Stahlwerk Bremen will klimafreundlichen Umbau deutlich beschleunigen

Bremer Stahlwerk will früher als geplant klimaneutral werden

Bild: DPA | Carmen Jaspersen

CO2-neutral bis 2050 – das war das ursprüngliche Ziel. Doch jetzt gibt es neue Pläne: Mit der Umrüstung auf Wasserstoff könnte das Stahlwerk Bremen das Ziel bereits 2035 erreichen.

Der Arcelor-Mittal-Konzern will den Umbau seines Bremer Standortes hin zu klimaneutraler Produktion deutlich ehrgeiziger vorantreiben, als bisher bekannt. Entsprechende Pläne hat das Unternehmen gegenüber buten un binnen bestätigt. Das Stahlwerk an der Weser soll sich bereits im kommenden Jahr in eine Großbaustelle verwandeln. Ziel ist es, die derzeit noch kohlebasierte Produktion auf klimafreundlichen Wasserstoff umzustellen.

"Wir haben uns auf den Weg begeben, bis 2050 komplett CO2-neutralen Stahl zu produzieren – wenn unsere Pläne funktionieren, werden wir das deutlich früher schaffen", sagt Michael Hehemann, Arbeitsdirektor im Bremer Werk. Bereits in vier Jahren könnte laut dem Stahl-Manager der erste von zwei Hochofen stillgelegt werden. In Hochöfen wird Eisenerz unter anderem mithilfe von Kohle erhitzt und flüssiges Roheisen erzeugt. Der Prozess gilt als besonders energieintensiv. Ersetzt werden soll das Hochofen-Verfahren durch Anlagen, die mit Wasserstoff betrieben werden können. Läuft alles nach Plan, ist die erste Produktionseinheit bereits 2025 fertiggestellt.

Das Ziel: CO2-Ausstöße um circa 90 Prozent reduzieren

Ein weiteres Aggregat will der Konzern bis 2032 fertigstellen. Dann kann theoretisch auch der zweite Bremer Hochofen seinen Betrieb einstellen. Das Endprodukt Stahl bleibe dasselbe, aber die Art und Weise, es zu produzieren, werde sich stark verändern und deutlich CO2-ärmer werden, sagt Michael Hehemann. "Wir werden Mitte der 30er-Jahre unsere CO2-Ausstöße um etwa 90 Prozent reduziert haben", verspricht der Arbeitsdirektor. Das würde sich enorm auf Bremens Klimabilanz auswirken, da das Stahlwerk derzeit für rund die Hälfte der klimaschädlichen Emissionen der Hansestadt verantwortlich ist.

Das Bild zeigt eine Übersicht über die geplanten Baustellenabschnitte des Bremer Stahlwerkes.
Das Bild zeigt die geplanten Bauabschnitte des Bremer Stahlwerks. Bild: Arcelor-Mittal

Um seine Emissionen nachhaltig senken zu können, ist das Stahlwerk allerdings auf eine ausreichende Versorgung mit klimaneutral erzeugtem Wasserstoff angewiesen. Die benötigten Mengen sind derzeit noch nicht verfügbar. Arcelor-Mittal kooperiert unter anderem mit dem Energievorsorger EWE, um eine entsprechende Infrastruktur schnellstmöglich bereitzustellen. "Wir werden die Möglichkeit haben, die Anlagen mit Wasserstoff zu betreiben, sobald er zur Verfügung steht, bis dahin laufen sie mit Erdgas", erklärt Michael Hehemann.

Bremen als Vorreiter

Deutschlandweit wäre das Bremer Stahlwerk eines der ersten, das den Umbau hin zur wasserstoffbasierten Produktion vollzieht. Branchenkenner glauben, dass Bremen dadurch den Vorteil haben könnte, schnell an die benötigten Anlagen zu kommen, weil die entsprechenden Spezialfirmen jetzt noch Kapazitäten hätten. Außerdem dürfte die Modernisierung die Stellung Bremens innerhalb des Arcelor-Mittal-Konzerns stärken.

Laut Arbeitsdirektor Michael Hehemann sorgt der Umbau für mehr Personalbedarf im Bremer Werk, da alte und neue Bereiche vorübergehend in einem Parallelbetrieb laufen würden. Er rechnet mit zusätzlichen Mitarbeitenden im dreistelligen Bereich.

Neues Tätigkeitsprofil für Beschäftigte

Die Gewerkschaft IG Metall begrüßt die Modernisierungsmaßnahmen ausdrücklich, mahnt aber auch an, die Belegschaft in den Prozess einzubinden. "Es darf keine Angst um den Arbeitsplatz aufkommen, das haben wir als Gewerkschaft auch abgesichert, und wir müssen sehen, dass die Belegschaft den Prozess aktiv nach vorne treibt", sagt Bremen IG Metall-Vorsitzende Ute Buggeln. Für viele Beschäftigte des Stahlwerks werde sich das Tätigkeitsprofil deutlich ändern, räumt auch der Arbeitsdirektor ein. Er ist allerdings zuversichtlich, dass die Belegschaft den Veränderungsprozess mitgehen könne.

Das gesamte Vorhaben baut auf die Zusage des Bundes, sich finanziell an dem Projekt zu beteiligen. Insgesamt rechnet das Management des Bremer Werks mit einem Investitionsvolumen von rund einer Milliarde Euro.

So soll die Stahlproduktion in Bremen umweltfreundlicher werden

Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Sebastian Manz Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 15. Dezember 2021, 19:30 Uhr