Friseure fordern Salonöffnungen statt Haareschneiden im Hausbesuch

Friseure waren selbst überrascht: Laut Bremer Verordnung dürfen sie bei Kunden zu Hause die Haare schneiden. Die Politik will nach dem Fauxpas nun schnell nachbessern.

Bild: DPA | Robert Guenther

Seit über einem Monat hätten Bremer Friseure Haare färben, schneiden und locken können, im Hausbesuch bei ihren Kunden und Kundinnen – nur hat das keiner gewusst. Laut der Rechtsverordnung vom 15. Dezember müssen zwar die Betriebe geschlossen bleiben, die Dienstleistung an sich, also das Schneiden oder Färben, ist nicht verboten.

Friseursalons dicht, aber Haareschneiden bleibt erlaubt

Diese neue Information sorgt für Unmut – nicht nur bei den Friseuren, sondern auch bei der Bremer Friseur-Innung, der Interessenvertretung der Haareschneidenen. "Wir sind seit dem 16. Dezember davon ausgegangen, dass sämtliche Dienstleistungen im Bereich der nicht-medizinischen Körperpflege untersagt sind", steht in einem Schreiben der Friseur-Innung an ihre Mitglieder.

Eine mobile Ausübung von Dienstleistungen beispielsweise bei einem Hausbesuch ist an anderer Stelle wiederum erlaubt. Es heißt: "Das Erbringen von Dienstleistungen [...], bei denen ein Abstand von 1,5 Metern von Mensch zu Mensch nicht eingehalten werden kann, sind erlaubt, wenn Hygienemaßnahmen getroffen werden."

Friseure wütend und verunsichert

Übersetzt heißt das, dass die Friseursalons schließen müssen, es aber in Bremen und Bremerhaven kein generelles Betätigungsverbot für diese Berufsgruppe gibt. Das Gesundheitsressort bestätigt auf Nachfrage: "Als wir die aktuelle Regelung erlassen haben, bestand in der Richtung der mobilen Friseure keine Handlungsnotwendigkeit, das Phänomen gab es nämlich nicht", so der Gesundheitssprecher Lukas Fuhrmann.

Dass es diese Nachfragen zum Friseurbesuch in Privatwohnungen jetzt vermehrt gibt, bestätigen Bremer Friseure. Friseurangestellte Marlis Fiedler spricht von einer Flut an Kundenanrufen. "Da wird total Druck auf uns ausgeübt, dass wir Termine vergeben und in die Wohnungen kommen sollen", beschreibt sie. "Meine Chefin und ich lehnen diese Hausbesuche aber ganz klar ab, weil wir die Sicherheit nicht gewährleisten können", so die 45-jährige Angestellte aus der Vahr.

Ich stell' mir das als Corona-Rundreise vor: Ich treffe erst Frau Meyer, bin dann mit Frau Schubert verabredet, danach fahre ich zu Frau Müller, da ist noch ihre Nachbarin, der schneide ich mal eben auch noch Haare – das ist unbegreiflich. Ich kann nicht verstehen, dass das erlaubt ist.

Marlis Fiedler, Friseurangestellte

Hausbesuch trotz Kontaktbeschränkung: "Blödsinn"

Marlis Fiedler ist wie andere Friseure wütend und empört. Die Information, dass sie seit einem Monat arbeiten dürfte, sei bei ihr und ihren Kunden eingeschlagen wie eine Bombe. Friseurmeister Mike Piée sieht diese Regelung wie seine beruflichen Kontakte extrem kritisch: "Alle sagen, dass das totaler Blödsinn ist." Er hofft, dass es sich bei der Hausbesuchsregelung um einen Formfehler handelt und sagt, dass er trotz vieler Anfragen von seinen Kunden keine Hausbesuche anbietet: Zu heikel, zu unsicher und unbequem.

Es ist zwar verlockend zu den Kunden nach Hause zu gehen, aber dann bleibt die Frage: Wie macht man das mit dem Geld einnehmen, mit der Hygiene, dem Abstand – das ist viel zu kompliziert.

Mike Piee, Friseurmeister

Bremen scheint mit dieser Regelung mal wieder einen eigenen Weg gegangen zu sein. Bundesweit sind Friseure geschlossen, in Bremen dürfen sie trotz Corona-Mutation sogar Hausbesuche machen.

Bremer Senat will nachregeln

Diese Gesetzeslücke ist auch dem Gesundheitsressort bekannt: "Der Senat beschäftigt sich deswegen bereits mit der Frage, wie die Hausbesuche von Friseuren unterbunden werden können und welche weiteren Schritte notwendig sind", sagt Gesundheitsressortsprecher Fuhrmann. Wann die Gesetzeslücke geschlossen wird, ist aber noch unklar.

Diese Corona-Mutation ist wie ein Floh: Man sieht einen, es gibt aber noch viel mehr unentdeckte. Und wir Friseure dürfen Hausbesuche machen?

Marlis Fiedler, Friseurangestellte

Friseurangestellte Fiedler hofft auf eine klare Linie und nicht wieder auf so eine "Wischi-waschi-Verordnung"

Friseur-Innung rät von Hausbesuchen ab

Die Bremer Handwerkskammer rät von den Hausbesuchen ab: "Bedenken Sie das gesundheitliche Risiko, wenn Sie sich in das private Umfeld des Kunden begeben", mahnt sie. Das entspricht auch der Position der Bremer Friseur-Innung. Sie empfiehlt den Friseuren, auf gar keinen Fall zu Hause die Haare zu schneiden und fordert vom Senat, dass lieber die Friseursalons geöffnet werden sollen – die haben bessere Hygienekonzepte als Privatwohnungen.

Dieses Gesetz ist eine Katastrophe, das geht gar nicht. Das ist ein Türöffner für Schwarzarbeit.

Sabrina Menke, stellvertrendende Obermeisterin der Friseur-Innung

Abstandsregeln, Hygieneregeln, Kontaktverfolgung: Das können Friseure in Privatwohnungen nicht einhalte. Das gehe nur in einem Friseursalon, so die stellvertretende Obermeisterin der Friseur-Innung, Sabrina Menke: Die Innungsbetriebe wollen laut Menke keine Hausbesuche machen, auch das Gesetz lehnen sie ab. Ihre Lösung: Sofortige Öffnung der Friseursalons.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 27. Januar 2021, 19.30 Uhr