ersten Buchstaben "B".
Hat man also mit X, Y, Z bessere Chancen als mit gängigen Anfangsbuchstaben?
Das ist richtig. Grundsätzlich kann jeder eine Wetterpatenschaft abschließen – wenn der gewünschte Buchstabe noch frei ist. Außerdem muss der Name den standesamtlich anerkannten Vornamen entsprechen. Firmennamen sind beispielsweise nicht erlaubt. Auch Doppelnamen und Sonderzeichen werden ausgeschlossen. Wer das beachtet, muss dennoch schnell sein. 2020 gab es für das Folgejahr allein 50 Bewerbungen für ein weibliches Hochdruckgebiet mit dem Buchstaben M.
Ailton macht dicke Backen während einer Werder-Pressekonferenz im Jahre 2003 (Archivbild)
Ex-Werder-Spieler Ailton war der erste Fußball-Profi, der einem Wetter-Gebiet seinen Namen gab. (Archivbild) Bild: DPA | Carmen Jaspersen
Gab es schon einmal kuriose Namen?
Vor zweieinhalb Jahren hieß ein Tiefdruckgebiet "Ailton". Laut dem Institut für Meteorologie der FU Berlin wurde davor noch kein Hoch- oder Tiefdruckgebiet nach einem ehemaligen Profifußballer benannt. Der 11-Freunde-Redakteur Tobias Ahrens hat das gemacht mit der Begründung: Aus jedem Tief könne ein Sturmtief werden. Und Fußballstar Ailton war bekanntlich ein Spieler, der sich nirgendwo so wohl fühlte wie im Sturm.

Abgesehen davon passt Ailton ja auch zu einem schnellen Wind, der nicht ganz ungefährlich ist und aus dem sich auch mal ein Sturm entwickeln kann.

Tobias Ahrens, Redakteur "Elf Freunde"
Und "Oldenburgia" kommt auch immer mal wieder vor. Ein Zusammenschluss von Oldenburgern kümmert sich ehrenamtlich um das Image der Stadt. Regelmäßig leisten sie sich eine Wetterpatenschaft. Schon 2005 bekam die Stadt große Aufmerksamkeit, als das damalige Hoch sich von Spanien bis Moskau über große Teile Europas ausbreitete und fast ganze fünf Wochen das Wetter zum Guten beeinflusste.
Was kostet das?
Ein Hoch kostet 360 Euro, ein Tief hingegen "nur" 240 Euro. Der Preisunterschied macht sich nicht daran fest, dass Hochdruckgebiete mutmaßlich beliebter sind. Grund ist vielmehr, dass Hochs einfach länger andauern, es insgesamt weniger von ihnen gibt. Durchschnittlich werden im Jahr etwa 50 bis 60 Hochs und 130 bis 150 Tiefs getauft.
Wann kann man den Namen denn sichern?
Für dieses Jahr sind bereits alle Wetterpatenschaften vergeben. Wer 2023 einem Gebiet einen Namen geben will, kann das voraussichtlich an einem Mittwoch im September tun. Das Prinzip ist: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Dazu schreibt das Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin selbst auf seiner Internetseite:

"Diejenigen Anträge, die am Starttag gleich um oder kurz nach 00:00 Uhr per E-Mail oder Fax eingehen, haben die Nase vorn und eine Patenschaft sicher. Gehen mehr Bewerbungen als verfügbare Tiefs und Hochs pro Buchstabe ein, wird am darauf folgenden Freitag gelost, damit haben auch die per Post eingehenden Anträge eine Chance."

Am besten ab Mitte August immer mal wieder auf die Homepage des Instituts schauen, welcher September-Mittwoch der Bewerbungstag ist. Viel Gück!

Rückblick: So erlebte Bremerhaven die stürmischen Stunden

Bild: Radio Bremen

Autorinnen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau am Mittag, 18. Februar 2022, 12 Uhr