Bremer Flughafen muss eine Million Euro einsparen

Nach buten un binnen Informationen muss der Bremer Flughafen eine Million Euro einsparen. Das geht aus einem Sanierungskonzept des Aufsichtsrates hervor.

Video vom 14. März 2020
Der Eingang vom Bremer Hans Koschnick Airport

"Der Flughafen muss erst wieder kreditfähig werden. Er stand ja kurz vor der Insolvenz." In schonungslosen Worten beschreibt Aufsichtsratschef Tim Cordßen die "Baustelle" Flughafen und das Ziel des Sanierungskonzepts, das der Aufsichtsrat verabschiedet hat. Die leicht vereinfachte Formel: mehr Passagiere, weniger Personal und sukzessiver Abbau des Reparaturstaus.

Selbst die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat haben zugestimmt. "Wir wollen aber erst mal prüfen, ob man das Geld nicht anders als beim Personal einsparen kann", so Betriebsratschef Andree Hoberg. Um rund eine Million Euro müssen die Kosten runter. Würde dies allein von der 450-köpfigen Belegschaft getragen, liefe es wohl auf einen Gehaltsverzicht von rund fünf Prozent hinaus. Bis Ostern sollen sich Betriebsrat und Flughafenleitung einigen. Dann erwartet der Aufsichtsratschef einen Bericht.

Für Tim Cordßen, im Hauptberuf Staatsrat im Häfenressort, ist der Kosten-Cut nur ein Baustein unter vielen im Sanierungskonzept, aber ein zentraler. "Ohne Einsparungen gibt es keine positive Fortführungsprognose", und ohne diese keine neuen Kredite und Investitionszuschüsse, um den Flughafen wieder fit zu machen.

Sieben Millionen Euro Zuschuss fürs Rollfeld

Tim Cordßen
Aufsichtsratchef Cordßen fordert besondere Lösungen, um den Flughafen auf Kurs zu bringen.

Auf rund 80 Millionen Euro wird dort der Sanierungsstau geschätzt. Flughafenzaun, Rollwege, Landebahnbefeuerung, Terminals und vieles muss erneuert werden. Den Anfang will die Flughafenleitung auf dem bröckelnden Vorfeld machen. Für 14 Millionen Euro soll es in diesem und dem kommenden Jahr saniert werden. Die Hälfte, also sieben Millionen Euro, würde die Stadt Bremen als Eigentümer zuschießen. "Aber nur, wenn auch der Flughafen seinen Beitrag leistet", so Cordßen.

Die Geschäftsleitung soll aber nicht nur die Kosten senken, sondern auch die Einnahmen erhöhen. 2,7 Millionen Fluggäste jährlich werden benötigt, damit der Flughafen wirtschaftlich arbeitet, erklärt der Aufsichtsratschef. Im vergangenen Jahr waren es nur 2,3 Millionen. Bis 2025 soll Bremens Flughafenchef Elmar Kleinert nun die neue Zielmarke erreichen.

Corona zwingt zu "besonderen Lösungen"

Tatsächlich stand der Flughafen schon einmal bei 2,7 Millionen Passagieren, im Jahr 2014. Doch seitdem haben immer neue "Sondereffekte" – wie sie Tim Cordßen nennt – auf die Passagierzahlen gedrückt: Airline-Sterben, Türkei-Krise, zuletzt in diesem Jahr das Coronavirus. Ist das Sanierungskonzept in der aktuellen Lage überhaupt zu halten?

Die Folgen der Corona-Krise seien nicht absehbar, so Cordßen. "Aber das Abfedern der daraus entstehenden Problematiken wird besondere Lösungen erfordern." Ein typisch vieldeutiger Satz des Aufsichtsratsvorsitzenden. Am Flughafen jedenfalls geht ein Gerücht um: Kurzarbeit. Nicht einfach, unter diesen Umständen über Lohnverzicht zu verhandeln.

Autor

  • Michael Pundt

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 14. März 2020, 6 Uhr