Bremer Epidemiologe zweifelt wegen Omikron an Effizienz von Pool-Tests

Ein komplettes, unbenutztes Set des sogenannten "Lolli-Test" (PCR-Pooltest) steht in einem Grundschul-Klassenzimmer
Ein komplettes, unbenutztes Set des sogenannten "Lolli-Test" (PCR-Pooltest) steht in einem Klassenzimmer der Grundschule an der Sankt-Martin-Straße.
Bild: DPA | Peter Kneffel

Viele Eltern fordern PCR-Pooltests für ihre Schulkinder. Das Bildungsressort setzt hingegen auf Antigen-Schnelltests. Der Epidemiologe Hajo Zeeb hält das für richtig.

Bremens Bildungssenatorin Sascha Aulepp (SPD) setzt zum Schulbeginn nach den Weihnachtsferien auf tägliche Antigen-Schnelltests. Vielen Eltern von Bremer Schülerinnen und Schülern reicht das aber nicht. Sie fordern PCR-Tests, die zum Beispiel in Form von "Lolli-Tests" als Pool-Tests in den Schulklassen durchgeführt werden, wie auch in Nordrhein-Westfalen.

Dies lehnt Aulepp allerdings ab. "Wir hatten nach den Sommerferien Pool-PCR-Tests. Und da war die Rückmeldung: Das ist nicht wirklich praktikabel", sagte die Senatorin auf Bremen Eins. So gelten die PCR-Pooltests als sehr verwaltungsaufwendig, da sie über Schulleitungen und Labore koordiniert werden müssen. Darüber hinaus kam es in Bremen auch zu einer Panne im September. Damals hatte ein Testanbieter falsch-positive Corona-Pooltests an Bremer Grundschulen übermittelt. Einige der Schulen blieben daraufhin geschlossen.

Aus Sicht des Bremer Epidemiologen Hajo Zeeb gibt es inzwischen ein noch entscheidenderes Argument gegen die Durchführung von PCR-Pooltests. "Die Idee des Poolings, Tests möglichst effizient abzuarbeiten, funktioniert bei Omikron möglicherweise nicht mehr", sagt Zeeb. Das liege daran, dass bei Pooltests meist 20 Proben von Schülern zu einer Probe gemischt und dann einem PCR-Test unterzogen werden. Im Falle eines positiven Befundes müsste der Pool dann aufgelöst und alle 20 Schülerinnen und Schüler einzeln getestet werden. "Wenn Sie aufgrund der hohen Omikron-Infektionszahlen nun aber 15 von 20 Pools auflösen müssen, dann dauert das wesentlich länger als die seriellen Antigen-Schnelltests", sagt Zeeb.

Man muss dann abwägen zwischen schnellem Ergebnis und zuverlässigem Ergebnis.

Hajo Zeeb, Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS

PCR-Test seien Zeeb zufolge zwar sensitiver und sicherer als Antigen-Schnelltests. Das Ergebnis sei aber erst nach 24 Stunden da. Sollte ein Pool aufgelöst werden müssen, stünden die Ergebnisse sogar erst nach 48 Stunden zur Verfügung. Zudem könne kinderfreundlichere Anwendung der sogenannten Lolli-Tests zwar im Einzelfall für diese Methode sprechen, sagt Zeeb. Andererseits müsste es seiner Ansicht nach inzwischen aber genug Anwendungserfahrung mit den anderen Tests geben.

"Wichtig ist, dass überhaupt getestet wird, um sich einen Überblick zu verschaffen", betont Stefan Trapp vom Bremer Kinder- und Jugendärzteverband. Dies gelte vor allem für die jetzige Situation direkt nach den Ferien. Darüber hinaus müsse abgewartet und geschaut werden, ob die Verläufe bei Kindern weiterhin weitgehend symptomfrei und mild verliefen. "Wir sehen in der Praxis, dass es viele Kinder gibt, die positiv getestet sind und keinerlei Symptome haben", sagt Trapp.

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Bild: Radio Bremen | Milan Jaeger

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau, 10. Januar 2022, 7 Uhr